Führungswechsel bei der IG Metall
Stunde der Strategen

Am Montag soll der Vorstand der IG Metall entscheiden, wer künftig an der Spitze von Deutschlands größter Einzelgewerkschaft stehen wird. Sehr wahrscheinlich löst Vize Berthold Huber seinen Chef Jürgen Peters ab. Der Kampf um die neue Nummer zwei birgt Zündstoff.

BERLIN. Wenn am Montag der IG-Metall-Vorstand tagt, um über die künftige Führungsspitze der Gewerkschaft zu entscheiden, dann werden sich zumindest in einem alle einig sein: So wie vor vier Jahren soll es bestimmt nicht wieder laufen. Ob der Schauer der Erinnerung aber wirklich stark genug ist, um neue Turbulenzen zu unterdrücken?

Damals, an einem Montag Anfang April, sprach sich zunächst der engere Vorstand auf seiner Nominierungssitzung mit knapper Mehrheit für Berthold Huber als neuen Spitzenmann aus. Tags darauf wurde der Personalvorschlag vom erweiterten Vorstand aber nicht bestätigt: Huber, Wunschkandidat des scheidenden IG-Metall-Chefs Klaus Zwickel, bekam 20 Stimmen – und Jürgen Peters, damals Vizechef, auch. Patt.

Es folgten: ein erbittert ausgefochtener Machtkampf; eine tiefe Spaltung der Gewerkschaft; und, nebenbei, auch noch die desaströse Niederlage im Metallerstreik für die 35- Stunden-Woche im Osten. Am Ende setzte Peters seinen Anspruch durch, Huber musste sich mit dem Amt des Zweiten Vorsitzenden begnügen. Beide wurden aber bei der eigentlichen Wahl auf dem Gewerkschaftstag mit 60-Prozent-Ergebnissen abgestraft.

Nun läuft das Poker von neuem. Und auch wenn eigentlich alle Frieden wollen, sind doch wieder Risikofaktoren im Spiel. Wirklich gesichert ist derzeit nur, dass Huber tatsächlich den Chefposten anstrebt. Diesen Anspruch hat er im Frühjahr öffentlich angemeldet und damit alle gegenteiligen Spekulationen zerstreut.

Lange schien es auch für das neu zu besetzende Amt des Zweiten Vorsitzenden keinen ernsthaften Bewerber außer Detlef Wetzel zu geben, den umtriebigen NRW-Bezirksleiter. Seit aber im Frühsommer auch der niedersächsische Bezirkschef und Peters-Intimus Hartmut Meine streuen ließ, dass er sich dafür interessieren könnte, sind nun wieder mehr Kandidaten als Spitzenämter im Spiel.

Nebenbei kommt hinzu: Amtsinhaber Peters hat Hubers Plänen zwar nie öffentlich widersprochen. Eine greifbare Ankündigung, dass Peters sein Amt mit dem Gewerkschaftstag im November wirklich räumen wird, gibt es aber ebenfalls noch nicht. Auch das lässt zumindest Raum für Spekulationen. Andererseits scheint in der IG Metall aber selbst unter erklärten Peters-Anhängern niemand ernsthaft zu bezweifeln, dass dieser Teil der Personalentscheidung keine neuen Überraschungen bringt.

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