Gabriels Pläne: Energie-Reform wird für Industrie teuer

Gabriels Pläne
Energie-Reform wird für Industrie teuer

Tag zwei bei der Regierungsklausur in Meseberg: Heute wollen Merkel und Gabriel ihr Programm vorstellen. Im Mittelpunkt steht dabei die Energiewende. Nach einem Bericht wird diese für die Industrie teuer als gedacht.
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BerlinDie Industrie muss sich für die Energiewende auf höhere Belastungen einstellen. Neben den Einschnitten bei der Ökostrom-Branche beschloss die Bundesregierung am Mittwoch überraschend höhere Abgaben für das Gewerbe, die sich auf mindestens einen dreistelligen Millionen-Betrag belaufen. Dies geht aus einem Anhang zur Kabinettsvorlage hervor, der der Nachrichtenagentur Reuters vorliegt. Seine Eckpunkte für die Energie-Reform ergänzte Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) so um Einschnitte für Betriebe, die Strom selbst produzieren. Darauf war bisher keine Ökostrom-Umlage fällig.

Gemeinsam mit Bundeskanzlerin Angela Merkel will Gabriel an diesem Donnerstag zum Abschluss der Kabinettsklausur auf Schloss Meseberg das Arbeitsprogramm der großen Koalition für dieses Jahr vorstellen. Die CDU-Vorsitzende und der SPD-Chef wollen dabei vor allem die nächsten Schritte zur Energiewende erläutern.

Laut Gabriels Vorlage wird Energie nun aus neuen Kraftwerken mit bis zu 90 Prozent der Haushalts-Abgabe belegt, und selbst Altanlagen werden nicht verschont. Der Industrie drohen noch weitere Kosten: Auch die Rabatte für große Stromverbraucher auf die Umlage sollen gekürzt werden. Einzelheiten sind dazu jedoch noch nicht bekannt.

Belastungen für selbst erzeugten Industriestroms waren zwar bereits im Koalitionsvertrag angekündigt, das Ausmaß ist aber überraschend. Immerhin ein Viertel des Stroms wird in Kraftwerken inzwischen selbst erzeugt mit steigender Tendenz. Hauptgrund war, dass die Ökostrom-Umlage darauf nicht gezahlt werden musste, die bei Industriestrom teils die Hälfte des Preises ausmacht. Konzerne wie BASF, die Deutsche Bahn oder Bayer nutzen daher in großem Ausmaß eigene Kraftwerke.

Jetzt soll die Energie aus neuen Anlagen der Industrie mit 90 Prozent der Umlage von derzeit 6,24 Cent pro Kilowattstunde belastet werden. Auf Strom aus Kraftwerken auf Basis erneuerbarer Energien und Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen (KWK) wird 70 Prozent fällig. Dies bedeutet einen Einschnitt auch für größere Solaranlagen auf Dächern, die sich meist nur noch rechnen, wenn Haushalte einen Teil des Stroms selbst verbrauchen.

Vor allem plant die Regierung offenbar auch bestehende Kraftwerke trotz des Prinzips des Bestandschutzes einzubeziehen: Altanlagen sollen zwar in Höhe der Umlage 2013 von 5,28 Cent pro Kilowattstunde entlastet werden. Da die Umlage 2014 aber auf 6,24 Cent gestiegen ist, lässt sich schließen, dass die Differenz von rund einem Cent dann für diesen Strom fällig wird. Weitere Steigerung bei der Ökostrom-Umlage in den nächsten Jahren kämen noch hinzu. Das Wirtschaftsministerium lehnte jede Stellungnahme zu dem Anhang des Kabinettsbeschlusses ab.

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Bayer fürchtet um Wirtschaftlichkeit der Kraftwerke

Kommentare zu " Gabriels Pläne: Energie-Reform wird für Industrie teuer"

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  • @Vicario : "Gegen die Technik ist nichts einzuwenden"

    Es gibt berechtigte Einsatzgebiete wie z.B. Raumfahrt,schwer zugängliche Gebiete, Camping...u.s.w

    So habe ich es gemeint, aber schlecht rüber gebracht !

    Natürlich haben Sie recht, flächendeckend über ein Land investiert + subventioniert ein Alptraum !

    Wir haben uns für die nächsten Dekaden an Jahren für kommende bessere, geeignete Techniken blockiert, wie immer, oder sollte man sagen, typisch deutsch ?
    - siehe Beispiel Mülltrennung -

    Wie auch immer, es wird insgesamt durch diese drittklassige Politik noch gruselig werden !

  • @SteuerKlasseEins

    Sie liegen völlig richtig. Solange die Sonderabgaben nicht von der Industrie, sondern von ihren Mitarbeitern zu zahlen waren, ging es denen am Ar..h vorbei.

    Die "halbierte" Sozialabgabenlast mit sogenannten "Arbeitgeberanteilen" ist ohnehin eine Irreführung.

    Da nicht nur der Arbeitgeber- und auch der Arbeitnehmerbeitrag von den Arbeitnehmern erwirtschaftet werden nuß, sondern auch noch ein "Überschuss" für den Unternehmer erwirtschaftet wird, handelt es sich bei der Beteiligung der Arbeitgeber an den Sozialbeiträgen um einen Marketing-Gag.

    Vor einigen Jahren sagten das auch die Gewerkschaften.


    Da

    Da

  • Weniger Verbrauch müsste mit niedrigeren Preisen belohnt werden. Dann würde die Einsparung zum Autmatismus! Auch für die Industrie!

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