Gastbeitrag zur Gründerkultur
Der deutsche Albtraum

Steve Jobs hat einst den amerikanischen Traum gelebt und mit Apple ein Unternehmen gegründet, das Weltruhm erlangt hat. In Deutschland wäre so etwas kaum möglich. Warum, schreibt Firmengründer Bode in seinem Gastbeitrag.
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Ohne Zweifel, in Sachen Gründerkultur besteht Handlungsbedarf in Deutschland: Zum vierten Mal in Folge sank die Zahl der gewerblichen Existenzgründungen im 1. Halbjahr 2014 - um sechs Prozent auf 164.000 Unternehmen. Im selben Zeitraum wurden 179.300 Betriebe liquidiert. Damit zählen wir 9.100 Unternehmen weniger im Land.

An schlauen Köpfen mangelt es nicht hierzulande. Aber es fehlt offensichtlich das richtige Klima für eine ausgeprägte Gründer- und Unternehmerkultur, die unser Land dringend braucht, wenn es auf Dauer weltweit zu den wichtigen Industrie- und Wirtschaftsstandorten zählen will.

Wenig hilfreich für die Beförderung der Gründerkultur in Deutschland ist, dass die Große Koalition ein Bürokratiemonster nach dem anderen diskutiert und verabschiedet. Wurde die Wirtschaft zuletzt zu Jahresbeginn mit der Einführung des flächendeckenden gesetzlichen Mindestlohns mit neuen Berichts- und Meldepflichten überzogen, liegt jetzt genau deshalb der von Bundesministerin Andrea Nahles vorgelegte Entwurf zur Neuregelung der Arbeitsstättenverordnung auf Eis. Ausgang ungewiss.

Stilblüten wie eine Fensterpflicht in Sanitärräumen oder die Prüfung der Funktionstüchtigkeit von Home-Office-Arbeitsplätzen offenbaren die Regelungswut. Allen Versprechungen zum Trotz Bürokratie abbauen zu wollen, die Große Koalition schafft beständig neue Regeln und Vorschriften. Mit erheblichen Belastungen für die Betriebe. Die Folgen sind eine sinkende Produktivität wie steigende Lohnstückkosten – und damit international ein echter Wettbewerbsnachteil.

Wenig überraschend ist, dass in Umfragen unter potentiellen Gründern vor allem der bürokratische Aufwand als Hindernis angegeben wird. Unternehmer wollen in erster Linie unternehmerisch tätig sein und nicht administrativ. Jeder Gründer, der seinen ersten Mitarbeiter eingestellt hat, weiß, dass dies dem jungen Betrieb erheblichen Aufwand verursacht.

Die immer selben Unternehmens- und Mitarbeiterdaten müssen etwa dem Finanzamt, der Rentenkasse, der Arbeitslosenversicherung oder der Krankenkasse gemeldet werden. Es entstehen Kosten, die mit der Anschaffung notwendiger Software oder von Zertifikaten einhergehen. Unternehmer verlieren in diesem Prozess kostbare Zeit. Zeit, die ihnen fehlt, um sich gerade am Anfang richtig aufzustellen, Aufträge einzuwerben, Produkte und Dienstleistungen weiterzuentwickeln sowie die Finanzierung ihrer Firma zu sichern.

Kommentare zu " Gastbeitrag zur Gründerkultur: Der deutsche Albtraum"

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  • Deutschland ist ein klassischer Beamtenstaat und man sollte schon ein Vermögen mitbringen wenn man sich selbständig macht. Auch ein Scheitern ist meist ein Scheitern auf immer bis in die Obdachlosigkeit. Täter... der Staat,Banken, Behörden.
    Erbsenzähler.

    Deutschland als neue DDR 2 von Politischen Ossis Merkel, und Co aufgebaut,will
    keine Selbständigen, nur die vorhandenen Firmen werden geduldet.

    Wie gesagt ein Stuhl und ein Tisch vor dem Bistro und das Ordnungsamt schliesst den Laden wenn keine Genehmigung vorliegt.

    Ein Klassiiker und noch in 1000 Jahren gültig und aktuell.

  • Hier eine Regel, dort eine und noch mal eine.
    Das erinnert so an die DDR und Planwirtschaft.
    Und genau das möchte man offfensichtlich wieder

  • Marc Ho
    es fehlt nicht nur an Mut und dem guten Willen.
    In Deutschland begann schon unter Kohl leise schleichend die Gier.
    Und die hat viele Betriebe in die Insolvenz getrieben,
    Wir müssen wieder zur wirklichen sozialen Marktwirtschaft wie sie Erhrdt einst machte, zurück, dann geht es uns allen wieder besser

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