_

Freizügigkeit: Deutsche Jobs ziehen nur wenige Osteuropäer an

Der Massenansturm ist ausgeblieben: Nach der Öffnung des deutschen Arbeitsmarktes drängen bislang nur wenige osteuropäische Arbeitskräfte ins Land.

Polnische Erntehelfer stechen auf einem Feld Spargel: Bislang ist der große Run auf Jobs in Deutschland ausgeblieben. Quelle: ZB
Polnische Erntehelfer stechen auf einem Feld Spargel: Bislang ist der große Run auf Jobs in Deutschland ausgeblieben. Quelle: ZB

Nürnberg / BerlinTrotz der Öffnung des deutschen Arbeitsmarktes ist der Ansturm von osteuropäischen Arbeitskräften weitgehend ausgeblieben. Das geht aus einer ersten Bilanz hervor, die die Bundesagentur für Arbeit (BA) am Mittwoch in Nürnberg vorgestellt hat. Durch die sogenannte Arbeitnehmerfreizügigkeit sei die Zahl der Beschäftigten aus den acht osteuropäischen EU-Beitrittsstaaten im Mai um lediglich 24.000 auf 259.000 gestiegen.

Anzeige

„Nach wie vor hält sich der Zustrom osteuropäischer Arbeitskräfte in Grenzen“, bilanzierte BA-Vorstandsmitglied Raimund Becker. „Sie stellen keine nennenswerte Konkurrenz für heimische Arbeitslose dar.“ Seit dem 1. Mai können auch Bürger aus den EU-Staaten Estland, Lettland, Litauen, Polen, Slowenien, Ungarn, Tschechien und der Slowakei ohne Einschränkungen eine Arbeit in Deutschland aufnehmen. Nach einem Monat stellten sie in der Bundesrepublik aber gerade einmal 0,8 Prozent der Beschäftigten.

Der wirtschaftspolitische Sprecher der Unions-Fraktion im Bundestag, Joachim Pfeiffer (CDU), forderte bereits eine „Willkommenskultur“, um für ausländische Fachkräfte attraktiv zu werden. Eine erleichterte Anerkennung von Qualifikationen gehöre ebenso dazu wie verbesserte arbeitsrechtliche Bedingungen für Familienangehörige.

Dank der Freizügigkeit könnten EU-Bürger ohne Hürden in Deutschland arbeiten. Gerade in Krisenländern wie etwa Spanien und Portugal gebe es Potenziale an technischen Fachkräften, die in der Heimat keine Perspektive hätten.

Die magere Bilanz zeichnete sich bereits in den kürzlich bekanntgewordenen Zahlen des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF) ab. Danach wanderten im Mai aus den acht betroffenen EU-Staaten nur 10.324 Menschen nach Deutschland ein - kaum mehr als doppelt so viele wie im April, als die Hürden für die Arbeitsaufnahme noch deutlich höher waren.

Nach der BA-Bilanz nahmen aus den acht osteuropäischen Staaten im Mai insgesamt 33.000 Menschen einen Job in Deutschland an. Davon seien allerdings nur 24.000 Arbeitsverhältnisse auf die neue Freizügigkeit zurückzuführen - die übrigen 9000 seien jahreszeitlich bedingt. Dass diese Zahlen höher sind als die Zuwanderungszahlen des BAMF, begründet die Arbeitsagentur damit, dass viele der jetzt sozialversicherungspflichtigen Arbeitskräfte schon vor dem 1. Mai in Deutschland lebten, aber entweder arbeitslos oder selbstständig waren.

 

  • 28.07.2011, 11:04 UhrAnonymer Benutzer: zarakthuul

    Wer Fachkraft ist, kann in anderen Staaten mehr verdienen. Ohne die Abwanderung der "Generation Praktikum" gäbe es keinen Fachkräftemangel.
    Die Zuwanderung in geringer qualifizierte Jobs, wie seinerzeit die "Gastarbeiter" ist dank des miserablen Lohnes sehr überschaubar.
    Der Löwenanteil wird sich im grauen und schwarzen Arbeitsmarkt tun.

  • 27.07.2011, 12:40 Uhrihr

    Da muß wieder die Fachkräftelüge herhalten. Dabei weiss doch jeder, daß es nur keine billigen Fachkräfte gibt. Für normal bezahlte Stellen sind ausreichend Bewerber vorhanden.

    Übrigens, die Einkommen der mittleren Einkommen sind in den letzten 10 Jahren um 2,5% gesunken. In allen anderen europäischen Staaten gestiegen.

    Und die Reichen in Deutschalsn konnten ihre Vermögen in der Zeit vervielfachen - aber die taugen eben nicht als Fachkräfte!

  • Die aktuellen Top-Themen
Die Linke: Ulrich Maurer greift Parteispitze an

Ulrich Maurer greift Parteispitze an

In der Linken mehrt sich der Protest gegen die Parteispitze und den Zustand der Partei. Fraktionsvize Ulrich Mauer fordert eine radikale Verjüngungskur - und mehr Frauen. Denn in diesem Punkt hapert es gewaltig.

Gastkommentar: Die CDU muss weiter nach links rücken

Die CDU muss weiter nach links rücken

Nach der NRW-Wahl muss die Union neue Prioritäten setzen: Sie muss auf die Sorgen der Menschen reagieren. Sonst verliert sie noch mehr Vertrauen - und ihren Status als Volkspartei.

Studie: Bei Übernahmeschlachten gewinnt der Verlierer

Bei Übernahmeschlachten gewinnt der Verlierer

Wenn zwei Unternehmen um ein anderes streiten, bedeutet das oft nicht Gutes für den Gewinner. Denn bei Übernahmen können die Sieger die Erwartungen oft nicht erfüllen. Profiteur ist - der Verlierer.