Fünf Fragen an: Klaus F. Zimmermann
„Krise könnte 2009 wieder vorbei sein“

Alle reden von der Krise und ihren Folgen, dabei könnte sie im nächsten Jahr schon wieder vorbei sein. Das zumindest meint Klaus F. Zimmermann, Chef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung. Im Handelsblatt-Interview spricht er über die den staatlichen Rettungsschirm und sagt, warum es keine Kreditklemme gibt.

Wie tief reicht die Krise? Erleben wir einen lang anhaltenden Abschwung?

Ich bin nicht so pessimistisch wie andere. Wir können Ende 2009 schon wieder aus der Krise heraus sein, wenn eine überzeugende Neugestaltung der Finanzmarktordnung wie von den G20 beschlossen bis Mitte nächsten Jahres gelingt und das Vertrauen an die Kapitalmärkte zurückkehrt.

Brauchen wir dann überhaupt noch ein Konjunkturprogramm?

Es wäre falsch, wenn der Staat in die Krise hineinspart und kurzfristig am Konsolidierungsziel festhält. Wir wissen auch nicht, wie stark die Banken das staatliche Rettungspaket in Anspruch nehmen und dadurch den Bundesetat belasten werden. Aber zusätzliche, große Ausgaben durch die Regierung verhindern den Abschwung nicht.

Ist es richtig, statt nationaler Programme jetzt ein europäisches Konjunkturpaket zu schnüren?

Ich glaube nicht, dass ambitionierte EU-Programme besonders helfen. Da Deutschland außerdem immer einen erheblichen Teil solcher Programme finanzieren muss, rate ich eher zur Zurückhaltung, auch bei Rettungsaktionen für einzelne Firmen wie Opel oder gar für ganze Branchen. Den notwendigen Strukturwandel kann der Staat nicht aufhalten.

Wirkt der staatliche Rettungsschirm für die Banken, oder muss er vergrößert werden?

Die Geldversorgung läuft zwar, aber die Banken sind mangels Vertrauen immer noch nicht zum normalen Geschäft zurückgekehrt. Nach wie vor wird zu viel Geld nur bei der EZB gehortet. Man hätte den Schirm besser so gebaut, dass sich mehr Banken von Anfang an beteiligen können.

Gibt es derzeit eine Kreditklemme?

Nein. Das Zinsniveau ist niedrig, und wenn es Zurückhaltung bei der Kreditgewährung gibt, dann liegt das an vorsichtigeren Prognosen im Einzelfall und nicht an der Finanzkrise.

Daniel Goffart
Daniel Goffart
Handelsblatt / Ressortleiter
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