Fünf Fragen an: Thomas de Maizière
„Unfehlbarkeitsrhetorik der Experten ärgert mich“

Niemand kann sagen, wie tief diese Krise wirklich wird. Das glaubt zumindest Kanzleramtsminister Thomas de Maizière. Im Interview mit dem Handelsblatt spricht er von deutschen Konjunkturpaketen, gutgemeinten Vorschlägen und kühlen Köpfen.

Herr de Maizière, man hat den Eindruck, dass Deutschland international stark unter Druck steht, um größere Konjunkturpakete zu schnüren. Stimmt das?

Man muss genau hinschauen. In Wahrheit liegt Deutschland im internationalen Vergleich mit seinem Maßnahmenpaket vorn und nicht hinten. Der entscheidende Unterschied liegt darin, dass manche zwar viel ankündigen, aber noch nicht viel umgesetzt haben. Wir haben das deutsche Paket bereits am 12. November im Kabinett beschlossen und hoffen, dass das parlamentarische Verfahren zügig abgeschlossen werden kann.

Auch mit Ankündigungen lässt sich aber doch Politik machen. Psychologie ist schließlich ein wichtiger Faktor in der Wirtschaft.

Aber es ist auch so: Eine Flut immer neuer Ankündigungen ohne Umsetzung schadet mehr, als dass sie nutzt. Wenn immer neue Vorschläge auf den Tisch kommen, entwertet man die gerade erst beschlossenen Maßnahmen.

Die Bundeskanzlerin hat aber beim deutsch-französischen Ministerrat selbst gesagt, dass man im Januar erneut beurteilen sollte, was geht und was nicht.

Es ist ja auch richtig, wenn die Koalition sich im Januar zusammensetzt, dann die Lage bewertet und schaut, ob weitere Schritte notwendig sind. Realistischerweise kann heute auch niemand sagen, wie tief diese Krise wirklich wird.

Experten geben Ihnen dennoch viele Ratschläge, was die Bundesregierung tun sollte.

Die Unfehlbarkeitsrhetorik der Experten ärgert mich dabei. Prognosen werden nach nur zwei Tagen korrigiert. Wir bekommen zum Teil völlig widersprüchliche Ratschläge.

Und was ist die Konsequenz aus diesem Stimmengewirr?

Da heißt es, kühlen Kopf zu bewahren. Es hat keinen Sinn, sich von anderen treiben zu lassen. Maßnahmen müssen zur richtigen Zeit kommen, zeitlich begrenzt und sehr zielgenau sein. Wir wollen deshalb auch nicht den Europäischen Stabilitätspakt aufgeben.

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