Führende Parteipolitiker kritisieren Wahlkampf
Jetzt will die CDU abrechnen

Vor der für Montag geplanten Wahlkampfanalyse des CDU- Vorstands wird zunehmend scharfe Kritik an der Unionsstrategie laut.

HB BERLIN. Führende CDU-Politiker verlangten wegen des schwachen Abschneidens der Union bei der Bundestagswahl (35,2 Prozent) deutliche Konsequenzen für künftige Wahlkämpfe. Einige Politiker monierten, man habe zu sehr auf komplizierte Sachthemen und zu wenig auf Emotionen gesetzt. Andere warnen vor einem „Scherbengericht“ für Bundeskanzlerin und CDU-Chefin Angela Merkel. Mit Rücksicht auf eine reibungslose Regierungsbildung hatte Merkel diese Diskussion bislang auf Eis gelegt gehabt.

So forderte der stellvertretende Parteivorsitzende Christoph Böhr Konsequenzen aus dem schlechten Abschneiden bei der Bundestagswahl. „Um die CDU wieder über 40 Prozent zu bringen, müssen wir in Zukunft weniger betriebswirtschaftlich argumentieren“, verlangte er in der „Bild am Sonntag“. „Aufgabe der Union ist es, wieder stärker die Gefühle der Menschen zu entdecken und nicht als Sanierungstechnokraten „rüberzukommen“, mahnte Böhr. Im Wahlkampf sei viel über Zumutungen gesprochen worden, ohne klar zu machen, wohin der Weg führe. „Es war wie ein Ausflug ins Blaue“, rügte er. Abstraktes wie Haushaltssanierung „reißt die Leute nicht vom Stuhl“, fügte er in „Focus“ hinzu. „Wir treten im Wahlkampf auf wie ein Unternehmensberater.“

„Mit Zahlenkolonnen gewinnt man keine Wahl“, bemängelte in dem Nachrichtenmagazin auch der JU-Vorsitzende Philipp Mißfelder. Er vermisste emotionale Themen wie Familie oder Bildung. Auch mit Kritik am EU-Beitritt der Türkei „wären wir tief in die sozialdemokratische Wählerschaft eingebrochen“. Von den drei Grundwerten Freiheit, Solidarität und Gerechtigkeit dürfe keiner die anderen überragen, verlangte der Vorsitzende der CDU-Arbeitnehmerschaft Karl-Josef Laumann im selben Blatt. „Im Wahlprogramm hat Freiheit die anderen übertrumpft.“

Der saarländische Ministerpräsident Peter Müller bemängelte auch die Kernbotschaft von Kanzlerin Angela Merkels Regierungserklärung. „Mehr Freiheit wagen - das ist nicht die große Vision. Viele Leute empfinden Freiheit als Bedrohung von Besitzständen und Arbeitsplatz“, sagte er „Focus“. Müller forderte eine gründliche Debatte über das Wahlergebnis. Am Wirrwarr um die Steuerpolitik habe es nicht gelegen: „Mit Professor Kirchhoff ist es sicher nicht optimal gelaufen, aber das wäre als Erklärung zu einfach.“

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