Populismus: Die neue Keule der Politik – ein Gastbeitrag

Gastbeitrag zum Populismus
Die neue Keule der Politik

Der Aufschrei der etablierten Parteien gegen Populismus ist antidemokratisch. Der Kampfbegriff entlarvt die inhaltliche Ratlosigkeit der Politik. Sie muss sich unbequeme Meinungen aus dem Volk anhören. Ein Gastbeitrag
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BerlinAbgenutzt sind die Auschwitz- und Faschismuskeule. Deshalb wirken sie nicht mehr. Man hat sich an sie gewöhnt. Jeder, der einem nicht passte, wurde als „Faschist“ gebrandmarkt und mit der Faschismuskeule niedergeschlagen. KO. Schluss, Ende. Wenn kein Argument mehr zu überzeugen vermochte, wurde an Auschwitz erinnert und die Auschwitzkeule hervorgeholt. Sie wirkte garantiert.

Ich erinnere an den Jahresanfang 1999. Der grüne Bundesaußenminister Joschka Fischer befürwortete Deutschlands Militäreinsatz Im Kosovo, um das serbische Massaker an den dortigen Albanern zu beenden. Seine Parteibasis widersetzte sich seinem Ansinnen, der Minister keulte: Es gelte, ein neues Auschwitz zu verhindern. So entsetzlich das damalige Blutbad, frühere und spätere – nicht jedes Massaker hat die völkermörderische Dimension von Auschwitz. Das inflationäre Gebrauch des Auschwitz-Vergleichs verharmlost das Grauen. Deshalb wirkt heute auch dieser Vorwurf nicht mehr.

Nun gibt es deutschland- und europaweit eine neue Waffe: die Populismus-Keule. Wenn jemand jemandem nicht gefällt oder gar zu den Mächten des Bösen gezählt werden soll, wird die Populismus-Keule bemüht. Warum jemand ein „Populist“ sein soll, wird nicht gesagt. Wenn aber „Populist“ gesagt wird, wird dem politischen Gegner der politische Tod oder mindestens der politische KO-Schlag gewünscht.

Sage ich zum Gegenüber Populist, muss ich nichts mehr sagen. Er ist nicht mehr Volk (lateinisch „Populus“) sondern Pöbel. Manchmal mag diese Einstellung berechtigt sein, doch der Kampfbegriff Populist entlarvt die inhaltliche Ratlosigkeit der rastlosen Nicht- und Anti-Populisten.

Sie nennen sich „Demokraten“, verstehen sich als die Guten, als Sprachrohr und Anhänger der Herrschaft des Volkes (griechisch: „Demos“). Als Demokraten wollen sie sich von den „Populisten“, verstanden als die Verkörperung des Bösen, abgrenzen. Dummerweise ist aber auch ein Populist Sprachrohr und Anhänger der Herrschaft des Volkes.

Da werfen also Demokraten als Anhänger der Volksherrschaft anderen Anhängern der Volksherrschaft, die sie Populisten nennen, vor, Anhänger der Volksherrschaft zu sein. Auf gut deutsch nennt man so etwas: Quatsch. In einer Gesellschaft der Un- und Halbgebildeten kann man offenbar jedes (Fremd-)Wort beliebig verwenden, ohne sich selbst der Lächerlichkeit preiszugeben.

Das wäre verzeihlich. Unverzeihlich ist es, weil das Wort-Wirrwarr zum wirklichen Problem führt: Oft haben nämlich die verleumdeten Populisten „dem Volk aufs Maul geschaut“ (Martin Luther) und dann Volkes Wort, Volkes Sorgen und Volkes Ängste – berechtigt oder nicht – aufgegriffen und in die politische Arena geschleudert. Nicht wenige jener Worte, Sorgen und Ängste sind tatsächlich höchst unappetitlich, ärgerlich, gar gefährlich. Doch es sind Worte, Sorgen und Ängste, die eben auch aus dem Volk kommen.

Seite 1:

Die neue Keule der Politik

Seite 2:

Die Rache des Pöbels

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  • (Fortsetzung)
    "Im Grunde handelt es sich bei der Verbindung zwischen staatlichem Schulzwang und fast ausschließlich staatlichen Schulen und Lehrplänen um (...) das Kidnapping unserer Kinder zum Zwecke der hoheitlichen und seitens der Betroffenen unabwendbaren INDOKTRINATION...
    Was die öffentlichen Bildungsanstalten mit ihren politisierten Pädagogenriegen wirklich machen, ist etwas ganz anderes: Den in ihre Indoktrinationsanstalten hineingezwungenen Jugendlichen treiben sie die sogenannte "traditionelle Moral" (...) aus - also vor allem religiösen Glauben, sexuelle Zurückhaltung Arbeitsdisziplin, Höflichkeit, Umgangsformen, Eigenverantwortung und impfen ihnen statt dessen die "neue Moral" ein, bestehend aus Umwelthysterie, Zukunftspessimismus, Unternehmer- und Marktfeindlichkeit, wohlfahrtsstaatlichem Anspruchsdenken, Multikulturalismus, Tugendverachtung, Feminismus, sexueller Unbeschränktheit, Elternfeindschaft und Werte-Beliebigkeit - sprich Nihilismus." (Roland Baader: Die belogene Generation, Gräfelfing 1999, S. 34f.)
    Diese "linke" Indoktrination ist also um ein vielfaches verheerender für die Gesellschaft als jeder "Populismus".

  • Ich wähle die Populisten mit Verrätern kann ich nichts anfangen.

  • Und es gibt AUSSCHLIESSLICH Rechts-Populismus, nicht wahr?? Ich habe jedenfalls noch NIE irgendwo etwas von Links-Populismus gelesen.
    Schön, dass das HB als eine der ganz wenigen Mainstream-Zeitungen in diesem Lande noch zu einem solchen Beitrag fähig ist - wenn auch nicht zu einer solchen Schärfe und Deutlichkeit wie etwa hier:
    "DIE WELT stellt fest: „Donald Trump verspricht den Amerikanern das Blaue vom Himmel.“
    Donnerwetter, auf so eine Idee kämen die Nichtpopulisten nie, die sagen höchstens ganz bescheiden: „Wir schaffen das“ und halten ihre massenbeeinflußende Aussage für alternativlos, aber nicht populistisch. Bewahre.
    Nun müßen Sie feststellen, daß die Medien ganz immun gegen Populismus sind, jedenfalls den von rechts, und deshalb unverdrossen weiter gegen Trump und Co. hetzen und Ihnen, ja IHNEN, frei von Populismus ein bisschen Angst machen um sie, wer hatte das gedacht, so zu beeinflussen, daß sie den Populisten den Rücken zuwenden.
    Das ist die andere, die böse Schwester des Populismus.
    Sie nennt sich INDOKTRINATION."
    http://juwelen-magazin.com/2016/12/06/der-populismus-ist-schuld/
    INDOKTRINIERT werden die Deutschen heute schon mit anti-freiheitlichem links-sozialistischen Gedankengut ab ihrer frühen Kindheit - nämlich durch die ZWANGS-Beschulung - insbesondere, seit die 68er die Hoheit über die Gestaltung der Indoktrinationspläne (Lehrpläne) bekommmen haben:

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