Friedrich Merz
Schwarz-gelber Protestmarsch

Am Wochenende wird Friedrich Merz gemeinsam mit Guido Westerwelle durch das Sauerland wandern. In der Union geht nun die Angst um, die „gemütliche Wanderung mit Vespermahlzeit und Podiumsdiskussion“ könnte in eine Debatte über das wirtschaftspolitische Profil der CDU umschlagen.

BERLIN. Anfang des Jahres zögert Friedrich Merz noch. Das einstige wirtschaftspolitische Zugpferd der Union trifft sich mit dem FDP-Mann Wolfgang Gerhardt im Hinterzimmer eines Berliner Restaurants. Beide planen den großen Wurf: Ein gemeinsames schwarz-gelbes Positionspapier. Einen freiheitlichen, fraktionsübergreifenden Politikentwurf von zwei Persönlichkeiten, wie Gerhardt später sagen wird. Doch Merz, der bekanntlich kein gutes Haar an der Wirtschafts- und Finanzpolitik der Union mehr lässt, zieht ein paar Tage später überraschend zurück. Der wirtschaftspolitische Schlag in den Nacken der eigenen Partei unterbleibt.

Ein gutes halbes Jahr ist seitdem vergangen und offenbar zögert Merz nicht mehr, wenn es um eine offene Annäherung zu den Liberalen geht. Am Wochenende bricht er diesmal nicht mit Gerhardt, sondern mit FDP-Chef GuidoWesterwelle zu einer „philosophischen Wanderung“ im Hochsauerland, seinem Wahlkreis auf. „Die Zukunft Deutschlands in der Globalisierung“, lautet der offizielle Titel der Veranstaltung in Winterberg. Doch in der Union befürchten schon einige, die „gemütliche Wanderung mit Vespermahlzeit und Podiumsdiskussion“ könnte schnell in eine Debatte über das wirtschaftspolitische Profil der Union umschlagen. Denn Merz wandert nicht nur im Sauerland auf liberalen Spuren. Vier Wochen später tritt er gleich nochmal bei der FDP, diesmal als Gastredner auf der Klausurtagung der FDP-Bundestagsfraktion in Wiesbaden auf. Die Einladung des FDP-Vorsitzenden habe Merz ohne Zögern angenommen, heißt es.

Reine Provokation oder Frust über den Unionskurs in der Wirtschaftspolitik? 120 Teilnehmer wollen jedenfalls schon im Sauerland mitwandern, darunter eine ganze Schar von Journalisten.

FDP-Chef Westerwelle wird sich über den Spaziergang freuen. Der Satz: „Alle, die wie Metzger an den Grünen, Clement an der SPD und Merz an der CDU verzweifeln“, gehört zu seinem Standardrepertoire, wenn er enttäuschte wirtschaftsnahe Unionswähler auf seine Seite ziehen will. Dass das auch mit Merz gelingt, glaubt man in der FDP nicht. Doch die Nähe zu Merz wird seiner Kritik an der Politik von Kanzlerin Angela Merkel nicht schaden.

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