Gastgewerbe
Schwarzarbeiter machen Milliarden-Umsätze

Mit Schwarzarbeit im deutschen Hotel- und Gaststättengewerbe werden nach Gewerkschaftsangaben jährlich etwa 20 Milliarden Euro Umsatz erwirtschaftet.

HB ERFURT. „Wir müssen den fürchterlichen Unterbietungswettbewerb stoppen“, sagte der Vorsitzende der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG), Franz- Josef Möllenberg, am Samstag bei einer Konferenz in Erfurt. Viele Arbeitssuchende seien gezwungen, Arbeit um fast jeden Preis anzunehmen. Möllenberg bekräftigte die Forderung der NGG nach einem gesetzlichen Mindestlohn in Höhe von 7,50 Euro brutto pro Stunde. Er bezeichnete es als Skandal, dass eine Bäckereifachverkäuferin in Thüringen, die 40 Stunden pro Woche arbeitet, mit weniger als 1 000 Euro brutto am Monatsende nach Hause gehe.

Die Forderung nach einem gesetzlichen Mindestlohn begründete der Gewerkschaftschef auch damit, dass Tarifverträge wegen der Hürden immer seltener für allgemeinverbindlich erklärt würden. Bei 700 000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in etwa 210 000 Betriebsstätten sei die Gewerkschaft im Gastgewerbe jedoch nicht flächendeckend streikfähig. Insgesamt arbeiteten in Deutschland mehr als 2,5 Millionen Menschen zu Löhnen, die sie nicht vor Armut schützten. Besonders betroffen seien Frauen und Arbeitnehmer in Ostdeutschland.

Gewerkschaften machen Druck bei Mindestlöhnen

Gemeinsam mit der Gewerkschaft ver.di will die NGG nach Angaben von Möllenberg den Druck in der politischen Auseinandersetzung um Mindestlöhne erhöhen. Er habe die Hoffnung, dass im Herbst eine Regelung vorgelegt wird. „Wir wollen existenzsichernde Löhne, um Menschen aus der Schattenwirtschaft herauszubringen.“ Das Beispiel europäischer Länder wie Großbritannien zeige, dass Mindestlöhne keine Arbeitsplätze gefährden, sondern Nachfrage schaffen können.

Möllenberg rechnet durch die Fußball-WM mit einem wirtschaftlichen Schub für Hotellerie und Gaststätten. Besonders in den WM-Städten seien die Viersterne-Hotels bereits ausgebucht. „Wir haben aber die Sorge, dass die positive Stimmung durch die Mehrwertsteuererhöhung 2007 wieder gedämpft wird.“ Die NGG fordere darum ebenso wie der Hotel- und Gaststättenverband, die Mehrwertsteuererhöhung um drei Prozentpunkte nicht auf die Branche anzuwenden. „Sonst könnte die Schwarzarbeit noch beflügelt werden“, sagte der Gewerkschafter.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%