G8-Gipel und das Klima
Quadratur des Kreises

In der Klimapolitik hatte Angela Merkel vor dem G8-Gipfel in Heiligendamm die Erwartungen heruntergeschraubt. Jetzt kann sie den gefundenen Kompromiss als Erfolg verkaufen. Die nächsten Verhandlungen dürften noch schwieriger werden, denn bei den kommenden Gipfeln werden fünf weitere Regierungschefs mit am Tisch sitzen – wenn auch mit weniger Rechten.

HEILIGENDAMM/KÜHLUNGSBORN. Gesichtswahrung ist alles bei einem G8-Gipfel. Deshalb wirkten die Delegationen in Heiligendamm beim Thema Klimaschutz am Donnerstagnachmittag so erleichtert, als der Knoten platzte. Denn es galt einen eigentlich unauflösbaren Widerspruch aufzulösen: Wie erreicht man Selbstverpflichtungen auf Klimaschutzziele – ohne sie verpflichtend zu machen? Und wie verhindert man angesichts der näher rückenden Uno-Klimaschutz-Konferenz in Bali im Dezember den Eindruck, dass nicht einmal die westlichen Industriestaaten einig sind?

Weil die USA lange jede klare Festlegungen auf Zahlen im heutigen G8-Abschlussdokument verweigerten, zeichnete sich am Donnerstag zunächst ein reiner Formelkompromiss ab. Statt Ziele offen zu benennen, verwies man im Abschlussdokument nun darauf, dass man die Erkenntnisse des Uno-Klimarates (IPCC) „besorgt zur Kenntnis“ nehme.

In dem umfassenden Uno-Klimabericht wird schließlich die Warnung vor einer von Menschen mit verursachten Erderwärmung um mehr als zwei Grad bis Ende des Jahrhunderts ausgesprochen. Zudem kommt der IPCC zu dem Schluss, dass dies nur mit einer Halbierung der weltweiten Kohlendioxid-Emissionen bis zum Jahr 2050 abgewendet werden kann.

Bush macht Zugeständnis

Und in einer vereinten Kraftanstrengung gelang es den übrigen G7-Staaten dann aber doch noch, dem „G1“, nämlich US-Präsident George W. Bush, eine kleine Zahl abzuringen. „Minus 50 Prozent bis 2050“ findet sich nun im Text, allerdings nicht als Selbstverpflichtung und ohne Referenzjahr. Stattdessen will man „ernsthaft prüfen“, ob das von EU, Japan und Kanada anvisierte Ziel das richtige ist. Weiter konnte man einen US-Präsidenten nicht drängen, der vor einem halben Jahr noch nicht einmal anerkannt hatte, dass die Erderwärmung auch von Menschen mit verursacht ist. Die USA bekamen im Gegenzug den Zusatz ins Abschlussdokument, dass dafür in die Diskussionen alle führenden CO2-Emittenten einbezogen würden.

Weil die G8-Regierungschefs traditionell vor allem auf die Wirkung in ihren nationalen Medien schielen, hatte die G8-Präsidentin Angela Merkel damit das Hauptziel aller Anreisenden erfüllt: US-Präsident Bush kann zurück in die USA reisen und betonen, dass er das Thema ernst genommen, aber jede Festlegungen der USA abgewendet habe. Die Europäer haben sich bereits gestern vor die Kameras gestellt und den Sieg verkündet. Endlich hätten die wissenschaftlichen IPCC-Erkenntnisse Eingang in den G8-Prozess gefunden.

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