Gastbeitrag: Die Illusionen der Euro-Retter

Gastbeitrag
Die Illusionen der Euro-Retter

Mit umfangreichen Finanzhilfen will die EU die Griechen vor der Pleite bewahren. Doch Finanzwissenschaftler Clemens Fuest hält die Zugeständnisse der privaten Gläubiger für zu gering, um Griechenland zu stabilisieren.
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OxfordDas Krisenmanagement in der Euro-Zone hat in den letzten Monaten oft den Eindruck vermittelt, sich weniger mit der Realität als mit Wunschvorstellungen auseinanderzusetzen. Dazu gehörte die Behauptung, Griechenland sei in der Lage, seine Schulden zurückzuzahlen, oder die Diagnose, die Verschuldungskrise im Euro-Raum könne überwunden werden, wenn Ratingagenturen und Spekulanten nur deutlich genug in die Schranken gewiesen werden.

Vor diesem Hintergrund ist es zu begrüßen, dass der EU-Krisengipfel am vergangenen Donnerstag sich ernsthaft mit der Tatsache beschäftigt hat, dass der griechische Staat insolvent ist. Leider ist das Sammelsurium der beschlossenen Maßnahmen erneut von Illusionen geleitet. Die erste besteht darin, zu glauben, eine signifikante Beteiligung der privaten Gläubiger Griechenlands an den Kosten sei ohne Zwang erreichbar. Private Eigentümer von Anleihen, die in den nächsten Jahren fällig werden, sollen freiwillig auf rund 20 Prozent ihrer Forderungen verzichten. Einige Großbanken haben zugesagt, sich zu beteiligen. Viele andere Investoren haben jedoch noch nicht zugestimmt und werden das voraussichtlich auch nicht tun.

Damit verbunden ist eine zweite Illusion, die besagt, dass Griechenland seine Wirtschaft stabilisieren und den Staatshaushalt sanieren kann, wenn es niedrigere Zinsen an die staatlichen Gläubiger zahlt und die EU ein öffentliches Investitionsprogramm auflegt. Die aktuelle Misere der griechischen Wirtschaft ist unter anderem dadurch verursacht, dass zu viel Geld in staatliche Investitionsprojekte mit zweifelhafter Effizienz geflossen ist. Nachhaltiges Wirtschaftswachstum wird in Griechenland nur dann entstehen, wenn die Bedingungen für privates Unternehmertum sich durchgreifend verbessern. Das erfordert wettbewerbsfähige Löhne, die Öffnung bislang regulierter Märkte, die Privatisierung von Staatsunternehmen, den Abbau von Bürokratie und nicht zuletzt kalkulierbare Rahmenbedingungen, was Steuern und die öffentlichen Haushalte angeht.

All das zu erreichen wird Zeit kosten. Außerdem wird die Entlastung Griechenlands durch niedrigere Zinsen und den geplanten Forderungsverzicht einiger Banken nicht ausreichen, um zu stabilen Staatsfinanzen zurückzukehren. Solange dies nicht gelingt, sind die Chancen auf eine wirtschaftliche Erholung gering. Es ist deshalb abzusehen, dass Griechenland dauerhaft von Transfers aus der Euro-Zone abhängig bleiben wird. Dem jetzt vereinbarten zweiten Hilfsprogramm werden weitere folgen.

Entscheidungen Griechenlands über die Höhe von Steuern und Staatsausgaben werden immer wieder zu Konflikten mit den Gläubigerstaaten führen und das Verhältnis unter den Mitgliedstaaten der Währungsunion vergiften.

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Wunschdenken und rätselhafte Zusagen

Kommentare zu " Gastbeitrag: Die Illusionen der Euro-Retter"

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  • "Rätselhaft ist die Zusage, die Beteiligung privater Gläubiger auf den Fall Griechenlands zu beschränken. Ist das eine Aufforderung, zu der leichtsinnigen Kreditvergabe zurückzukehren, die uns in diese Krise geführt hat?"

    Ich fürchte, diese Aussage ist nicht so rätselhaft. Sie besagt einfach, daß die Ministerrunde - allen voran Sarkozy - plant, den nächsten wackeligen Staaten der Eurozone ohne Beteiligung der Gläubiger Finanzhilfen zu gewähren.

    Im Klartext: Wir retten Euch, koste es, was es wolle. Und die Banken retten wir gleich mit.

    Das sind wahrlich gruselige Aussichten.

  • Mein Kommentar zu Ihrem Beitrag findet sich unten.

  • Mein obiger Beitrag bezieht sich auf die Ausführungen von Ondron (erster Beitrag im Forum).

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