Futtermittelskandal: Niedersachsen hebt Sperre vieler Milchhöfe auf

Futtermittelskandal
Niedersachsen hebt Sperre vieler Milchhöfe auf

Nach dem Skandal um verseuchtes Futter hat die niedersächsische Landesregierung die Sperrung von über 75 Höfen aufgehoben. Dort waren die Milchproben unauffällig. Hunderte andere Betriebe bleiben aber vorläufig gesperrt.
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Hannover/BerlinMit Massenkontrollen haben die Behörden am Wochenende versucht, das ganze Ausmaß des neuen Futtermittel-Skandals in Deutschland aufzudecken. Allein in dem am stärksten betroffenen Bundesland Niedersachsen hatten tausende Bauernhöfe verseuchten Mais aus Serbien erhalten. Dort dürfen mittlerweile mehr als 75 Höfe wieder Milch ausliefern, weil Tests keine Auffälligkeiten bei der untersuchten Milch ergeben haben, wie das Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit Laves am Sonntag mitteilte.

In anderen Ländern sollen in den nächsten Tagen Ergebnisse vorliegen. Unklar blieb zunächst, ob der Skandal auch Innereien wie Leber und Niere betrifft. Anfang der Woche werde das Bundesinstitut für Risikobewertung eine Einschätzung dazu geben, sagte eine Sprecherin des Landwirtschaftsministeriums in Hannover. Politiker forderten bessere Kontrollen, deren Millionenkosten möglicherweise die Industrie übernehmen soll.

In Niedersachsen waren mehr Betriebe von dem Skandal betroffen als zunächst angenommen. Nach Angaben des Landwirtschaftsministerium von Samstagabend erhöhte sich die Zahl von 3560 auf knapp 4500. Neue Milchviehbetriebe seien aber nicht hinzugekommen.

Bis zum Sonntagnachmittag wurden in Niedersachsen 800 Proben von Milchbetrieben genommen, die alle unauffällig waren, wie die Landesvereinigung der Milchwirtschaft mitteilte. Darunter seien 79 amtliche Proben des niedersächsischen Landesamtes für Verbraucherschutz Laves, der Rest seien Eigenkontrollen, sagte eine Laves-Sprecherin.

Politiker drohten der Industrie mit Kontrollgebühren in Millionenhöhe. Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) und Niedersachsens Landwirtschaftsminister Christian Meyer (Grüne) brachten am Samstag die Gebühren ins Gespräch. Wenn die Kosten der Wirtschaft in Rechnung gestellt würden, könne der Staat 30 bis 50 Millionen Euro im Jahr sparen, sagte Meyer dem Magazin „Focus“. Aigner warf den Herstellern Versagen bei den Eigenkontrollen vor.

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Aigner: Hinweise offenbar ignoriert

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  • Schön das immer wieder wieder die gleichen auffallen und Madame Aigner keinen Handlungsbedarf ausser Schwätzen sieht. Aber eventuell weilt sie, bzw. ihr Berufsethos,auf Lobbyistenkosten seit Monaten an Orten mit Realitätsferne.

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