Gastbeitrag zur Energiewende
"Ausstieg aus der Kernenergie ist eine Chance"

Die Energiekonzerne wollen die abgeschalteten AKW nach Ende des Atom-Moratoriums nicht wieder angefahren. HANS-JOACHIM RECK, Hauptgeschäftsführer des Verbandes kommunaler Unternehmen, sieht die Energiewende als Chance.
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DüsseldorfDie dramatischen Ereignisse von Japan zeigen uns, dass die Kernkraft eine Technologie ist, die wir wegen ihrer ethisch nicht verantwortbaren Auswirkungen nachfolgenden Generationen nicht zumuten dürfen. Insofern ist es konsequent, wenn die Bundesregierung nun bis 2022 sukzessive aus der Kernenergie aussteigen und unser Energiesystem nachhaltig ausrichten will.

Die Energiewende ist eine gesamtgesellschaftliche Herausforderung, die eine breite Verankerung in der Bevölkerung, aber auch in der Politik benötigt. Mit der Rücknahme der Laufzeitverlängerung setzt die Bundesregierung ein richtiges Signal, und geht gleichzeitig einen mutigen Schritt. Er ist mutig, weil er deutlich macht, dass mit zukunftsfähigen Lösungen und in bester deutscher Ingenieurstradition der Weg in eine risikoärmere und nachhaltige Energieerzeugung beschritten und gleichzeitig ein innovativer Markt erschlossen werden kann.

Die Koalition arbeitet damit erstmals an einer Lösung für die gesamte Energiebranche und nicht wie bislang an einer für wenige. 2010 wurde ein Konzept für vier Energiekonzerne verabschiedet, aber keines für die gesamte Branche. Und das, obwohl diese 2002 dem Ausstieg zugestimmt hatte. Ich habe dies immer kritisiert und beispielsweise die wettbewerblichen Auswirkungen einer Laufzeitverlängerung frühzeitig thematisiert. Die Kommunalwirtschaft ist überzeugt, dass die volkswirtschaftlichen und gesellschaftlichen Vorteile des jetzt beschlossenen Ausstiegs deutlich überwiegen und einen fairen Wettbewerb fördern. Die Kernkraft wurde jahrzehntelang durch Forschungsgelder subventioniert. Von den gesamtgesellschaftlichen Kosten der nicht gelösten und finanzierten Endlagerfrage sowie den Haftungsrisiken ganz zu schweigen.

Rechtliches Säbelrasseln mit Klageandrohungen bringt weder die Unternehmen noch das Land weiter. Aber eines ist klar: Das Wohlergehen der Bevölkerung muss immer Vorrang vor den wirtschaftlichen Interessen einzelner Unternehmen haben. Dafür haben wir gewählte Volksvertreter, die eine entsprechende politische Abwägung vornehmen müssen und entscheiden, was für Deutschland und seine Bürgerinnen und Bürger richtig ist. Letztlich ist das Primat der Politik entscheidend.

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Milliardenschwere Investitionen für die Wende

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  • Leider ist der freie Markt alles andere als weitsichtig und vergisst auch gerne das eine oder andere. Die alte Energiewirtschaft ist schlicht nicht mehr tragfähig: Emissionen fossiler Kraftwerke zerstören das Klima und AKWs sind riskant und eines ihrer Produkte, der Atommüll, wird Mensch und Natur noch ewig zu schaffen machen.
    Ganz nebenbei hat die Kernenergie seit den 1970 196 Mrd.€ an staatlichen Unterstützungen erhalten (Steinkohle 288 und Braunkohle 67Mrd.€). Erneuerbare Energien dagegen bisher nur 39 Mrd.€. Die Anfangsförderung der Kernenergie war mit über 60ct/KWh wesentlich höher als die heutige Förderung der Erneuerbaren: Selbst Neuanlagen der häufig als unwirtschaftlich angesehen Photovoltaik werden nur noch mit gut 20ct/KWh gefördert und das bei einer stark fallenden Tendenz.
    Würde der Markt alle Kosten einbeziehen, wären AKWs und Braunkohlekraftwerke wahrscheinlich nie gebaut worden. Leider müssen wir uns heute und vor allem die nachfolgenden Generationen mit den wirtschaftlichen und ökologischen Kosten der fossilen Energiewirtschaft rumschlagen.
    Dass der Ausbau der Erneuerbaren Energien zudem positive Auswirkungen auf Wachstum und Beschäftigung hat, sei auch noch kurz erwähnt. Genaueres zu den aufgeführten Zahlen und weiteren Aspekten findet man in einer neuen Studie, die aktuelle Forschungsergebnisse auswertet:
    http://www.germanwatch.org/klima/energiekosten

  • Ich kann dieses "Eine-Große-Chance" Gequatsche nicht mehr hören. Für wen soll es denn eine große Chance sein? Natürlich für die, die sich durch Subventionen auf Kosten des Steuerzahlers und Stromkunden bereichern. Wie man schon bei der "großen Chance" der Finanzkrise sehen konnte, ist das die Chance den Steuerzahler bluten zu lassen. "Oh du armer Junge. Deine Mutter ist bei einem Verkehrsunfall ums Leben gekommen. Sieh es doch als Chance. Die konnte sowieso nicht gut kochen. Jetzt kann sich dein Vater eine neue Frau suchen."
    Der Unterschied ist der, dass wir uns die steigenden Kosten schönreden sollen und die oberen von den steigenden Kosten profitieren.

  • Wenn Kapitalgüter mutwillig vernichtet werden, dann ist das NIEMALS volkswirtschaftlich sinnvoll. Und wenn ein Unternehmen oder ein Verband fordert, seine Wettbewerber durch politische Sabotage zu vernichten, ist das NIEMALS ein Argument für diese Branche. Und die Propaganda, daß Kraftwerke mit Stromkosten von 1,5 Cent pro Kilowattstunde schlecht, solche mit 10, 20 oder 50 Cent pro Kilowattstunde aber gut und "zukunftsträchtig" sein sollen, ist nur noch unerträglich. Wenn eine Energiewende notwendig ist, dann die Wende hin zur Wiederherstellung der freien Marktwirtschaft. Dann werden die Energiequellen, die teuer UND unzuverlässig sind, sofort ignoriert.

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