G8-Gipfel in Heiligendamm
Showdown am Strand

Am 2. Juni ist es wieder so weit: Beim G-8-Gipfel in Heiligendamm wird sich die internationale Protestkultur einmal mehr mit Wortattacken gegen die Mächtigsten der Welt richten und sich ihrer Bedeutung versichern. Und tausende Polizisten werden dafür sorgen, dass sich Demonstranten und Politiker nicht einmal zu Gesicht bekommen.

HEILIGENDAMM. Je trutziger die Trutzburg, desto trotziger die verbalen Dumdumgeschosse auf sie: „Make capitalism history“, „Another world is possible“ und: „Mit zivilem Ungehorsam für die andere Welt einstehen“. Und seit seit gestern 900 Beamte im Rahmen einer bundesweiten Razzia gegen vermeintlich gewaltbereite G8-Gegner ausschwärmen, heißt es auch wieder: „Große Welle von Repression gegen Anti-G8-Strukturen“.

Knapp einen Monat vor dem Treffen der mächtigsten Industriestaaten hatte die Bundesanwaltschaft 40 Räume der linken Szene gefilzt. 18 namentlich den Sicherheitsbehörden bekannte Personen stehen im Verdacht, einer terroristischen Vereinigung anzugehören.

Am 2. Juni ist es wieder so weit. Da wird die internationale Protestkultur sich einmal mehr mit solchen Wortattacken gegen die Mächtigsten der Welt richten und sich ihrer Bedeutung versichern. Über 300 Protestgruppen werden den voraussichtlich 15 Regierungs- und Staatschefs der sieben kräftigsten Industriestaaten der Welt plus Russland während des G8-Gipfels ihre harsche Gegendarstellung der Weltsicht aufnötigen. Seit Monaten bereits rühren sie die Kriegstrommel zum Protest gegen die Champions der Globalisierung. Seit Monaten registrierte die Polizei Anschläge, erkannte der Verfassungsschutz Vorbereitungen für kriminelle, gewalttätige Aktionen.

Womöglich 100 000 Aktivisten, darunter „links-interventionistische“ Truppen, brave kirchliche Gruppen, afrikanische Bauernvertreter, lateinamerikanische Befreiungsjünger und Verdi-Junggewerkschafter, pilgern dann nach Heiligendamm, um dort, so der Schlachtenruf, ihren „Widerstand gegen die herrschende Weltordnung“ zu erklären.

Eine Woche lang wird der Luxuskurort Heiligendamm im Mittelpunkt der Weltöffentlichkeit stehen. Für die Globalisierungsgegner ein gefundenes Fressen, für die Sicherheitsbehörden ein organisatorischer Albtraum. Denn die Anklagemauer der Demonstranten, ein gigantisches Sicherheitsbollwerk zum Schutz von Angela Merkel, Wladimir Putin und George W. Bush, ragt bereits jetzt über zwölf Kilometer lang und 2,50 Meter hoch martialisch in die Landschaft Mecklenburg-Vorpommerns. Allein der Wall wirkt wie eine Kriegserklärung, heizt die Gemüter auf.

Tatsächlich will sich die farbenreiche Phalanx der Internationale der Globalisierungsgegner an einer wahren Trutzburg aus Beton, Stahl und uniformierten Menschen reiben. Allein 20 Millionen Steuereuro verschlang dieser neudeutsche Mauerbau – samt elektronischen Bewegungsmeldern, Stacheldraht und Rundumüberwachung. Mit weit über 100 Millionen Euro wird die gesamte Inszenierung einer uneinnehmbaren Festung zu Buche schlagen.

Die Mauer kassiert die Protestbewegung schon als monsterhaftes Sinnbild der trutzig Starken, mithin als Sieg: Die Mächtigsten der Weltwirtschaft müssen sich fernab der glitzernden Metropolen der Welt in einen abgelegenen Sicherheitstrakt kauern, der die machtgeschützte Innerlichkeit der Mächtigen, der Staatenlenker und Wirtschaftstycoons in alle Welt schreit.

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