Gauck-Nachfolge
Grünen-Realos fordern eine Frau

In die Debatte um die Nachfolge von Bundespräsident Gauck kommt Bewegung. Der Realo-Flügel der Grünen skizziert erstmals seine Vorstellungen. Auch die Linke meldet sich zu Wort – mit einer Ansage an SPD-Chef Gabriel.

BerlinDer Sprecher des grünen Realo-Flügels, Dieter Janecek, hat sich auch im Hinblick auf eine rot-rot-grüne Annäherung für eine Frau als Nachfolgerin für Bundespräsident Joachim Gauck ausgesprochen. „Es wird Zeit für die erste Frau im höchsten Amt der Republik“, sagt der wirtschaftspolitische Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion dem Handelsblatt. „Eine Persönlichkeit, die für Weltoffenheit, soziale Werte und ökologischen Fortschritt steht, lässt sich mit SPD und Linken vermutlich leichter finden als mit den Rechtsabbiegern von der CSU.“

Der Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter plädierte dafür, die Gauck-Nachfolge getrennt von einer möglichen linken Regierungsperspektive zu diskutieren. „Entscheidend bei der Bundespräsidentenwahl ist für uns nicht der Blick auf die nächste Bundestagswahl, sondern, dass in das Amt eine starke Persönlichkeit kommt, die für Zusammenhalt und Weltoffenheit steht“, sagte Hofreiter dem Handelsblatt.

Mit Blick auf neue Koalitionsoptionen verwies Hofreiter auf die Länder, wo die Grünen schon zeigten, dass sie für neue Wege offen seien. „Es ist gut, dass die Bereitschaft bei SPD und Linken steigt, die Option einer rot-grün-roten Koalition auszuloten“, fügte Hofreiter hinzu, der dem linken Parteiflügel zugerechnet wird. Alternativen seien wichtig für die Demokratie. Die Grün stünden aber für eine „klaren Kurs“ der Eigenständigkeit. „Entscheidend sind für uns die Inhalte: die nächste Regierung muss der ökologischen Modernisierung wieder Schwung verleihen, den sozialen Zusammenhalt stärken und Europa neu zusammenführen. Da müssen sich also alle bewegen.“

Auch der Grünen-Realo Janecek stellte Bedingungen für einen linken Regierungswechsel. „Rot-Grün-Rot ist als Alternative aber nur denkbar, wenn die Linke sich klar zur EU bekennt und ihren Kuschelkurs mit Putin beendet“, sagte er. Wie das aber mit der Linksfraktionschefin Sarah Wagenknecht „funktionieren soll, ist mir bislang schleierhaft“.

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