Fünf Fragen an: Stephan Paul
„Deutschland sollte Paris nicht folgen“

Frankreich drängt seine Banken, die Kredite auszuweiten. Im Handelsblatt-Interview spricht Stephan Paul, Professor für Finanzierung und Kreditwirtschaft an der Universität Bochum, über das französische Beispiel und was Deutschland daraus lernen kann.

Handelsblatt: Frankreich kapitalisiert seine großen Banken und drängt sie zugleich, die Kreditvergabe auszuweiten. Sollte Deutschland diesem Modell nicht folgen, um die Wirtschaft anzukurbeln?

Paul: In Frankreich hat staatliche Investitionslenkung eine lange Tradition. Aber ich glaube, dass Deutschland diesem Beispiel nicht folgen sollte.

Immerhin ließe sich so ein staatliches Konjunkturpaket vermeiden.

Ich kann im deutschen Mittelstand bislang keine Kreditklemme feststellen, und es zeichnet sich meines Erachtens auch keine ab. Im Gegenteil: Mit Sparkassen und Volksbanken sind bereits zwei große Verbünde stark im Mittelstandsgeschäft engagiert. Wenn man nun in Deutschland eine Ausweitung der Kreditvergabe an Banken als Gegenleistung für staatliche Hilfen festschreibt, dürfte der Margendruck in dem Segment noch zunehmen.

Den Unternehmer freut es doch sicherlich, wenn Kredite noch günstiger werden, oder?

Das mag sein, aber eine Bank muss auskömmlich arbeiten können. Die Verpflichtung zur Mittelstandsförderung könnte dazu führen, dass immer höhere Risiken eingegangen werden. Damit wäre womöglich der Grundstein für die nächste Blase gelegt. Deshalb ist der französische Weg aus meiner Sicht nicht nachahmenswert.

Also gar keine Auflagen als Gegenleistung für staatliche Hilfen?

Ich sehe zumindest die Auflagen der Bundesregierung kritisch. Nehmen Sie die Managergehälter. Da sollte man keine konkreten Höhen vorgeben, sondern darauf achten, dass ein Manager auch materielle Sanktionen befürchten muss, wenn er Fehler macht. Der Blick auf die Landesbanken zeigt ja, dass der Staat eben nicht der bessere Banker ist.

Viele befürchten, dass die deutschen Banken ins Hintertreffen geraten, weil die Konkurrenten in anderen Ländern reihenweise zwangskapitalisiert werden.

Wenn hierzulande eine Bank keine Notwendigkeit sieht, staatliches Kapital in Anspruch zu nehmen, sollte man sie nicht dazu zwingen. Und es wäre falsch, hieraus automatisch eine Wettbewerbsverzerrung zu konstruieren. Zentral am deutschen Rettungspaket sind ohnehin die Garantien für den Interbankenverkehr. Ich gehe davon aus, dass sie von vielen Instituten in Anspruch genommen werden - womit wohl eines der größten Probleme gelöst wäre.

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