Freistellung gefordert
Schavan will Manager als Aushilfslehrer

Bundesbildungsministerin Annette Schavan will Manager und Ingenieure zu Aushilfslehrern machen und so den Schulunterricht bereichern. Der Vorschlag wurde überwiegend mit Skepsis aufgenommen. Die Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft bezeichnete ihn sogar als Nonsens.

HB BERLIN. „Ich fordere alle Unternehmen auf, ihre Top-Mitarbeiter für den Schulunterricht freizustellen“, sagte die CDU-Politikerin der „Bild“-Zeitung. Zum Beispiel könne ein Ingenieur zwei Stunden wöchentlich Physik- oder Mathematikunterricht geben.

Schavan machte ihren Vorstoß vor dem Hintergrund der Debatte über massiven Lehrermangel und Abwerbungsversuche einzelner Bundesländer. Nach Darstellung des Deutschen Lehrerverbands fehlen derzeit 20 000 Lehrkräfte in Deutschland. Verbandspräsident Josef Kraus warnte im Gespräch mit Handelsblatt.com vor den Folgen für den Wirtschaftsstandort.

Der Mangel sei in den Realschulen und Gymnasien am größten in den Fächern Mathematik, Physik und Latein. In den beruflichen Schulen gebe es zu wenig Pädagogen vor allem für Elektrotechnik, Metalltechnik und Wirtschaftspädagogik.

Gerade in den Fachgebieten Naturwissenschaften und Technik will Schavan nun Profis aus der Wirtschaft in die Pflicht nehmen. Sie sollen ihre Kenntnisse aus der Praxis verstärkt in den Unterricht einbringen. Eine solche Zusammenarbeit gibt es schon heute. Der Autokonzern BMW schickt beispielsweise seit Jahren immer wieder Ingenieure in Schulen, allerdings nur für einzelne Projekte. „Wir sehen unseren Beitrag nur als Ergänzung, nicht als Ersatz für Unterricht“, betonte Unternehmenssprecherin Konstanze Carreras. Bei den Projekten seien die Lehrer immer dabei.

Der thüringische Kultusminister Bernward Müller begrüßte Schavans Vorstoß. „Wir brauchen den Austausch mit der Wirtschaft“, sagte er der „Leipziger Volkszeitung“. „Nur so können wir unsere Absolventen optimal auf das Berufsleben vorbereiten.“

Der Präsident der Kultusministerkonferenz, Henry Tesch, sieht den Einsatz von Praktikern als Lehrer dagegen skeptisch. „Die müssen anderen auch etwas verständlich erklären und vermitteln können“, sagte der CDU-Politiker und Bildungsminister von Mecklenburg-Vorpommern der AP. Ähnlich äußerte sich der sächsische Kultusminister Roland Wöller (CDU) im MDR.

Zusätzlich angeheizt wurde die Lehrerdebatte durch eine Studie des Münchner Bildungsökonomen Ludger Wößmann für das Ifo-Institut, nach der Lehrer im Vergleich zu anderen Akademikern schlechte Abiturnoten haben. Grund-, Haupt- und Realschullehrer machen ihr Abi mit der Durchschnittsnote 2,5. Bei anderen Studiengängen mit Staatsexamen liegt der Abi-Schnitt dagegen beispielsweise bei 2,0, bei Diplomstudiengängen an der Uni bei 2,1 und bei Magisterstudiengängen bei 2,4. Vergleichsweise gut schnitten allerdings die Gymnasiallehrer mit einem Abi-Schnitt von 2,1 ab.

Der baden-württembergische CDU-Politiker Thomas Volk forderte in der „Bild“-Zeitung, Lehrer müssten mindestens einen Abi-Schnitt von 2,0 haben: „Es kann nicht sein, dass viele eher schlechte Abiturienten unseren Nachwuchs unterrichten.“

Insgesamt stießen die Studienergebnisse allerdings eher auf Skepsis. Tesch sagte der AP, gute Noten seien kein Indiz dafür, ob jemand auch ein guter Lehrer werde.

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