Gasstreit
Putin und Merkel kämpfen ums letzte Wort

Wladimir Putin und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) senden positive Signale für eine Lösung des Gasstreits: Westliche Energiekonzerne sollen das Transitgas vorfinanzieren. Doch zwischenzeitlich läuft das Treffen der beiden in Berlin aus dem Ruder.

BERLIN. Wladimir Putin hat sein Pokerface aufgesetzt. Denn als der russische Ministerpräsident im Bundeskanzleramt am Freitagabend vor die Kameras tritt, weiß er ganz genau: Immer wenn Bundeskanzlerin Angela Merkel und er aufeinander treffen, liegt Spannung in der Luft. Merkel und Putin haben sich schließlich schon früher Wortduelle vor laufender Kamera geliefert, etwa beim EU-Russland-Gipfel in Samara über die Frage der Menschenrechte.

Und als die beiden nun vor die fast 100 gespannt wartenden Journalisten treten, wartet das nächste, emotional aufgeheizte Konfliktthema. Denn seit Tagen reagieren die europäischen Kunden immer gereizter auf den Streit zwischen der Ukraine und Russland, der die Gaslieferungen ausgerechnet im Winter unterbrochen hat. Über die Medien liefern sich die Streithähne wüste Schuldzuweisungen - während die EU warnt, dass den frierenden Menschen in der Slowakei und Bulgarien die Schuldfrage im slawischen Bruderstreit ums Gas und um politischen Einfluss herzlich egal ist. Lieferverträge sind schließlich Verträge.

Aber auch das persönliche Verhältnis der beiden Regierungschefs ist keine Liebesbeziehung, schon weil Merkel in dem früheren russischen Präsidenten immer noch den alten Freund ihres politischen Kontrahenten Gerhard Schröder sieht. Der hatte Putin gerade erst vor zehn Tagen in St. Petersburg besucht. Dennoch versucht es die Kanzlerin in ihrem ersten Statement mit einer nachdrücklichen, aber freundlichen Mahnung. Sie habe beide Seiten aufgefordert, eine schnelle Lösung im Gasstreit zu suchen - wohlgemerkt beide Seiten. Auf das Glatteis der Schuldfrage will sie sich gar nicht erst begeben.

Auch Putin beginnt halbwegs versöhnlich. Es geht um "Testphasen" und "Konsortien", die den Gasfluss wieder in Gang bringen sollen. Aber bereits als die erste kritische Nachfrage kommt, gibt es kein Halten mehr. Die Ukraine habe das Gas "gestohlen", es gehe um "Erpressung", bricht es aus Putin heraus, der dabei trotz der Wucht der Worte keine Mine verzieht. Auch Merkel zwingt sich sichtlich zur Ruhe - aber kaum hat Putin geendet, betont die Gastgeberin ungefragt, die Europäer erwarteten einfach, dass das Gas schnell wieder fließt. Ihr Unterton ist bereits leicht genervt - obwohl Putin und die Kanzlerin zuvor hinter den Kulissen sehr ruhig und sachlich über alle möglichen Themen wie die weltweite Wirtschaftskrise gesprochen hatten.

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