Freude und Zähneknirschen über die schwarz-roten Pläne liegen dicht beieinander
Bauwirtschaft plant Zeit nach Eigenheimzulage

Für die Bauwirtschaft liegen Licht und Schatten der Koalitionsvereinbarung dicht beieinander. Während Konzerne wie Hochtief, Bilfinger Berger oder Strabag zufrieden auf die Ankündigung zusätzlicher Investitionen in die Verkehrsinfrastruktur reagieren und Bilfinger-Chef Herbert Bodner einen „neuen Schwung“ für privatwirtschaftliche Modelle zum Bau und Betrieb öffentlicher Infrastruktureinrichtungen (Public Private Partnership) ausmacht, zeigt sich der Mittelstand enttäuscht.

DÜSSELDORF. Karl Robl, Hauptgeschäftsführer des Zentralverbands des Deutschen Baugewerbes (ZDB) hält die Branche sogar für einen der Hauptverlierer, da durch die Streichung der Eigenheimzulage mit einem deutlich rückläufigen Bauvolumen und in Folge der Mehrwertsteuererhöhung mit einer Zunahme der Schwarzarbeit zu rechnen sei. Allein durch diese beiden Effekte werde eine Familie mit einem Kind, die ein Haus für 200 000 Euro bauen möchte, mit rund 23 000 Euro mehr belastet. Der Investitionsbereitschaft privater Bauherren werde ein schwerer Schlag versetzt, sagte Robl.

Die Eigenheimzulage sollte Haushalte mit Kindern und niedrigem Einkommen in die Lage versetzen, Wohneigentum zu bilden. Einmal im Leben können Bauherren die Förderung von maximal 1 250 Euro pro Jahr beantragen. Sie wird acht Jahre lang gewährt und kann sich für jedes Kind um 800 Euro jährlich erhöhen. Die Förderung ist an Einkommensgrenzen gebunden und läuft in diesem Jahr aus.

Doch bereits das politische Hin und Her um die Zulage unter Rot-Grün hatte dem Baugewerbe einen Boom beim Bau von Ein- und Zweifamilienhäusern beschert, da viele Bauwillige die Subvention noch schnell vor ihrer Abschaffung einstecken wollten. Doch das konjunkturelle Strohfeuer ist längst erloschen. Der Vorzieheffekt sei weitgehend ausgeschöpft, sagte Erhard Schmitt, Bauanalyst von Helaba Trust.

Das Minus bei den Baugenehmigungen für Ein- und Zweifamilienhäuser belief sich im ersten Halbjahr auf 30 Prozent. Durch ein mögliches Festhalten an der Zulage werde kein Haus zusätzlich gebaut, heißt es in der Baubranche hinter vorgehaltener Hand. Argumente gegen die Zulage finden wieder Gehör: Zersiedelung der Landschaft, Verödung der Städte, preistreibende Wirkung von Subventionen, Verzerrungen auf dem Wohnungsmarkt sowie Mitnahmeeffekte.

Seite 1:

Bauwirtschaft plant Zeit nach Eigenheimzulage

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%