Gabriel stützt die Konzerne
Energieriesen bestehen Atom-Stresstest

Die Rückstellungen der Kernkraftwerksbetreiber reichen aus, sagen Gutachter von Wirtschaftsminister Gabriel. Doch die Kalkulation geht nicht unter allen Bedingungen auf: Im Extremfall könnten 39 Milliarden Euro fehlen

BerlinBundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) kommt den vier Kernkraftwerksbetreibern zu Hilfe: Die von den Unternehmen gebildeten Atomrückstellungen in Höhe von 38,3 Milliarden Euro „decken in Summe die Finanzierung des Rückbaus der Kernkraftwerke und der Entsorgung der radioaktiven Abfälle ab“, erklärte Gabriel am Samstag in Berlin. Gabriel bezog sich dabei auf die Ergebnisse des Stresstests der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Warth & Klein, die das Ministerium am gleichen Tag veröffentlichte. Aus dem Stresstest ergebe sich „kein neuer Handlungsbedarf“, sagte der Minister.

In den Unternehmen sorgt diese Aussage für Erleichterung. Das Thema Atomhaftung bewegt seit Monaten Politik und Energiewirtschaft. Auslöser sind Zweifel, ob die vier Betreiber Eon, RWE, EnBW und Vattenfall die für den Rückbau der Meiler und die Lagerung des Atommülls vorgesehenen Rückstellungen im Ernstfall aufbringen können und ob diese in der Höhe überhaupt angemessen sind.

Gabriel hatte daher im Juni die Stresstests bei der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Warth & Klein in Auftrag gegeben. Lange war über die Ergebnisse spekuliert worden. In den vergangenen Wochen kursierten verschiedene Zahlen und Szenarien. Die Unternehmen hatten bereits vor der Veröffentlichung am Freitag Kenntnis von zentralen Aussagen der Stresstests. So war schon Anfang September klar, dass die Gutachter die Frage aufwerfen würden, ob die Rückstellungen noch angemessen abgezinst sind.

Der Hintergrund: Die Unternehmen operieren derzeit mit Zinssätzen zwischen vier und 4,7 Prozent. Je höher der Zinssatz ist, desto niedriger ist der Gegenwartswert der Rückstellungen – und damit die bilanzielle Belastung für die Konzerne. Angesichts der niedrigen Kapitalmarktzinsen wirft ein Zinssatz von mehr als vier Prozent Fragen auf.

Das Gutachten von Warth & Klein widmet sich ausführlich der Frage der Verzinsung. Und sie ist die zentrale Stellschraube. Das aus Sicht der Versorger ungünstigste Szenario des Stresstests unterstellt eine Verzinsung der Rückstellungen von zwei Prozent. Unter Berücksichtigung einer Inflationsrate von 1,6 Prozent und einer zusätzlichen „nuklearspezifischen Kostensteigerung“ von knapp zwei Prozent pro Jahr ergibt sich ein Negativzins von 1,6 Prozent.

Das Ergebnis: Die Rückstellungen müssten um 39 Milliarden Euro auf 77 Milliarden Euro steigen – ein Wert, der die ohnehin arg gebeutelten Unternehmen in Bedrängnis bringen würde. Gabriel betonte, er halte „die Szenarien mit den hohen Rückstellungswerten für unwahrscheinlich“.

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Gabriels Zwickmühle

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