Die Reaktionen auf das Aus für den Transrapid in Bayern reichen von Freude bis Bedauern. Von der Opposition im Freistaat verlauteten kritische bis hämische Kommentare. Während Landesregierung und Wirtschaftsvertreter das Ende des Prestigepojekts bedauerten, erhob Umweltminister Ottmar Bernhard (CSU) schwere Vorwürfe gegen die beteiligten Unternehmen.
Transrapid: Die Magnetschnellbahn sollte den Münchener Flughafen mit der Innenstadt verbinden. Foto: dpa
HB MÜNCHEN. Nach dem Aus für den Münchner Transrapid hat sich der frühere bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber über die Kostenexplosion des Projekts verwundert gezeigt. „Nahezu eine Verdoppelung der Kosten in sechs Monaten ist doch sehr ungewöhnlich“, sagte der CSU-Ehrenvorsitzende laut einer in München veröffentlichten Mitteilung. Der Transrapid sei als Leitprojekt der deutschen Hochtechnologie Teil der Koalitionsvereinbarung und damit ein Projekt für Deutschland insgesamt.
Stoiber bedauerte, dass diese Hochtechnologie in Deutschland nun wohl endgültig gescheitert sei. Dies sei vor allem für Bayern schmerzlich. Denn Bayern habe sich in den vergangenen Jahrzehnten zu einem weltweit anerkannten Standort für modernste Technologien entwickelt. Stoiber forderte, die Grundlage der Koalitionsvereinbarung nicht zu verlassen. Die für den Transrapid vorgesehenen Bundesmittel von knapp einer Milliarde Euro müssten auf jeden Fall in Hochtechnologieprojekte investiert werden - und dies wie bisher beabsichtigt vor allem in Bayern.
Im Aus für den Münchner Transrapid sehen die bayerischen Oppositionsparteien eine große Schlappe für die regierende CSU. Den Christsozialen wurde am Donnerstag von den anderen Parteien vorgeworfen, mit ihrem jahrelangen Festhalten an der umstrittenen Magnetschwebebahn Millionen an Steuergeldern für Planungskosten verschleudert zu haben.
Die SPD-Landtagsfraktion sprach von der „größten denkbaren Schlappe“ für CSU und Landesregierung. Die CSU habe gegen alle wirtschaftliche Vernunft und gegen den Bürgerwillen versucht, ihr politisches Prestigeprojekt durchzusetzen, kritisierte der Fraktionsvorsitzende Franz Maget. Der Münchner Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) sagte dem Bayerischen Rundfunk (BR), er sehe im Scheitern des Projekts „eine vernichtende Niederlage“ für die CSU.
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Die Landesvorsitzende der Grünen in Bayern, Therese Schopper, sagte: „Das endgültige Aus für den Transrapid ist ein Riesenerfolg für die Grünen und alle Gegner des unsinnigen Projekts.“ Für die CSU-Spitze bedeute das Ende der hochfliegenden Pläne eine bittere Niederlage, sagte Schopper. Die Partei habe die Augen vor der Wirklichkeit verschlossen. Dafür habe sie jetzt eine Ohrfeige bekommen, von der ihr noch bei der Landtagswahl im Herbst die Ohren dröhnen würden.
Die Industrie und Handelskammer (IHK) München und Oberbayern und der bayerische Umweltminister Ottmar Bernhard (CSU) bedauerten dagegen das Ende des Projekts. Umweltminister Bernhard bedauerte dagegen das Aus für den Transrapid und erhob Vorwürfe gegen die beteiligte Industrie: Sie habe ein unseriöses Versteckspiel betrieben, denn den Unternehmen sei schon lange bewusst gewesen, dass der Transrapid bei einer Kostensteigerung von 50 Prozent nicht gebaut werden würde. Die Unternehmen hätten die Politik hingehalten, indem sie den Eindruck erweckt hätten, dass der Kostendeckel durch Einsparungen gehalten werden könne. Dies stelle ihre Verlässlichkeit als Partner der Politik infrage.
Die IHK befürchtet erhebliche Nachteile für den Wirtschaftsstandort München und Bayern durch das Scheitern des Transrapids. Jetzt müsse schnellstmöglich geklärt werden, wie eine andere Verkehrsanbindung des Flughafens realisiert werden könne.


