Ganz Deutschland hat Ferien
Die Wirtschaft und der Mythos vom Sommerloch

Deutschland hat Ferien – zehn Tage lang sind gleichzeitig Schulferien in allen Bundesländer. Was passiert jetzt mit der Wirtschaft und gibt es Branchen, die sich über die konzentrierte Ferienzeit freuen können?
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Düsseldorf Wäre Deutschland der Wilde Westen, dann würden gerade mancherorts der kugelartige Präriestrauch Steppenläufer durch die Straßen wehen. Denn in Deutschland sind Sommerferien – von Kiel bis München, von Düsseldorf bis Berlin. Vom 31. Juli bis zum 11. August haben alle Bundesländer Schulferien.

Es ist nur eine Ausnahme, dass Schüler aus allen Bundesländern zur selben Zeit in die Ferien geschickt werden. Denn seit Mitte der 60er Jahre wechseln sich die Bundesländer nach einem vereinbarten System ab. Vereinbart haben das die Kultusminister der Länder im „Hamburger Abkommen“.

In diesem Jahr gab es zuerst in Nordrhein-Westfalen Ferien, 2016 werden Bremen und Niedersachsen als erste in die unterrichtsfreie Zeit starten. Nur in Bayern und Baden-Württemberg müssen Schüler immer warten. Über Pfingsten gibt es hier längere Frühjahrsferien, sonst wäre das Schuljahr zu kurz.

Was passiert also, wenn Deutschland zehn Tage gleichzeitig frei hat? Gähnende Leere in den Einkaufsstraßen oder Biergärten, die aus allen Nähten platzen? Gastronomie und Einzelhandel dürften die Ferienzeit im Umsatz nicht sonderlich zu spüren bekommen, meint Ferdinand Fichtner, Konjunkturforscher am DIW Berlin: „Aus den Zahlen geht hervor, dass die Auswirkungen der Sommerferien erstaunlich gering ausfallen.“ Obwohl anzunehmen sei, dass in diesen Monaten die Umsätze steigen, könnte die Gastronomie wahrscheinlich nicht von den Ferientagen profitieren: „Offenbar werden steigende Umsätze dadurch ausgeglichen, dass viele Menschen im Urlaub sind“, so Fichtner. Die stärksten Monate für die Gastronomie seien Mai und September, also dann wenn die Sommerferien noch in weiter Ferne bzw. in den meisten Bundesländern zu Ende sind. „Auch für den Einzelhandel gibt es kein ausgeprägtes Saisonmuster“, meint der Konjunkturexperte.

Plausibel erscheine es jedoch, dass Gastronomie und Einzelhandel in gewissen Teilen Deutschlands von den Ferien mehr profitieren als andere, so Fichtner. Beispielsweise in den Küstenregionen oder anderen attraktiven Reisezielen, wobei die Entsenderegionen negativ beeinflusst werden. Anhand von Zahlen lasse sich das allerdings nicht nachvollziehen.

Wer unter den gemeinsamen Sommerferien leidet

Ist Deutschland im Urlaub, geht auch die Produktion beispielsweise in der Industrie zurück: „Da es in diesem Jahr im August zu dieser speziellen Konstellation kommt, wird der Monat vermutlich sehr schwach“, meint der Konjunkturforscher. Der Juli dürfte dafür auffallend stark ausfallen. Für ein konjunkturelles Sommerloch reicht es also nicht: „Das hat ja nichts mit einer Rezession zu tun, sondern führt nur zu einer ungewöhnlichen Verschiebung der Produktion“, erklärt Fichtner.

Auch die steigende Arbeitslosenzahl ist während der Sommerferienmonate keine Überraschung. Im Juli stieg die Zahl der Erwerbslosen um 61.000 auf rund 2,7 Millionen: „Die Arbeitslosenzahlen steigen meist leicht im Juli und August“, sagt Konjunkturforscher Fichtner. Denn Sommerferien bedeuten auch das Ende des Schuljahrs und da melden sich viele nach Abschluss oder Ende des Ausbildungsjahr erst einmal arbeitslos: „Systematisch steigt dann die Arbeitslosenzahl und geht dann im letzten Jahresviertel wieder etwas zurück“, erklärt Fichtner.

„Es könnte zudem durchaus möglich sein, dass Unternehmen während der Niedrigproduktionsphase die Beschäftigung auf kleiner Flamme belassen“, meint Fichtner, um dann mit einem Anzug der Produktion auch wieder frei gewordene Stellen zu besetzen.

Wer allerdings die konzentrierte Ferienzeit deutlich zu spüren bekommen dürfte, sind Deutschlands Autofahrer. Am vergangenen Samstag registrierte der ADAC etwa 300 Staus auf Deutschlands Autobahnen – mit bis zu 25 Kilometer Länge. Und Staus kosten nicht nur Nerven, sondern auch Geld. Die Bundesregierung berechnete den volkswirtschaftlichen Schaden 2010 allein in Deutschland auf 250 Millionen am Tag. Für die Wirtschaft dürften die Ferienstaus allerdings weniger schädlich sein, denn die Infrastruktur wird in den Sommermonaten weniger stark beansprucht als im Rest des Jahres: „Wenn weniger produziert wird, wird auch weniger LKW gefahren“, so Fichtner. Das Sommerloch dürfte sich also vor allem in umfangschwächeren Zeitungen und Fotos von Politiker im Urlaub ausdrücken.

Mit Material von dpa

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  • Sorry liebes HB, ein absolut substanzloser Artikel!
    "Plausibel erscheine es jedoch, dass Gastronomie und Einzelhandel in gewissen Teilen Deutschlands von den Ferien mehr profitieren als andere, so Fichtner. Beispielsweise in den Küstenregionen oder anderen attraktiven Reisezielen, wobei die Entsenderegionen negativ beeinflusst werden. Anhand von Zahlen lasse sich das allerdings nicht nachvollziehen."
    Hä? Na was denn nun? Diese Aussage ist wie praktisch jede andere völlig inhaltsleer. Offensichtlich existiert das Sommerloch vor allem in der Presse, anhand von Zahlen lässt sich das allerdings nicht nachvollziehen.

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