Gas-Importe aus Russland
Gabriel widerspricht Merkel

Kanzlerin Merkel hatte eine „neue Betrachtung der gesamten Energiepolitik“ angekündigt, um die Abhängigkeit von Russland zu reduzieren. Nun sagt Wirtschaftsminister Gabriel: Ernsthafte Alternativen gibt es nicht.
  • 29

BerlinBundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel sieht keine vernünftige Alternative zu Erdgas-Importen aus Russland. In der Debatte über die deutsche Energieversorgung und die Abhängigkeit von Russland werde so getan, als bestünden andere Möglichkeiten, sagte der Vize-Kanzler am Donnerstag bei einer Veranstaltung der „Neuen Osnabrücker Zeitung“, wie das Blatt berichtete. Dies sei nicht richtig. „Was sind die Alternativen?“, fragte Gabriel demnach. Es gebe auch keinen akuten Anlass zur Sorge: „Russland hat auch in den finstersten Zeiten des Kalten Krieges seine Verträge eingehalten“, sagte der SPD-Vorsitzende. Den aktuellen Konflikt dürfe man nun nicht weiter eskalieren lassen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte am Donnerstag Erwartungen auf ein schnelles Ende der Abhängigkeit von russischen Energielieferungen gedämpft. „Es wird eine neue Betrachtung der gesamten Energiepolitik geben“, hatte sie am Donnerstag nach einem Gespräch mit dem kanadischen Premierminister Stephen Harper gesagt. Die Infrastruktur zur Nutzung alternativer Rohstoffquellen sei zum Teil noch nicht vorhanden. Haper signalisierte, das Kanada Europa künftig mit Öl und Gas versorgen könne. Die Europäische Union sei in hohem Maße von russischem Öl und Gas abhängig. Die Abhängigkeit Deutschlands sei dabei „längst nicht die höchste“.

Zur Androhung einer dritten Stufe der Strafmaßnahmen gegen Russland mit Wirtschaftssanktionen sagte Merkel: „Ich hoffe, dass wir da gar nicht hinkommen müssen.“ Ziel sei es, dass die Ukraine als selbstständiges Land ihre eigenen Entscheidungen treffen könne. Die Kanzlerin bekräftigte, dass keine militärische Lösung des Konflikts mit Russland angestrebt werde. Allerdings bestehe eine Beistandsverpflichtung gegenüber den osteuropäischen Mitgliedsstaaten der Nato. „Das ist eine Selbstverständlichkeit“, sagte sie.

Harper mahnte bei Wirtschaftssanktionen gegen Russland wegen der Risiken für die Weltwirtschaft zur Vorsicht. Zugleich stellte er - unabhängig von der aktuelle Krise - eine Diversifizierung der kanadischen Energieexporte in Aussicht, die bisher fast ausschließlich in den amerikanischen Markt gehen. Zum russischen Präsidenten Wladimir Putin sagte er: „Putin möchte kein Partner sein, er möchte ein Rivale sein.“ Es sei schwer vorstellbar, dass Russland an den Tisch der G8 zurückkehre, wenn nicht ein grundsätzlicher Kurswechsel in Moskau stattfinde.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Gas-Importe aus Russland: Gabriel widerspricht Merkel"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Gas aus Russland
    ------------

    Dank Gerhard Schröder sind wir zu 40% von russischem Gas abhängig. Uns das lässt sich auch so schnell nicht ändern.
    Zwar liefert Norwegen mehr Gas in die EU als Russland, aber dieses geht vornehmlich in andere Länder.
    Und für Flüssiggas fehlen uns die Terminals. Somit sind wir erpressbar.
    Die Nabucco-Pipeline wurde, da "angeblich" unrentabel, eingestellt.

  • Vielleicht, wenn ich mich mal als Putinversteher versuchen darf, trifft folgender Satz die russische Sicht eher:

    Putin möchte nicht Pudel sondern Partner des Westens sein.

    Statt infantile Militäraufmärsche zu inszeniern, können sich die Konfliktaparteien jetzt an einen Tisch setzen und mal erarbeiten, woher die verschiedenen Wahrnehmungen kommen und was da real dran sein könnte. Naja, jedenfalls Erwachsene würden das machen....

  • @ PolKit

    Zitat : Es können immer Gründe entstehen, warum der Wert von Verträgen sich für eine Seite verändert oder eben entfällt.

    - können Sie auch die Gründe nennen, die die EU veranlasst haben, die Ukraine,

    ein Land, das Bestandteil der Vereinigung GUS-Staaten ist,

    ein Land , das in der Zollunion mit Russland ist ,

    ein Land mit langjähriger vertraglicher Bindung der Stationierung der Russischen Flotte auf der Krim,

    ein Land, das Bankrott ist,

    mit einem Assoziierungsabkommen an sich zu bindet, natürlich mit der Aussicht auf zukünftige Vollmitgliedschaft in der EU und auch in der NATO ( man kann souveränen Staaten ja keine Wünsche abschlagen ) ?

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%