Fünf Fragen an: Alexander Olek: "Wir sind weit weg vom Idealzustand"

Fünf Fragen an: Alexander Olek
"Wir sind weit weg vom Idealzustand"

Der Aufsichtsratsvorsitzender der Phorms-Schule, Alexander Olekt, ist überzeugt, dass gute Bildung nichts damit zu tun, dass Eltern im "richtigen" Bezirk wohnen und die Sprösslinge durch schlossartige Parkanlagen flanieren können.

Herr Olek, sind die Schulen in Berlin so schlecht, dass Sie eine neue Schule gründen mussten?

Wenn man in einem der "richtigen" Bezirke der Stadt wohnt, kann man in Berlin - genauso wie in anderen deutschen Städten - natürlich gute Schulen finden, übrigens auch staatliche. Die Frage ist hier, ob "gut" für jemanden gut genug ist. Anders als vielleicht noch bei unseren Eltern ist der Maßstab ja nicht mehr der Bezirk von nebenan, sondern andere Länder, denen für die Bildung ihrer Kinder das Beste gerade gut genug ist. Wenn ich mich daran orientiere, was in puncto Bildung wünschenswert und machbar ist und anderswo auch gemacht wird, dann sind wir nicht nur in Berlin sehr weit weg vom Idealzustand.

Beschreiben Sie doch mal den Idealzustand: Was muss eine Schule für Sie können?

Gute Bildung hat nichts damit zu tun, dass die Sprösslinge durch schlossartige Parkanlagen flanieren können. Im Gegenteil, ich wünschte mir für meine Kinder eine betont unprätentiöse Umgebung, volle Konzentration aufs Wesentliche und dass sich die Kinder in einer Leistungs- und nicht an einer Geldelite messen müssen. Diese Art von Schule - auch im Zusammenhang mit dem bilingualen Ansatz - war in Berlin kaum zu haben und ist auch im Rest der Republik die absolute Ausnahme.

Mit welchen Schwierigkeiten hatten Sie bei der Gründung am meisten zu kämpfen?

Das schwierigste war, ein echtes Top-Management zu finden. Man wird von ernsthaften Unternehmern oder Managern reflexartig belächelt, wenn man anfängt von Primärbildung als Dienstleistung zu reden. Wie wollen Sie ein erstklassiges Bildungsprodukt anbieten, wenn die Leute, die dafür ausgebildet sind, ein Unternehmen zu führen - und nichts anderes ist eine Schule, auch wenn sie gemeinnützig betrieben wird - beim Wort "Schule" sofort abwinken?

Wie lange hat das gedauert?

Es hat mich drei Jahre gekostet, die Leute zu finden, die nicht nur eine Schule, sondern eine komplexe Schulkette managen können und wollen. Danach war es relativ einfach: Die Kunden flogen uns zu, und Politik und Behörden waren extrem kooperativ.

Glauben Sie, Ihr Konzept findet Nachahmer?

Hoffentlich! Wir können den Bedarf doch gar nicht allein decken, und uns läuft als Volkswirtschaft die Zeit davon. Ich hoffe nur, dass die Nachahmer dann überwiegend auch unseren Qualitätsanspruch kopieren und nicht eine neue Branche in Verruf bringen durch den Versuch, hier schnelles Geld zu machen. Man kann es schließlich auch als Privatschule deutlich schlechter machen. Großartige Autos werden auch nur von Leuten gemacht, die Autos wirklich lieben.

Was sagen Sie den Kritikern, die spöttisch von "Marken-Schule" sprechen?

Eine Marke kann für extrem Positives stehen und Orientierungsfunktion haben. Warum nicht auch in der Bildung? Das ist ja das Schockierende am Geisteszustand vieler Platzhirsche unseres Bildungssystems: Die Bildung wird zum Selbstzweck der Funktionäre und orientiert sich kaum an den Bedürfnissen der zu Bildenden. Letztere müssen aber ihre Zukunft überwiegend in der Wirtschaft finden und sollen nun von Leuten ausgebildet werden, die ohne Skrupel sogar wertneutrale Begriffe aus der Wirtschaft mit negativen Bedeutungen versehen? Wenn das Wort Marke in der deutschen Sprache Kritik impliziert, na dann: Prost Deutschland.

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