Ganztagsschulen und der Ausbau der Kinderbetreuung sollten Priorität erhalten
Familie und Beruf zu vereinen ist schwer

Für Familienministerin Renate Schmidt (SPD) war es eine Hiobsbotschaft, als das Bundesinstitut für Bevölkerungswissenschaft (BiB)Anfang des Jahres seine Studie zur Einstellung der Bevölkerung zum demographischen Wandel vorstellte.

BERLIN. Seit sie 2002 das Amt von Christine Bergmann (SPD) übernahm, hatte sie mit dem Argument um eine bessere Familienpolitik geworben: "Wir müssen dafür sorgen, dass Kinderwünsche Wirklichkeit werden." Ein wesentliches Ergebnis der BiB-Studie war aber, dass sich die Deutschen anders als noch vor zehn Jahren nicht mehr Kinder wünschen, als sie tatsächlich haben.

Im Durchschnitt wünschen sich Frauen zwischen 20 und 39 Jahren nur noch 1,74, die Männer 1,57 Kinder. Um die Überalterung Deutschlands umzukehren, müsste jede Frau im Durchschnitt aber mehr als zwei Kinder zur Welt bringen. Eine große Mehrheit glaubt inzwischen, dass sich berufliche Karriere, Selbstverwirklichung der Frau und Wohlstand nur verwirklichen lassen, wenn man auf Kinder verzichtet oder maximal ein Kind hat. "In Deutschland hat sich das Ideal der freiwilligen Kinderlosigkeit ausgebreitet", bringen die Autoren das schockierende Ergebnis der Untersuchung auf den Punkt.

Mit höherem Kindergeld oder zusätzlichen Steuererleichterungen lässt sich dieser Trend kaum umkehren. Während Anfang der 90er-Jahre noch mehr Geld auf der familienpolitischen Wunschliste ganz oben rangierte, sind es inzwischen Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf wie flexiblere Arbeitszeiten, bessere Möglichkeiten zur Tagesbetreuung bis zum Schulalter der Kinder und mehr und bessere Teilzeitarbeitsmöglichkeiten für Frauen. 53 Prozent der Befragten würden sich für Kinder entscheiden, würden diese Bedingungen erfüllt.

Auch das Beispiel anderer europäischer Länder zeigt, dass höhere Geburtenraten vor allem dort erreicht werden, wo es ein gutes Betreuungsangebot gibt. So geht in den meisten skandinavischen Ländern eine hohe Erwerbsbeteiligung der Frau mit höheren Kinderzahlen einher. Familien stehen dort durchweg auch finanziell besser da als in Deutschland mit seiner wachsenden Kinderarmut. In den Niederlanden ist es vor allem das große Angebot an Teilzeitjobs, das Beruf und Nachwuchs besser vereinbar macht (siehe auch Artikel in dieser Rubrik: "Holland kämpft für eine höhere Kinderzahl").

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