Gabriels Alarm kommt an
SPD will nicht zu lang in „Gruppentherapie“

Der künftige SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel erhält für seine Reformanstöße wachsenden Zuspruch in den eigenen Reihen. Die Parteiflüge stellten sich hinter Gabriels Aufruf, einen neuen Führungsstil in der SPD zu etablieren.
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HB BERLIN. Viele Entscheidungen seien in der Vergangenheit von immer kleineren Gruppen vorbereitet worden, kritisierte SPD-Vorstandsmitglied Niels Annen am Freitag im Deutschlandradio Kultur. Die Partei müsse sich jetzt „ein Stück ihrer Souveränität“ zurückerobern. Allerdings dürfe die SPD nicht die kommenden Jahre in der Opposition nur „in Gruppentherapie“ verbringen.

Auch der konservative „Seeheimer Kreis“ in der SPD unterstützt Gabriels neuen Kurs. Die bisherigen Strukturen in der Partei müssten überprüft werden, sagte ihr Sprecher Klaas Hübner dem Sender. Notwendig sei aber auch, dass die Sozialdemokraten ihre Positionen künftig wieder einheitlich vertäten.

Nach den Worten von Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier muss sich die SPD intensiv mit den Gründen für das schlechte Ergebnis bei der Bundestagswahl befassen. Der Dresdner Parteitag Mitte November werde der Beginn dieser Auseinandersetzung sein, sagte er im WDR. Steinmeier bekräftigte seine Position, wonach Gabriels Aussage über den „katastrophalen Zustand“ der Partei „nicht spektakulär“ sei. Es gebe auch keinen Anlass, sich von den zurückliegenden elf SPD- Regierungsjahren zu distanzieren.

Gabriel hatte in E-Mails an Parteimitglieder eine „ehrliche“ Analyse der Regierungszeit und eine Aufarbeitung des Zustands der Parteiorganisation in den letzten zwei Jahrzehnten gefordert. An diesem Samstag will er vor seinem niedersächsischen Heimatverband in Hannover seine Vorstellungen konkretisieren. Der SPD-Vorstand will am Montag den Leitantrag für den Parteitag beschließen. Eine grundlegende Reform der SPD-Organisation wird voraussichtlich erst im nächsten Jahr auf den Weg gebracht.

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