Gastkommentar

Merz: „Europa steht am Scheideweg“

Der frühere Chef der Unionsfraktion im Bundestag, Friedrich Merz, sieht noch große Risiken auf die Euro-Zone zukommen. Entscheidend sei es, dass der gesamte Euro-Raum genügend Wettbewerbsfähigkeit entwickele.
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Friedrich Merz. Quelle: dapd

Friedrich Merz.

(Foto: dapd)

DüsseldorfDie politischen Parteien in Italien und Griechenland seien offensichtlich nicht mehr in der Lage, das politische Führungspersonal zu stellen, das in den Augen der Bevölkerung Vertrauen genießt und zugleich die Kompetenz hat, ihre jeweiligen Länder aus der Krise zu führen. „Monti und Papademos brauchen aber schon bald und immer wieder die Zustimmung der Parlamente, um ihre notwendigen und anspruchsvollen Reformen durchzusetzen“, schreibt Merz in einem Gastbeitrag für das Handelsblatt.

Die entscheidende Frage werde allerdings sein, ob die Euro-Staaten in der Lage sind, in der mittleren Frist die Ursachen für die Verschuldungskrise zu beseitigen. Dazu gehöre neben dem Ausgabeverhalten der Regierungen und Parlamente vor allem die mangelnde Wettbewerbsfähigkeit großer Teile des Euro-Raums in einem sich verschärfenden globalen Wettbewerbsumfeld. „Griechenland, Spanien, Portugal, Italien und leider auch Frankreich haben es sich in der Währungsunion zunächst sehr bequem gemacht. Überall dort sind die verfügbaren Nettoeinkommen der privaten Haushalte schneller gestiegen, als es die volkswirtschaftliche Leistung hergab. Steigende Staatsverschuldung, überproportional steigende Lohnstückkosten und damit einhergehend ein Verlust an internationaler Wettbewerbsfähigkeit sind der Preis dafür.“

Besonders kritisch schätzt Merz den Zahlungsverkehr der Zentralbanken im Euro-System untereinander für die Abwicklung von großen Überweisungen ein. „Hier entwickelt sich seit Ende 2007 ein zunehmendes Ungleichgewicht zwischen den Euro-Staaten, auf das der Chef des Ifo-Instituts, Werner Sinn, und andere seit längerem mit größer werdendem Nachdruck hinweisen.“ Das Ungleichgewicht habe mittlerweile dramatische Dimensionen angenommen.

Im sogenannten „Target-2-System“ stehen zusätzlich zu den bereits eingegangenen Verpflichtungen durch die verschiedenen Rettungspakete mittlerweile rund 600 Milliarden Euro an weiteren Verpflichtungen in den Büchern, davon allein zulasten der Deutschen Bundesbank rund 500 Milliarden Euro. „Die Risiken für den Fortbestand des Euros sind durch die Verschuldung in Target 2, das eigentlich ein reines Zahlungsabwicklungssystem sein sollte, signifikant weiter gestiegen. Wenn ein Mitgliedstaat aus dem Euro ausscheiden sollte, und für Griechenland wird die Wahrscheinlichkeit trotz aller Rettungsbemühungen täglich größer, entsteht ein Abschreibungsbedarf u.a. bei der Bundesbank, der deren Eigenkapital weit übersteigt.“ Europa stünden noch sehr harte Zeiten bevor.

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32 Kommentare zu "Gastkommentar: Merz: „Europa steht am Scheideweg“ "

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  • f. merz hat völlig recht mit dem problem target2. übrigens war noch 2007 die verschuldung über target gleich null!!
    das schlimme ist, das kaum bekannt ist, dass dies neben den schutzschirme eine heimlich gemachteneue versculung ist!
    k.jacobi stuttgart

  • Griechenland, Spanien, Portugal, Italien und leider auch Frankreich haben es sich in der Währungsunion zunächst sehr bequem gemacht.
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    Die Beiträge des Herrn Merz sind ausnahmslos von bemerkenswerter Scharfsinnigkeit und bringen es auf den Punkt !!!
    Wenn zb. in Griechenland überhaupt noch was gerettet werden könnte , dann nur mit einer art Zwangsverwaltung wie wir es in deutschen Kommunen kennen .
    Ich fürchte aber , das kommt in Griechenland zu spät .
    In Spanien und Italien sollten wir sofort damit beginnen , wenn sie ihre wirklich hochgesteckten Sparziele nicht erfüllen .

  • Ihr Kommentar hebt sich wohltuend von etlichen anderen hier ab. Die Analyse von Merz kann ich ebenfalls nur unterstreichen.

    Im Hinblick auf eine langfristig angelegte Strategie zur Erhöhung der ökonomischen Leistungsfähigkeit halte ich den Austritt von Griechenland aus der Eurozone für richtig. Der Weg über den Außenhandel mit einer abgewerteten eigenen Währung ist ja mit dem Euro verbaut.

    Die bisherigen Schulden des griechischen Staates müßten in Euro verbleiben, jedoch erheblich zeitlich gestreckt werden.

  • Wieder einmal eine brilliante Analyse von Hr. Merz.
    Er hat die Ursache richtig erkannt, wobei die viel zu niedrigen Kreditspreads für die Länder bis 2008 und die politisch gewollte Verzerrung aufgrund der Risikolosigkeit von EUROland-Staatsanleihen noch fehlen.
    Über die Wege aus der Krise läßt sich dagegen trefflich streiten, jedoch hilft blinde Wut und Aktionismus (Euro sofort abschaffen) gar nichts. Das Wirtschafts- und Finanzsystem ist nun einmal extrem komplex und die eigenen Wunschvorstellungen können gigantisch negative Auswirkungen haben die man nicht ignorieren darf! Der eingeschlagene deutsche Kurs ist daher richtig: Ein Austritt Griechenland müßte langfristig vorbereitet werden, er geht nicht sofort. Und kein Land kämpft in Europa so stark dafür, dass der Transfer eben nicht unkontrolliert geschieht wie es Dt. tut!

  • Es ist immer wieder erstaunlich, wie viele gute Kommentare von sicherlich gut informierten und intelligenten Bürgern zu diesen Themen geschrieben werden. Es ist auch richtig, dass nahezu alle Politiker Lügner sind und ich geh sogar so weit zu sagen, dass sie höchst kriminell agieren. Wir können hier schon von organisierter Kriminalität sprechen. Sie versündigen sich an ihren eigenen Völkern. Alle Aussagen dieser Leute haben System und wir wissen wie schädlich es für das Volk bereits ist und erst recht noch wird. Aber was ändert sich? Wir Deutschen sind viel zu behäbig, als dass wir dagegen an gehen. Die Mehrheit beschäftigt sich nicht mit dem Thema oder glaubt den Lobliedern der Volksverräter. Das wissen unsere Dummschwätzer. Weitsichtige Leute, die die Fehler längst erkannt haben, werden nicht immer nur mund-tot gemacht. Das Volk sollte endlich aufstehen und sich dagegen wehren, aber das passiert ja nicht. Es werden Massen für Demos gegen das Schulsystem aktiviert, aber wir schaffen es nicht, gegen das Hauptproblem EURO anzugehen. Solange das Hauptproblem nicht gelöst ist,wird es auch keine Lösungen für die anderen "kleinen" Probleme geben. Schlaft weiter.

  • Die Herren Merz und Juncker hatten offensichtlich ein "politisches Frühstück".

  • @ottovan und hardy
    ja, es ist wie bei den Geisterfahrern auf der Autobahn. Sie beide fahren in richtige Richtung. Alternativlos.
    Die Dummheit soll man nicht verachten; sie hat einen Hang zum Monumentalen.
    Dass Sie mich der Dummheit zeihen, beeindruckt mich nicht. Im Gegenteil, wenn es Ihnen hilft, so gönne ich Ihnen das ausdrücklich!

  • @PIKAs
    Im EWS gab es seinerzeit den DM-Block. Der Gulden und der Schilling war fest an die DM gekoppelt. Das ist der Nordeuro!

  • Der Nordeuro ist doch auch schon Geschichte. Nachdem die Ratings von Österreich und den Niederlanden ............

    Es macht keinen Sinn. Jedes Land braucht seine eigene Währung, nur dann kann man sinnvoll auf- und abwerten und im Interesse des eigenen Landes handeln. Es nutzt nichts, wenn man ständig auf andere Länder Rücksicht nehmen muss.

    Wir müssen zurück zur EWG, zu eigenen nationalen Währungen. Ein Europa der Vaterländer und keine EUdSSR!
    Auf Brüssel und die damit verbundenen Kosten kann man auch verzichten.

    Die Politik wäre gut beraten, wenn sie die 5 Professoren, welche gegen den Euro und die Rettungen geklagt haben, in's Boot der Wirtschaft holen würden. Aber dazu sind sich die "ReGIERenden" ja zu fein. Da müsste man ja Fehler zugeben. Lieber wird weitergewurstelt, solange, bis auch wir den Staatsbankrott anmelden müssen.

    Der Euro hat nur Feindschaft unter den einzelnen Ländern Europas angerichtet. Wahrscheinlich müssen wir diesen Mist auch bezahlen, wenn wir endlich aus dieser EU austreten würden. Merkel und Schäuble sorgen aber dafür, dass wir immer mehr Schulden anderer aufgehalst bekommen. Allein die Staatsanleihenkäufe der EZB kommen uns auch noch sehr teuer zu stehen. Denn wir haften mit 28%.

  • Ist das nicht der, der so erfolgreich beim verkaufsversuch der westlb abkassiert hat? Da kann man ja annehmen, das er was von geld versteht.

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