Gastbeitrag von Dagmar Wöhrl
Fünf Schritte zur Lösung der Flüchtlingsfrage

Wie mit der Flüchtlingsproblematik umgegangen wird, ist für Dagmar Wöhrl (CSU) eine europäische Schicksalsfrage. In ihrem Gastbeitrag skizziert die Vorsitzende des Entwicklungsausschusses im Bundestag Lösungsansätze.
  • 2

BerlinDie Flüchtlingsfrage ist längst zur europäischen Schicksalsfrage geworden: Ist Europa mehr als eine Wirtschaftsunion? Haben wir nur Worte oder auch Werte? Und wie viele Menschen müssen noch sterben, bis es einen gesamteuropäischen Willen zum Handeln gibt?

Ich habe auf diese Fragen keine allgemeingültigen Antworten. Es sind aber die großen Fragestellungen, die den Rahmen um das Bild „Flüchtlinge und Europa“ bilden. Ich möchte hier versuchen, dieses Bild auf einer unteren Ebene, einer praktischeren, in fünf möglichen Handlungsschritten zu skizzieren:

Erstens: Die EU-Abschottungspolitik ist gescheitert. Die Gleichung „Zäune errichten ist gleich weniger Flüchtlinge“ ist nicht aufgegangen. Im Gegenteil: In den Monaten, seitdem das italienische Seenotrettungsprogramm „Mare Nostrum“ eingestellt worden ist, sind mehr Flüchtlinge nach Europa gekommen. Woran liegt das?

Man muss sich vor Augen führen, dass mehr Menschen auf ihrer Flucht durch die Sahara sterben als auf dem Mittelmeer. Haben es Flüchtlinge erst einmal bis zur Küste geschafft, lassen sie sich nicht davon abschrecken, dass Europa die Seenotrettung in einem kleineren Radius durchführt. Deshalb müssen wir ein „Mare Nostrum 2.0“ mit sofortiger Wirkung einführen. Wir können diese Aufgabe nicht noch einmal Italien alleine überlassen, sondern müssen dies aus EU-Mitteln finanzieren.

Zweitens: Wir müssen über Asyl-Anlaufstellen für Flüchtlinge in den nordafrikanischen Staaten nachdenken. Nicht weil dies eine langfristige Lösung wäre, sondern weil es eine schnell umsetzbare ist. Durch eine Kooperation der EU-Staaten mit dem Flüchtlingswerk der Vereinten Nationen und den europäischen Botschaften in Afrika würde sich die Möglichkeit eröffnen, dass Flüchtlinge zunächst über ihre realen Chancen der Anerkennung eines Asyl-Antrags in Europa informiert werden.

Man könnte auf diesem Weg viele Menschen von ihrem tödlichen Weg auf die Schleuserboote abhalten und diejenigen Personen, welche die Kriterien von politischem Asyl in der EU erfüllen, mit einem genehmigten Asylantrag auf sicherem Wege und in kontrollierten Bahnen nach Europa befördern.

Seite 1:

Fünf Schritte zur Lösung der Flüchtlingsfrage

Seite 2:

„Und nun sag, Europa, wie hast Du‘s mit den Flüchtlingen?“

Kommentare zu " Gastbeitrag von Dagmar Wöhrl: Fünf Schritte zur Lösung der Flüchtlingsfrage"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Frau Wöhrl,
    haben Sie denn schon Flüchtlinge in Ihrem Haus aufgenommen?
    Plappern kann ich auch

  • Fr. Wöhrl...wenn Sie sagen, dass die Flüchtlinge in Europa willkommen sind, dann müssen Sie auch ein Konzept haben, wie diese Flüchtlinge hier in Europa zur Wertschöpfung der EU beitragen können.
    Oder Sie müssen vor Ort in Afrika dafür sorgen, dass dort eine wirtschaftlich stabile und wertschöpfende Volkswirtschaft bzw. Volkswirtschaften entstehen können. Also weg mit den Warlords und korrupen Politikerclans. Her mit Verstand und Vernunft Politiker, die zum Wohle ihres Landes ein politisches System und eine Wirtschaftselite schaffen und fördern. Danke!

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%