Furcht um Arbeitsplätze
Union will keinen Mindestlohn für Praktikanten

Der Unions-Wirtschaftsflügel fordert mehr Ausnahmen beim Mindestlohn, als es Arbeitsministerin Nahles zulassen will: Auch Minijobber, Praktikanten und Erntehelfer sollen ausgeschlossen werden. Kanzlerin Merkel mahnt.
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BerlinKurz vor der Vorlage des ersten Gesetzentwurfs für einen flächendeckenden Mindestlohn ringt die große Koalition um Ausnahmen. Dem Unions-Wirtschaftsflügel gehen Pläne von Arbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) nicht weit genug, die Minderjährige von dem geplanten Mindestlohn von 8,50 Euro ausnehmen will. Der CDU/CSU-Fraktionsvize Michael Fuchs forderte, dass auch Minijobber, Ernthelfer und Praktikanten vom Mindestlohn ausgenommen werden müssten. „Es muss Ausnahmen geben, sonst gehen Arbeitsplätze verloren“, sagte Fuchs dem „Tagespiegel“ (Montagausgabe).

Auch Bundeskanzlerin und CDU-Chefin Angela Merkel pochte darauf, dass bei der Einführung des gesetzlichen Mindestlohns keine Job gefährdet werden dürften. „Deshalb diskutieren wir jetzt auch sehr intensiv bei der Gesetzgebung, wie wir genau dieses verhindern können“, sagte Merkel in ihrem am Samstag veröffentlichten Video-Podcast. „Denn wir wollen natürlich nicht, dass durch die Einführung von Mindestlohn die Menschen, die heute eine Arbeit haben, dann vielleicht arbeitslos werden.“

Arbeitsministerin Nahles will am Montag einen Referenten-Entwurf in die Ressortabstimmung geben. „Wir müssen verhindern, dass junge Menschen lieber einen besser bezahlten Aushilfsjob annehmen statt eine Ausbildung anzufangen. Deshalb sollen Jugendliche bis zum 18. Lebensjahr - bis zum Ende der Schulpflicht - vom Mindestlohn ausgenommen werden“, sagte Nahles der „Bild am Sonntag“.

Zugleich schloss Nahles andere von der Union geforderte Mindestlohnausnahmen etwa für Rentner und Minijobber aber aus: „Das geht nicht. Warum sollen Menschen schlechter bezahlt werden, nur weil sie älter sind oder weniger Stunden arbeiten als andere? Es ist auch rechtlich nicht möglich. Ab 2017 gilt der Mindestlohn flächendeckend für alle Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer.“

Unterstützung erhielt sie vom CDU-Arbeitnehmerflügel. "Ausnahmen führen zu Missbrauch. Die Wirtschaft würde Ausnahmeregelungen beim gesetzlichen Mindestlohn für neue Dumpingmodelle nutzen", sagte der Bundesvize der Christlich Demokratischen Arbeitnehmerschaft (CDA), Christian Bäumler, zu Handelsblatt Online.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Ein flächendeckender Mindestlohn für Praktikanten von 8,50 Euro die Stunde einzuführen ist sicherlich illusorisch, da sich die Vorraussetzungen je nach Alter der PraktikantInnen und Branche zu stark unterscheiden. Dennoch sollte über eine gewisse monatliche Mindestentlohnung nachgedacht werden, da bekannterweise vielerorts besonders Stundeten als billige, gut qualifizierte Arbeitskräfte ausgebeutet werden. Zu allem Überfluss werden durch diese Dreistigkeit im Extremfall feste Stellen gestrichen und durch motivierte junge Menschen ersetzt, die mit aller Macht versuchen einen Fuß in die Tür des Arbeitsmarkts zu setzen.
    Blanker Hohn, dass sogar viele Ministerien bei der ganzen politischen Debatte keine Vergütung gewähren...
    Als 24 jähriger Masterstudent der Politikwissenschaft ist mir dieses gigantische Unding aus persönlicher Erfahrung bekannt.

    Auf meinem noch jungem Blog habe ich einen Erfahrungsbericht aus erster Hand verfasst, der sicher eine realitätsnähere Perspektive aufzeigen könnte.
    Ich freue mich natürlich sehr über jeden interessierten Gast und Follower:
    Text

  • "...gesetzlichen Mindestlohns keine Job gefährdet werden dürften. „ "

    Welche "Jobs" ?? Was sind das für fragwürdige "Jobs" und "Unternehmen", die unsere Kanzlerin schützen will ?

    Ich kann es nicht verstehen, das die betroffenen "Arbeitnehmer" ( besser, Sklaven)es sich immer noch gefallen lassen, im 21. Jahrhundert !

    Bei einem nicht manipulierten, deregulierten Arbeitsrecht, wäre ein Mindestlohn überflüssig, hatten wir vor Rot/Grün!

    Aber, die Verlotterung ist nicht nur im Arbeitsrecht sichtbar !

    Die CDU (29%) und die SPD(17%) sind nicht die Mehrheit im unserem Land, wenn man es sich nicht schön/blöd rechnet !

  • Mal zum Nachdenken:
    Ein Praktikant soll lernen und Erfahrungen sammeln, bringt aber naturgemäß keine volle Arbeitsleistung, ggf. nicht mal halbe. Statt dessen muß er betreut und angeleitet werden, was Geld *kostet*.

    Daß manche Praktikanten als billige Arbeitskräfte benutzen, ist eine andere Geschichte, die in diesem Zusammenhang m.E. nichts zu Sache tut.

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