Führungsstil
Platzeck will neue Sitten in der SPD

Der designierte SPD-Vorsitzende Matthias Platzeck will bei den Sozialdemokraten einen neuen Führungsstil etablieren. In der Partei solle es künftig kämpferisch, aber auch kameradschaftlicher zugehen. Platzeck pochte auf die Fortsetzung der Reformen und forderte zudem einen nachdenklicheren Umgang mit der DDR-Vergangenheit.

HB BERLIN. „Wir müssen mit unseren sozialdemokratischen Themen die Menschen im Land gewinnen", sagte Platzeck der "Leipziger Volkszeitung". Dazu gehört die Weiterentwicklung der sozialen Demokratie, die Mitbestimmung, die Stärkung einer offenen und toleranten Gesellschaft und die Wahrung Deutschlands als Friedensmacht.“

Sich selbst bezeichnete Platzeck als fröhlichen und immer optimistischen Menschen. „Also glaube ich immer daran, dass das, was wir uns vornehmen, am Ende auch gelingt. Manches dauert freilich ein wenig länger.“ Er fahre seit 15 Jahren gut damit, „Dinge erst zu sagen, wenn wir sie einigermaßen klar haben“. Er mache das, was er könne, mit Freude, Hingabe und aus Überzeugung, sagte Platzeck. „Ich bin keiner, der auf die laute Pauke haut.“

Platzeck war am Mittwochabend einstimmig vom SPD-Vorstand als Nachfolger von Franz Müntefering nominiert worden, der nach einer Abstimmungsniederlage am Montag seinen Rückzug angekündigt hatte.

Fotostrecke:„Deichgraf“ Matthias Platzeck

Platzeck bekannte sich zur Fortsetzung der Reformen. „Die Agenda 2010 ist ein im Grundsatz richtiger und vernünftiger Weg“, sagte der brandenburgische Ministerpräsident der Zeitung weiter. Die SPD müsse „deutlicher herausstellen, dass die Lastenverteilung wirklich eine echte und gerechte Lastenverteilung ist“, fügte er hinzu. Eine Umkehr der SPD-Grundrichtung werde es keinesfalls geben. Mit Blick auf eine traditionelle Forderung der Parteilinken wandte sich Platzeck gegen die Wiedereinführung einer Vermögenssteuer.

Platzeck trat zudem für einen nachdenklicheren Umgang mit der DDR-Vergangenheit ein. „Die meisten haben mehr als zehn Jahre lang gesagt, das ist alles Mist in der DDR gewesen. Dadurch haben wir viel Frust erzeugt.“ Denn so einfach lägen die Dinge nicht. So sei es etwa ein Fehler gewesen, die Strukturen aus der DDR bei der Gesundheitsorganisation und der Schulorganisation „in einen ideologischen Rucksack zu packen und unbesehen über Bord zu schmeißen“. In Finnland habe man ihm etwa im Schulministerium und später in einer Poliklinik gesagt, dass man sich einiges aus der DDR abgeschaut habe, etwa langes gemeinsames Lernen in einem Klassenverband.

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