Gabriele Pauli tritt aus der CSU aus
Abschied vom Jahrmarkt der Eitelkeiten

Gabriele Pauli hat ihren Austritt aus der CSU bekannt gegeben – in „Vanity Fair“. Dass die Fürther Landrätin ihren Abgang ausgerechnet über ein ansonsten in der Politik eher randständiges Gesellschaftsblatt öffentlich macht, gibt dem Vorgang seine besondere Note. Denn „Vanity Fair“ hat nichts mit fair zu tun.

BERLIN. Nein, eine offizielle Austrittserklärung liege bislang nicht vor, heißt es in der Münchener Landesleitung der CSU. Man wisse von der Sache auch nur aus den Agenturen. Welches Medium habe das noch mal gemeldet? „Vanity Fair“. Soso. Am Mittwochabend kam die Bestätigung dann doch.

Dass Gabriele Pauli ihren Austritt aus der CSU ausgerechnet über ein ansonsten in der Politik eher randständiges Gesellschaftsblatt öffentlich macht, gibt dem Vorgang seine besondere Note. Die Fürther Landrätin hatte schon bisher ihren Wirkungsradius vor allem mit Hilfe bunter Magazine über die Grenzen ihres mittelfränkischen Landkreises hinaus erweitert – zu ihrem Nutzen wie zu ihrem Schaden.

„Mein Austritt ist die Konsequenz des vergangenen Jahres“, hat Gabriele Pauli dem Blatt erzählt. „Ich gehe nicht, weil ich die Wahl zur Parteivorsitzenden verloren habe, sondern wegen der Art und Weise, wie man sich mir gegenüber verhalten hat.“ Da der neue Parteivorsitzende Erwin Huber seit Monaten nicht auf sie zugegangen oder auf ihre Vorstellungen und Forderungen eingegangen sei, habe sie sich zu diesem Schritt entschlossen.

„Vanity Fair“ hat nichts mit fair zu tun. Das englische Wort fair hat eine doppelte Bedeutung: In diesem Fall heißt es so viel wie „Jahrmarkt“. Jahrmarkt der Eitelkeiten also, was eigentlich ein Roman von William Makepeace Thackeray aus dem 19. Jahrhundert ist, aber trotzdem irgendwie sehr schön hierherpasst.

Gabriele Pauli galt einst als die Frau, die eigenhändig Edmund Stoiber stürzte. Daran ist so viel wahr, dass sie seinen Abgang forderte, als sich das sonst noch keiner traute. Auf dem CSU-Parteitag im Herbst 2006 schon. Da hörte ihr kein Mensch zu. Im Dezember dann, kurz vor Weihnachten, tat ihr Stoiber den Gefallen, auf ihre Klage, er lasse sie bespitzeln, zu antworten: „Sie sind nicht wichtig.“ Diese vier arroganten Worte waren in der Tat, insofern ist das richtig, der berühmte Strohhalm, der dem geduldigen Kamel CSU am Ende zu viel zu tragen war, so dass es am Ende Stoiber auf unelegante Weise aus dem Sattel warf.

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