Futtermittel wurde falsch gelagert
Landwirte verlangen Schadenersatz für Nitrofenskandal

Vom Nitrofenskandal geschädigte Biolandwirte verklagen die Norddeutsche Saat- und Pflanzengut AG auf 250 000 Euro Schadenersatz.Vor drei Jahren hatte der Fund des verbotenen Pflanzenschutzmittels in Geflügelfleisch einen Lebensmittelskandal ausgelöst.

BERLIN. Neben den Unternehmen aus der Biowirtschaft klagt auch die Molkerei Scheitz aus Andechs. Sie werfen der Norddeutschen Saat- und Pflanzengut AG (NSP) vor, dass die mit Nitrofen verseuchten Futtermittel nur in Umlauf kommen konnten, weil die Firma das Futtergetreide widerrechtlich in einer Halle im mecklenburgischen Malchin eingelagert hatte. Diese hatte zu DDR-Zeiten als Lager für Pflanzenschutzmittel gedient und war hochgradig mit dem verbotenen Pestizid Nitrofen belastet.

Mindestens 1000 Tonnen Biogetreide wurden im Sommer 2001 in der Halle eingelagert und später an Mischfutterhersteller und Geflügelbetriebe ausgeliefert. Anfang 2002 fand das Labor des Babynahrungs-Herstellers Hipp in Fleischproben Nitrofenwerte, die bis zum 600-fachen über dem erlaubten Grenzwert lagen.

Die Kläger hätten wegen der unwissentlichen Verwendung von nitrofenhaltigen Futtermitteln ihre Produkte wie Fleisch und Milch nicht mehr als Bioprodukte absetzen können. Einkommensverluste seien die Folge gewesen, so der Freiburger Rechtsanwalt Hanspeter Schmidt, der die Kläger vertritt.

Der Molkerei Scheitz soll ebenfalls ein Schaden entstanden sein: "Über die Verteilung nitrofenverseuchter Futtermittel in der Landwirtschaft sind damals auch die Biomilchbauern völlig zu Unrecht in Verdacht geraten, dass die Milch aus ihren Betrieben nitrofenverseucht sei. Aufgrund verunsicherter Verbraucher brach damals der Absatz der Molkerei dramatisch ein, sagt Barbara Scheitz, Geschäftsführerin der Molkerei.

Vor einem Jahr wurden die strafrechtlichen Ermittlungen im Nitrofenskandal eingestellt. Die zuständige Staatsanwaltschaft Neubrandenburg gab an, weder eine konkrete Gesundheitsgefährdung von Verbrauchern noch Vorsätzlichkeit nachweisen zu können.

Das Pestizid Nitrofen wurde ursprünglich in der konventionellen Landwirtschaft eingesetzt, war jedoch wegen seiner krebserregender Wirkung bereits Mitte der 80er Jahre in den USA verboten und darf auch in Deutschland nicht mehr verwendet werden.

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