Fünfter Wahlkampf innerhalb eines Jahres
Müde SPD-ler gehen in die nächste Schlacht

Der Tageslichtprojektor soll den Verlierern Klarheit bringen. Hans-Joachim Paschmann steht neben dem Projektor und legt Folien auf. Grafiken und Zahlen sollen zeigen, wer der SPD die bitter benötigten Stimmen vorenthalten hat. Paschmann – 57 Jahre alt, Goldkettchen unterm Polohemd – ist von Beruf Werkstattleiter in einem Kraftwerk. In der verbleibenden Zeit engagiert er sich in seiner Heimatstadt Duisburg für die SPD.

HB DUISBURG. Im Saal eines Altenheims im Duisburger Dellviertel kommen an diesem Abend Vertreter der Ortsvereine zusammen, um das Wahlergebnis zu analysieren. Was als Rückmeldung gedacht war für den Moment, wenn die Luft raus ist, wird zum Strategiegespräch für die Zukunft. Die vorgezogene Bundestagswahl hat alle überrascht und dominiert jetzt die Gespräche.

Vor Paschmann sitzen im Saal rund fünfzig Genossinnen und Genossen und machen sich Notizen. Es gibt erste Wortmeldungen mit Vorschlägen, wie man mehr Leute davon überzeugen kann, wie unsozial die CDU ist. Man könnte doch die eigenen Mitglieder zusätzlich über eine Telefonkette aktivieren, sagt einer. Info-Stände müssten auch in die sozialen Brennpunkte. Beschlüsse zur Wahlkampftaktik werden Paschmanns Freizeit – und die seiner Frau – den Sommer über bestimmen.

Das Problem bei der Wahl vom Sonntag ist schnell eingegrenzt: Die SPD konnte ihre Wähler gut mobilisieren – die CDU aber noch viel besser. Jetzt bleibt nur die Hoffnung darauf, dass der Frust über die Bundespolitik sich fürs Erste entladen hat.

Nach der Sitzung steht die SPD-Basis in Grüppchen zwischen den langen Esstischen herum. Paschmann weiß genau, was in den nächsten Monaten auf ihn zukommt: wieder Dreieckständer aufstellen, sich wieder am Info-Stand Klagen über Hartz IV anhören. „Den Sommerurlaub können wir vergessen“, sagt er. Am Sonntag saß er den ganzen Tag als Wahlhelfer im Wahllokal. Nach dieser abendlichen Veranstaltung wird er noch losfahren und Wahlplakate einsammeln. Denn Paschmann ist als stellvertretender Vorsitzender im Ortsverein Homberg ein „Hauptleistungsträger“, wie der erste Vorsitzende sagt. Homberg – das ist eine Arbeitersiedlung mit Hochhäusern voller Sozialwohnungen. 285 Menschen sind Mitglied der SPD. Von denen engagieren sich 30 im Wahlkampf. Diese 30 haben in den vergangenen Wochen 85 Plakate an Laternenpfähle gehängt, an den Wochenenden sieben Info-Stände besetzt und 8 000 Briefe eingeworfen. Im Endspurt waren die aktiveren Genossen pausenlos im Einsatz.

Es war der vierte Endspurt seit Mitte 2004. Die Parteien in Nordrhein-Westfalen haben außer der Europawahl im vergangenen Juni auch noch die Kommunalwahl samt Stichwahl hinter sich. Für die SPD haben jedes Mal 18 000 Genossen ihre Freizeit als Wahlhelfer geopfert.

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