Gastronomie-Bewertungen: Aigner plant verbindliche Qualitätssiegel

Gastronomie-Bewertungen
Aigner plant verbindliche Qualitätssiegel

Die hygienischen Bedingungen in manchen gastronomischen Betrieben verdirbt den Gästen den Appetit. Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) möchte nun ein verbindliches System einführen, mit dem Lokalitäten bewertet werden - und deren Ergebnisse dem Kunden sofort ersichtlich sind.
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HB BERLIN. Verbraucher sollen bald auf einen Blick über die hygienischen Zustände in Restaurants, Kneipen und Imbissbuden aufgeklärt werden. Im Gespräch sind gelbe "Smiley"-Gesichter, die gleich an der Tür darüber Auskunft geben, wie eine Gaststätte bei der Sauberkeits-Kontrolle abgeschnitten hat.

Mehrere Länder wollen schnell gleiche Standards, andere sind vor einem Ländertreffen in dieser Woche aber skeptisch. Dies ergab am Montag eine Umfrage der Nachrichtenagentur dpa. Verbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) verspricht bundesweit einheitliche Regeln - aber nur, wenn sich die Länder einig werden.

"Wenn die Lebensmittelüberwachung gravierende Beanstandungen feststellt, dann sollten Verbraucher auch die Möglichkeit haben, davon zu erfahren", sagte die CSU-Politikerin in Berlin. In Berlin- Pankow werden Schimmel, Ratten oder Ungeziefer hinterm Tresen oder in Küchen bereits öffentlich gemacht. "Entscheidend ist für mich, ob es sinnvoll ist, dass es jeder Bezirk, jedes Land unterschiedlich regelt", sagte Aigner. Zunächst müssten sich die Länder einigen.

Hamburg und Niedersachsen wollen bei einem Ministertreffen am Donnerstag und Freitag in Potsdam auf bundesweit einheitliche Standards hinwirken. Der Antrag Hamburgs, der der Nachrichtenagentur dpa vorliegt, zielt auf ein verbindliches Informationssystem mit einheitlicher Bewertung ab. Vorbild könnte Dänemark sein. Dort zeigen Smiley-Piktogramme, ob ein Restaurant bei Kontrollen gut oder schlecht abgeschnitten hat.

Doch die Länder sind uneins. Nordrhein-Westfalen plant eine entsprechende Initiative, die auch Eisdielen, Bäckereien und Metzgereien einbezieht. Hessens Verbraucherministerin Lucia Puttrich (CDU) sagte: "Hessen unterstützt die Bemühungen, mehr Transparenz zu schaffen." Auch Bremen und Sachsen-Anhalt steht hinter den Anträgen.

Sachsen hofft auf eine Verständigung auf ein Smiley-Modell. Berlin und Brandenburg stehen strengen Regeln ebenfalls positiv gegenüber.

Das Saarland würde eine bundesweite Rechtsgrundlage begrüßen - pocht aber auch auf eine faire Behandlung der kleinen Betriebe.

Mecklenburg-Vorpommern will, dass die Konferenz zunächst die Rechtslage klärt. Baden-Württembergs Verbraucherminister Rudolf Köberle (CDU) warnte vor Problemen bei der Umsetzung - "so einfach und attraktiv es auf den ersten Blick erscheinen mag". Schleswig- Holstein sieht das Smiley-Modell skeptisch, weil nicht genuf kontrolliert werden könne.

Die Verbraucherorganisation foodwatch warnte vor einem geschwächten Smiley-System, das sich auf positive oder freiwillige Kennzeichnungen beschränkt. Grünen-Expertin Ulrike Höfken forderte, der Bund müsse die Veröffentlichungen vorschreiben. Linke-Expertin Karin Binder forderte Aigner auf, den Restaurant-Smiley ohne die Länder unverzüglich zur Pflicht zu machen.

Kommentare zu " Gastronomie-Bewertungen: Aigner plant verbindliche Qualitätssiegel"

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  • ich schlage vor, ilse Aigner geht mal ein paar Jahren in der Gastronomie zum Tariflohn arbeiten, sammelt erst mal Erfahrungen und nimmt sich danach das Recht heraus über Qualitätssiegel zu entscheiden.

  • bitte bitte, und beeilt euch. Es gibt sehr gute betriebe, die sehr hohen Wert legen auf die Sauberkeit am Herd. Hier muss alles "sauber, sauber, sauber" sein. Allerdings gibt es schwarze Schafe, die ihre Personalkosten nicht ansteigen lassen wollen, weil sie anderenfalls höhere Preise für die Speisen nehmen müssten. Diese schwarzen Schafe bieten dann günstiger Speisen an, und zwingen hierduch ihre Mitbewerber ebenfalls die Kosten zu senken. Und das alles erfolgt dann auf Kosten der so außerordentlich wichtigen Sauberkeit. Ganz anders dagegen diejenigen, die mit starken Chemikalien ans Werk gehen, und an die Stelle der beständigen Sauberkeit die einmalige Reinigung setzen. Denn irgendwo ist Hygiene ganz schön teuer.

    Das ich das so wie beshrieben, also ganz unterschiedlich gesehen habe, hat mich schnell am Kapitalismus zweifeln lassen. Denn bezahlt werden will wenig, gefordert wird dagegen viel. Wenn dann die Mißstände zu erkennen sind, dann zweifelt man an der Vernunft des Menschen. Dabei werden viele Menschen gerade durch den Preisdruck in eine Ecke geschoben, in der sie eigentlich nicht wirklich zu Hause sind. Die meisten sehen sich in der Zwangslage, die häufig durch wenige verursacht wird.

    Wer gutes Essen will, also nicht gleich Sterneküche, der wird dafür trotzdem einiges ausgeben müssen. Ansonsten verhungern die Köche bzw. die Reinigungskräfte und die Küche bleibt kalt bzw. schmutzig.

    Wenn dieses politische Vorhaben gelingt, dann kann ich nur dankbar sein.

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