Gastbeitrag
Kurzarbeit auf den Bohrinseln

Wer den Klimawandel bremsen will, muss die Förderung fossiler Energie drosseln, betont Ifo-Chef Hans-Werner Sinn. Die bisherige Politik gehe daher in die völlig falsche Richtung.

MÜNCHEN. Unseren Energieverbrauch senken – das ist das große Ziel der Umweltpolitik. Der Staat fördert dafür alternative Energien, die Isolierung von Häusern und sparsame Autos. Diese Programme kosten Milliarden, erreichen aber vermutlich das genaue Gegenteil von dem, was die Umweltpolitiker wollen: Der weltweite Abbau von Kohle, Gas und Öl steigt, statt zu sinken.

Die Erklärung ist einfach: Da die grüne Politik verkündet, dass sie die Daumenschrauben im Laufe der Zeit immer fester anziehen will, drückt sie die zukünftigen Preise mehr als die gegenwärtigen und verringert damit die Wertsteigerung der Ölfelder und Bergwerke. Deren Besitzer beobachten das mit Sorge und reagieren, indem sie ihr Fördervolumen ausdehnen, um ihr Vermögen auf Schweizer Bankkonten in Sicherheit zu bringen, wo höhere Erträge winken.

Das ist das grüne Paradoxon: Umweltpolitik, die im Laufe der Zeit immer grüner wird, wirkt wie eine angekündigte Enteignung, die Fluchtreaktionen hervorruft. Sie veranlasst die Besitzer der Ressourcen, die fossilen Kohlenstoffvorräte schneller abzubauen und beschleunigt damit den Klimawandel.

Die Umweltpolitik muss ihren Blick endlich von der Nachfrage zum Angebot an fossilen Brennstoffen lenken. Statt zum tausendsten Mal darüber nachzudenken, wie man durch technische Maßnahmen CO2 einsparen kann, sollte man sich zunächst einmal mit der Kernfrage beschäftigen, wie man die Besitzer von Öl, Gas und Kohle dazu bewegen kann, ihre Ressourcen im Boden zu lassen. Denn nur so kann man das Klimaproblem wirklich lösen.

Es mag trivial sein, doch es wird in der öffentlichen Debatte immer wieder ausgeblendet: Abgesehen von der nützlichen, aber nur begrenzt möglichen Aufforstung von Wäldern, gibt es nur zwei Wege, die Zunahme des gefährlichen Kohlenstoffbestandes in der Erdatmosphäre und damit auch den Klimawandel zu verlangsamen. Entweder man holt den Kohlenstoff vorläufig nicht aus der Erde heraus, oder man stopft ihn dort wieder hinein. Dieser Grunderkenntnis müssen sich alle technischen und politischen Vorschläge zur Bekämpfung des Treibhauseffektes unterordnen.

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