G20 und Sicherheitskonferenz Deutschland umgarnt die Trump-Regierung

Während US-Präsident Donald Trump in Washington wütet, sollen seine Mannen beim Schaulaufen in Deutschland die Verbündeten bei Laune halten. Offenbar hat Berlin eine Strategie für einen Umgang mit Trump gefunden.
32 Kommentare
Der Bundesaußenminister sprach mit dem US-Außenminister über Freihandelsfragen und Wertschöpfungsketten der Industrie, von denen auch die USA profitierten. Quelle: AFP
Sigmar Gabriel und Rex Tillerson

Der Bundesaußenminister sprach mit dem US-Außenminister über Freihandelsfragen und Wertschöpfungsketten der Industrie, von denen auch die USA profitierten.

(Foto: AFP)

BonnDas Kaminzimmer im ersten Stock der altehrwürdigen Bonner Villa Hammerschmidt diente am Donnerstagabend der weiteren Annäherung an den neuen, unbekannten Partner in Übersee. Immerhin ähnelt der einstige Bonner Amtssitz des Bundespräsidenten äußerlich etwas dem Weißen Haus und war für den neuen US-Außenminister Rex Tillerson so vielleicht etwas Halt in seinem Treffen mit Sigmar Gabriel.

Der Noch-SPD-Chef, auch gerade erst Bundesaußenminister geworden, hatte den früheren Ölmanager gleich an dessen ersten Arbeitstag als neuer Secretary of State vor zwei Wochen in Washington aufgesucht, als erster ausländischer Gast. Jetzt war er der Gastgeber für den G20-Außenministergipfel auch der Hausherr für Tillersons erste Auslandsreise als Minister.

Aus gutem Grund: Denn nach den Drohungen von US-Präsident Donald Trump mit Strafzöllen gegen Autos aus dem Ausland und seinem Wunsch nach Abschaffung von Freihandelsabkommen wächst die Notwendigkeit, mit dem wohl noch immer mächtigsten Mann der Welt zu einem seiner so geliebten Deals zu kommen – ohne dass Deutschlands Wirtschaft dabei unter die Räder gerät.

Sigmar Gabriel hat dabei immer noch den Instinkt des deutschen Wirtschaftsministers, der er bis vor Kurzem war. Und so sprach er auch mit Tillerson über Freihandelsfragen und Wertschöpfungsketten der Industrie, von denen auch die USA profitierten. In Tillerson hat Gabriel ein weltoffenes Gegenüber, das als bisher führender Ölmanager zuhören und Positionen anderer einbeziehen kann. In der Bundesregierung mehren sich die Hoffnungen, dass unter Trump zwar klar die gegebenen Wahlversprechen eingelöst werden sollen, aber finale Entscheidungen etwa in Handelsfragen noch nicht gefällt wurden. Also, dass der Übersee-Dialog noch sehr viel Sinn macht.

Und so hat Gabriel auf seiner Antrittsreise nach Washington neben dem bis dahin als ExxonMobil-Boss amtierenden Tillerson auch gleich Vizepräsident Mike Pence getroffen und wird ihn – wie auch Bundeskanzlerin Angela Merkel – auf der Sicherheitskonferenz in München erneut sprechen.

Mit Pence kommt ein Freund der deutschen Wirtschaft an die Isar: Als bisheriger Gouverneur von Indiana, von dem Teile zum berühmt-berüchtigten „Rust Belt“ der USA gehören, kennt er die dort stark vertretenen deutschen Investoren. Und der heutige Trump-Vize ist Fan des deutschen Dualen Ausbildungssystems, will die US-Industrie die deutsche Erfolgsstory für Fachkräfte lernen lassen. Extra dafür – und zum Umwerben deutscher Firmen für ein Indiana-Engagement – war Pence 2014 bereits schon einmal nach Deutschland gekommen.

Sigmar Gabriel: „Wir wollen eine politische, keine militärische Lösung“

Bedeutung der deutschen Wirtschaft
Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen

32 Kommentare zu "G20 und Sicherheitskonferenz: Deutschland umgarnt die Trump-Regierung"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • „Deutschland umgarnt die Trump-Regierung“

    Der damalige deutsche Chefdiplomat hatte sich Anfang November 2016 an den alten Diplomatengrundsatz erinnert – den auch jeder Anfänger des Diplomatischen Dienstes kennt – „Werfe zuerst eine Handgranate in das Haus Deines Chefs, anschließend umgarne ihn. Wenn Du Honig besitzt, nimm einen Eimer mit“.

  • @Herr Tomas Maidan17.02.2017, 16:12 Uhr

    "Es wird Frank Walter Steinmeier sehr viele Sympathien bringen, dass er Donald Trump einen Hassprediger genannt hat. "
    Ja in Deutschland, ins Weisse Haus wird er nicht eingeladen.

    "Alle Leute, die ich kenne, fanden das exzellent von Steinmeier. Weiter so!"
    Die Leute die Sie kennen Herr Maidan, sind nicht massgebend.

    Wahrscheinlich haben auch die Grünen gejubelt, heute haben die 7 %.

  • Davon braucht man doch nicht abzulenken! Im Gegenteil: Es wird Frank Walter Steinmeier sehr viele Sympathien bringen, dass er Donald Trump einen Hassprediger genannt hat. Das trifft die Sache doch sehr gut. Und es zeigt, dass Deutschland nicht bereit ist, vor diesem Horrorclown zu kuschen. Alle Leute, die ich kenne, fanden das exzellent von Steinmeier. Weiter so!

  • @Herr Lee Rtasche17.02.2017, 15:57 Uhr

    "Was kann getan werden: Merkel und Steinmeier haben sich bei Trump zu entschuldigen - und dies aus diplomatischen Gründen."

    Es geht nicht um diese üblichen Entschuldigungen. Eigentlich sollten die beiden nach Amerika schwimmen, da haben sie auch viel Zeit über ihre Fehler nachzudenken, die benötigen nämlich viel Zeit.

  • @Herr Tomas Maidan17.02.2017, 15:34 Uhr

    Herr Maidan, heute redet niemand mehr über diese "Fachkräfte", die unsere Renten erarbeiten sollen, lag damals schon auf der Hand, dass die das nie können werden.
    Ich denke da mehr, an die vielen Dummköpfe und Bärenwerfer etc..
    Wo befanden Sie sich damals?

    Der gewisse Hans Olaf Henkel war zum Zeitpunkt der "großen Facharbeiter-Welle" schon in der AfD, er ist nicht deshalb eingetreten, heute nix mehr AfD - wo ist er überhaupt oder auch die Arbeitgeberverbände,
    wo sind sie geblieben?

  • ÄHNLICHE KOMMENTIERUNG

    Wie lenkt man davon ab, dass der Außenminister Steinmeier mitten im amerikanischen Wahlkampf dort, vor Ort, den potentiellen Kandidaten und tatsächlich gewählten 45. Präsidenten der Vereinigten Staaten einen
    "HASSPREDIGER"
    nennt?
    Wie kann diplomatisch erklärt werden, dass die amtierende Bundeskanzlerin Deutschlands in ungeheuerlich überheblichen Art dem amerikanischen Präsidenten Verhaltensregeln der Weltpolitik vorgeben will?
    Zu diesem Artikel:
    Als ich klein war, bekam ich beim Brötcheneinkauf auf Bitte auch eine leere Brötchen-Tüte. Beim Lesen des Artikels haben wir leider nicht die Tüte mit frischen Brötchen in den Händen, sondern die leere
    Knalltüte.
    EINE KNALLTÜTE OHNE INHALT.

    Gegenüber der geostrategischen Planung und weltwirtschaftlichen Überlegungen der gewählten amerikanischen Regierung bleibt die bundesdeutsche Politik ein

    PFURZ AUF DER GARDINENSTANGE.

    Was kann getan werden: Merkel und Steinmeier haben sich bei Trump zu entschuldigen - und dies aus diplomatischen Gründen.
    Es wird beschädigend auf Deutschland zurückfallen, wenn die sich mehrenden Putschversuche innerhalb den Vereinigten Staaten anhalten werden.

    VORSICHT! - AMBERIKA WIRD ZUM PULVERFASS!

  • Also Meister Ramseyer, wenn Sie bei dem Wort "Fachkräfte" automatisch an die Flüchtlingswelle in Deutschland denken, dann haben Sie definitiv zu viele hetzerische Internet-Kommentaren gelesen.

    Kein Mensch hat ernsthaft behauptet, die Flüchtlinge wären Fachkräfte.

    Das übliche Gejaule der deutschen Arbeitgeberverbände, der Staat solle mehr für die Ausbildung zahlen, und nicht die Betriebe, dieser oft beklagte Fachkräftemangel, den sollte man nicht allzu ernst nehmen. Und a propos Arbeitgeberverband: Ein gewisser Hans Olaf Henkel hat sich dann auch sofort in die AfD gestürzt, um da diese Politik der schrillen Töne nach seinem Geschmack weiter machen zu können.

  • "Und der heutige Trump-Vize ist Fan des deutschen Dualen Ausbildungssystems, will die US-Industrie die deutsche Erfolgsstory für Fachkräfte lernen lassen."

    Beim Lesen des Artikels erschrak ich, als ich an die Stelle kam wo steht, "Erfolgsstory für Fachkräfte".
    Da musste ich an den September 2015 denken oder waren das andere "Fachkräfte"?

  • Nee, Russentroll, so geht Diktatur!

  • Nachtrag zu meinem Kommentar von

    Noch ein wichtiger Hinweis:

    Wem die Wirtschaft auch zu Hause eine sinnvolle Beschäftigung und ein auskömmliches Dasein bietet, der hat kaum einen Grund, sich zum Verlassen seiner vertrauten Heimat gezwungen zu sehen. Er wird dies dann wohl nur noch tun, um andere Länder besser kennenzulernen oder aber, um dort zu arbeiten, d.h. seine berufliche Erfahrung einzubringen.

    Vorausgesetzt, dass in der Heimat Frieden herrscht, natürlich.

    Was gerade dann (und eben deshalb), wenn die o.g. Voraussetzungen gegeben sind, aller Wahrscheinlichkeit nach der Fall sein dürfte.

Alle Kommentare lesen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%