Full-Time-Job hält jedoch viele Firmenchefs ab
BDI wirbt für stärkere Präsenz von Unternehmern im Bundestag

Der Bundesverband der deutschen Industrie wirbt für eine stärkere Präsenz von Unternehmern und leitenden Mitarbeitern aus Unternehmen in den deutschen Parlamenten. Für BDI-Hauptgeschäftsführer Ludolf von Wartenberg gewinnt die Demokratie, "wenn Abgeordnete über berufliche Lebenserfahrungen verfügen, die ihnen Einsichten jenseits des Binnenbetriebes der Politik vermitteln."

DÜSSELDORF. Nach einer Aufstellung des Industrieverbandes sind 38 Prozent der 601 Abgeordneten des noch amtierenden Bundestages Staatsdiener, 24 Prozent stammen aus der Wirtschaft, davon acht Prozent aus selbständiger, zumeist beratender Tätigkeit. Im Hinblick auf Eigentümerunternehmer wird der BDI-Appell wohl wenig fruchten. Aktive Unternehmer werden auch im neu zu wählenden Bundestag eine verschwindend kleine Minderheit bleiben. Dies liegt weniger an der Ochsentour in den Parteien, die Unternehmer ungern absolvieren, sondern am Full-Time-Job eines Abgeordneten. Er lässt sich in der Regel nur mit einer Unternehmertätigkeit verbinden, wenn die Tagesarbeit im Betrieb ein anderes Familienmitglied oder ein Geschäftsführer macht.

Im Bundestag sitzen mehr ehemalige als geschäftlich aktive Unternehmer. Der CDU-Abgeordnete Michael Fuchs, früher Inhaber einer Werbemittel-Firma, hat sich bei seiner Wahlkreiskandidatur in Koblenz noch der Hoffnung hingegeben, Unternehmertätigkeit und Abgeordnetenmandat zeitlich miteinander verbinden zu können. Heute weiß er es besser. Nach knapp drei Abgeordnetenjahren sagt er, man könne nicht zugleich beide Tätigkeiten richtig ausfüllen: entweder vernachlässige man das Unternehmen oder das Mandat.

Heinrich Kolb (FDP), 49 Jahre alt, sieht das anders. Gemeinsam mit seinem Bruder führt der promovierte Wirtschaftsingenieur ein mittelständisches Unternehmen. Man kann Abgeordneten- und Unternehmertätigkeit miteinander vereinbaren, sagt er zu der stressigen Doppelfunktion, allerdings nicht in einer 35-Stunden-Woche. Die Chancen Kolbs, der seit 1990 für die FDP im Deutschen Bundestag sitzt, wiedergewählt zu werden, sind gut. Ihm winkt der sichere Platz 3 auf der hessischen FDP-Landesliste.

Die von der rot-grünen Bundestagsmehrheit verabschiedete Neuregelung zur Offenlegung der Einkünfte aus Nebentätigkeiten in Form der Angabe einer Einkommensstufe hält Kolb für absolut schädlich bei der Rekrutierung von Unternehmern und Freiberuflern für den Bundestag.

Klaas Hübner, 38 Jahre alt, hat für die SPD 2002 den Wahlkreis Bernburg-Bitterfeld-Saalkreis gewonnen. Die SPD hat ihn wieder als Wahlkreisbewerber aufgestellt und auf der Landesliste in Sachsen-Anhalt mit Platz zwei abgesichert. Die Tagesarbeit in seinem mehr als 200 Mitarbeiter zählenden Unternehmen macht ein Geschäftsführer, er selbst konzentriert sich auf die strategische unternehmerische Planung und die Finanzierung. Die neuen Offenlegungsvorschriften schrecken Hübner nicht.

Michael Glos, stellvertretender Vorsitzender CDU/CSU-Bundestagsfraktion, ist der bekannteste Unternehmer im Bundestag. Der Müllermeister ist Inhaber eines Getreidemühlen- und Landwirtschaftsbetriebes. Die Geschäfte führen sein ältester Sohn und dessen Frau.

Paul Friedhoff (FDP), seit 2002 Gesellschafter der Quatron GmbH, einer Spektrometer-Firma mit 28 Mitarbeitern, will es noch einmal wissen. Der 62-Jährige gehörte bereits von 1990 bis 2002 dem Bundestag an. Friedhoff hat den aussichtsreichen Platz neun der FDP-Liste in Nordrhein-Westfalen erhalten. Seine neue Spektrometer-Firma leitet ein Geschäftsführer.

In Berlin-Reinickendorf will der mittelständische Großhändler Frank Steffel das Direktmandat für die CDU holen. 2002 ging das Mandat mit 42,5 zu 42 Prozent der Erststimmen knapp an die SPD. Steffel glaubt, Abgeordnetenmandat und Unternehmertätigkeit miteinander vereinbaren zu können, weil der Bundestag und seine Firma ihren Sitz in Berlin haben. Wäre dies anders, sagt er, hätte er nicht kandidiert.

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