Gastkommentar
Russisches Engagement wird zum Risiko

Seit Jahren arbeiten Deutschland und Russland in Fragen der Energiepolitik eng zusammen. Zuletzt vereinbarten beide Länder einen Ausbau der Partnerschaft. Dies könnte sich für Deutschland jedoch zum Risiko auswachsen.
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Unter dem Druck des Atomausstiegs der Bundesregierung und der dadurch bedingten mittelfristigen Versorgungslücke setzen große deutsche Energieunternehmen vermehrt auf russisches Gas. So verständlich dies aus der Sicht des jeweiligen Managements ohne Zweifel ist, so birgt diese Entwicklung doch Gefahren für einen diversifizierten europäischen Energiemarkt und für die Unabhängigkeit Deutschlands.

Bisher ist die Geschichte der deutsch-russischen Energiepartnerschaft, die mit dem Erdgas-Röhrengeschäft zwischen Bonn und Moskau im Jahre 1970 begann, eine Erfolgsgeschichte. Russland ist seither für Deutschland ein verlässlicher Lieferant gewesen, selbst in den schwersten Zeiten des Kalten Krieges. Umgekehrt hatten die Russen in Deutschland einen wachsenden Absatzmarkt. Die aus dieser wechselseitigen Abhängigkeit entstandene Machtbalance zwischen dem Produzenten (upstream) und dem Käufer (downstream), die sich heute etwa in der Wingas, einem Gemeinschaftsunternehmen von Gazprom und der BASF-Tochter Wintershall erfolgreich dokumentiert, könnte nun außer Kraft gesetzt werden.

Der russische Präsident Dmitrij Medwedjew bot Angela Merkel beim Petersburger Dialog im Juli explizit an, die Energiepartnerschaft auszubauen. Wenig später unterzeichneten Gazprom und RWE überraschend ein Memorandum of Understanding über den Bau gemeinsamer Kraftwerke in Deutschland, Großbritannien und den Benelux-Staaten. Aber das wirkliche Interesse, daran hat Gazprom keinen Zweifel gelassen, ist eine Beteiligung an RWE.

Ein Einstieg der Russen - das ist in Zeiten starker finanzieller Lasten durch Atomausstieg, Brennelementesteuer und Emissionshandel für jeden deutschen Energieversorger zunächst einmal eine attraktive Option. Meldungen zufolge ist deshalb auch die EnBW in Gesprächen mit dem zweitgrößten russischen Gasproduzenten Novatek, um ihre Anteile an der Leipziger Verbundnetz Gas AG zu verkaufen. Die Russen haben ferner deutlich gemacht, dass sie auch auf eine direkte Beteiligung an Stadtwerken zielen.

Die Signale aus Deutschland gegenüber Moskau sind bisher durchweg positiv. So reiste Bayerns Wirtschaftsminister Martin Zeil erst Anfang Juli nach Moskau und lud russische Unternehmen zu Investitionen in Gaskraftwerke und zum Abschluss langfristiger Liefervereinbarungen ein.

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RWE in der Nabucco-Zwickmühle

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  • Nabucco-Pipeline hat bisher kein einziges Gaslieverungsvertrag in Aussicht bekommen. Die Kosten werden sich bereits offiziell verdoppeln (Vervielfachung ist da eher die Realität). Jetzt soll anscheinend die Russen-Keule davon ablenken...

  • Na ja, Pflüger ist Lobbyist der Atlantik-Brücke, da muß er sich schon von berufswegen "Sorgen" machen. Er stößt in das gleiche Horn wie Joschka Fischer von dem man ähnliches seit langem vernimmt. Beide ziehen am selben "Seil".

  • aber NEIN

    Herr Schröder sitzt doch da im aufsichtsrat
    Dann wird ALLES Gut

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