Gabriel schlägt Beck vor
Liebesgrüße aus Tirol

Oben in den Tiroler Bergen hat Umweltminister Sigmar Gabriel daran gearbeitet, die letzten Reste seines Images als politischer Luftikus und Hansdampf in allen Gassen loszuwerden. In einem Zeitungsinterview lobt Gabriel SPD-Chef Kurt Beck zum Kanzlerkandidaten hoch - um von sich abzulenken?

HB BERLIN. Erinnern wir uns: Sigmar Gabriel, 1959 in Goslar geboren, war schon mal Ministerpräsident des Landes Niedersachsen und Hoffnungsträger der SPD. Erst verlor er das Amt in Hannover an den CDU-Politiker Christian Wulff und dann das Vertrauen vieler Parteifreunde - nicht zuletzt, weil er sich zu so ziemlich jedem Thema äußerte, das auf der Straße lag. Dass er zwei Jahre lang das Amt als SPD-„Beauftragter für Popdiskurs und Popkultur“ wirkte, dürfte ein übriges dazu beigetragen haben, dass der gelernte Lehrer als Allzweckwaffe galt, die von allem ein bisschen Ahnung hatte, aber von nichts so richtig.

Nun, als Bundesminister für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit, müht sich Gabriel redlich, als Fachpolitiker ernst genommen zu werden. Als Teil dieser Bemühungen kann das Interview mit „Stern“-Redakteuren angesehen werden, das nach Angaben des Magazins während Gabriels Urlaub in Tirol in einem „rustikalen Waldgasthaus“ stattgefunden hat.

Natürlich versuchen die Interviewer, wider den Stachel zu löcken, doch Gabriel bleibt standhaft. Nicht einmal Spitzen gegen CSU-Wirtschaftsminister Michael Glos, als Kernkraftbefürworter sein Widerpart, erlaubt sich der Umweltminister. Auf die Frage, ob er das Image des Themen-Hüpfers und Ehrgeizlings loswerden wolle, lässt sich Gabriel so vernehmen: „Zuerst würde ich mal fragen, ob das Image stimmt. Ansonsten ist man gut beraten, sich als Fachpolitiker um das zu kümmern, wofür man zuständig ist. Was einen ja nicht zur politischen Monogamie verpflichtet“.

Seine eigenen Karriereziele lässt Gabriel hübsch im Köcher, begründet seinen Verzicht auf das Amt des SPD-Generalsekretärs brav damit, „jetzt konsequent am Fachthema arbeiten“ zu wollen, und gibt vor, keinerlei Ambitionen auf das Amt des SPD-Vorsitzenden gehabt zu haben. Ohne danach konkret gefragt worden zu sein, trägt Gabriel SPD-Chef Kurt Beck zudem die Kanzlerkandidatur an: „Die Messlatte für den Parteivorsitzenden und den Kanzlerkandidaten der SPD ist das Wahlergebnis von Rheinland-Pfalz. Ich finde, wir sollten uns nicht mit 30 Prozent zufrieden geben. Kurt Beck zeigt, dass mehr drin ist. Und deshalb ist er auch der richtige Mann“, lautet Gabriels Aussage.

Ein wenig wundern darf man sich aber doch über Gabriels Festlegung: Die nächste Bundestagswahl steht 2009 an, und ob der gemütliche Pfälzer Beck auch bundesweit so gut ankommt wie an der Mosel, ist noch nicht ausgemacht. Andererseits spricht einiges dafür, dass Gabriel einfach nur ein lästiges Thema abgehakt hat. Die Frage nach dem Kanzlerkandidaten wäre in dem Interview unweigerlich gekommen, und wenn Gabriel dann erklärt hätte, das Thema stehe nicht an, wäre das Geschrei über eine angebliche Beschädigung des Topkandidaten Kurt Beck ohne Zweifel groß gewesen.

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