Gastbeitrag JuLis
Gebt den Taxi-Markt frei

Welcher Geringverdiener kann heute die horrenden Taxipreise bezahlen? Der Wettbewerb mit dem privaten Fahrdienst Uber führt zu günstigeren Preisen und einem besseren Angebot. Ein Plädoyer für die Liberalisierung.
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Das amerikanische Unternehmen Uber bietet seit einiger Zeit über das Internet die Vermittlung privater Autofahrten an. Der Fahrgast gibt über sein Smartphone Standort und Wunschziel an. Daraufhin wird ihm ein Fahrer vorgeschlagen und der ungefähre Preis mitgeteilt. Willigt der Fahrgast ein, findet die Fahrt statt und der Preis wird über die Kreditkarte eingezogen. Uber behält einen Teil des Fahrpreises als Provision.

Das klingt nach einer guten Idee. Doch das Taxi ist den Deutschen heilig. Will man andere Menschen gegen Bezahlung mit einem Auto von A nach B transportieren, so muss man als Fahrer eine Vielzahl von Voraussetzungen erfüllen. Das hat einen Grund: Der Betrieb eines Taxis lohnt sich in Berlin oder Hamburg wirtschaftlich mehr, als auf dem Land.

Trotzdem gibt es an allen Orten ein öffentliches Interesse daran, dass Menschen ohne eigenes Auto auch dann nach Hause kommen, wenn Busse und Bahnen nicht mehr fahren. Aus diesem Grund ist der Taxiverkehr hierzulande seit jeher stark reguliert. Nun wehren sich Taxi-Verbände vor Gericht gegen die neuen Angebote. Sie sind damit zwar meist erfolgreich. Doch die Frage, ob die Taxi-Regeln nicht über das Ziel hinaus schießen, beantworten die Gerichtsentscheidungen nicht.

Dieses Ziel muss lauten: Jeder kann zur Not auch mit dem Auto fahren. Aber welcher Schüler, Student, Azubi oder Geringverdiener kann die horrenden Taxipreise heute eigentlich bezahlen? Seit Uber können es sich mehr Menschen leisten, von einem Fahrer mitgenommen zu werden.

Die Preise liegen im Schnitt deutlich unter dem Preis für ein normales Taxi. Hier führt Wettbewerb zu einem besseren Angebot und zu günstigeren Preisen. Der Gesetzgeber täte gut daran, dieser Entwicklung nicht das Wasser abzugraben.

Niemand will das gute alte Taxi beseitigen. Nicht umsonst konzentrieren sich die neuen Anbieter auf Ballungsgebiete. Es bleibt richtig, dass ältere Menschen auf dem Land mit dem Taxi zum Arzt gebracht werden. Aber wenn die Grundversorgung in größeren Städten günstiger und besser durch Private wahrgenommen werden kann, kommt der Staat seinen Aufgaben dann nicht sogar verantwortlicher nach, wenn er ihre Geschäftsmodelle zulässt?

Schließlich käme heute auch niemand mehr auf die Idee, Vodafone und Telefónica das Mobilfunkgeschäft zu verbieten, weil die Deutsche Telekom die Grundversorgung sonst nicht sicher stellen kann. Auch in anderen Bereichen täglicher Mobilität sieht die öffentliche Hand mittlerweile ein, dass die Kreativität neuer Unternehmen einen positiven Effekt hat. Ob neue Bonussysteme oder W-LAN an Bord – seit es Fernbusse gibt, denkt die Deutsche Bahn aktiv darüber nach, wie sie ihr Angebot verbessern kann.

Kommentare zu " Gastbeitrag JuLis: Gebt den Taxi-Markt frei"

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  • Gert, Gegenvorschlag: schon mal von paypal gehört? Kann man auch nutzen und wie bei mir einfach mit dem normalen Konto verknüpfen.

  • @Gert Hoffman:

    Richtig.

    Eine weitere Frage: Wer garantiert mir, daß der UBER-Fahrer nachts nicht aus der Kneipe kommt?

    Das Credo der 1990er Jahre- "Privatisierung macht alles besser und billiger"- hat sich im Bereich der öffentlichen Grundversorgung (nicht in der Privatwirtschaft !)längst als Trugschluß erwiesen.

    Ich habe selbst fast 20 Jahre FDP gewählt, seit die Partei vom Privatisierungs-Hype nicht mehr herunterkommt, wähle ich sie nicht mehr.

  • Sehr geehrter Herr Kuhle,

    klingt soweit alles logisch und gut wenn, .... ja wenn nicht ein paar Hacken an der Sache wären.

    Solange keine Gleichheit der Chancen im Markt herrschen, kann man auch nicht von Wettbewerb sprechen. Mit Uber ist ein Wiesel in den Hühnerstall des Taxigewerbes eingebrochen. Da geht es nicht um faire Konkurrenz, auch wenn die gesetzlichen Regelungen zur Erlangung des PBS erleichtert werden. Sie als Liberaler sollten da etwas sensibler sein.

    Zum zweiten ist das Model Uber so aufgebaut, dass der amerikanische Unternehmer selber kein Risiko trägt, aber eine satte Marge kassiert. Arbeit und Risiko liegen beim Fahrer, der als eigenständiger Kleinunternehmer agieren muss. Und der steht im Zweifel im Regen, wenn an einer Fahrt etwas schief läuft. Dieses Modell der Beschäftigung von Selbständigen (oder auch Scheinselbständigen) führt schlussendlich zum Ruin ganzer Branchen und damit zur verstärkten Armut.

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