Gaucks Kritik
Wieviel DDR steckt in den Thüringer Linken?

Grenzsoldat, Stasi-Mitarbeiter, NVA-Offizier: Bundespräsident Gaucks Kritik richtet sich gegen Linke mit diesen Biografien, die in Thüringen bald in der Regierung sitzen könnten. Die Linken-Abgeordneten des Landtags im Check.
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DüsseldorfDer Thüringer Landtag hat insgesamt 86 Abgeordnete und befindet sich derzeit in der sechsten Wahlperiode, 28 davon gehören der Fraktion Die Linke an. Sieben von ihnen haben eine DDR-Vergangenheit. Die Abgeordneten im Check.

Steffen Harzer

Der ehemalige Bürgermeister (1996 bis 2014) von Hildburghausen, Steffen Harzer, trat 1980 in die Sozialistische Einheitspartei Deutschlands (SED) ein. Nach der Wende war er automatisch für die Nachfolgeparteien SED, SED-PDS, Linkspartei, PDS tätig. 1989 war der Politiker Delegierter des Sonderparteitags der SED. Harzer hat Maschinenbau studiert und ist Verwaltungsfachwirt.

Margit Jung

Die gelernte Kulturwissenschaftlerin Margit Jung war von 1986 bis 1987 wissenschaftliche Mitarbeiterin der SED-Kreisleitung. Heute ist Jung Fraktionsvorsitzende der Linken in Gera sowie Vorsitzende des Jugendaushilfeschutzes der Stadt.

Ralf Kalich

Nach der Ausbildung zum Elektromonteur hat Ralf Kalich sein Abitur gemacht und anschließend ein dreijähriges Studium an der Offiziershochschule der Grenztruppen absolviert. Von 1982 bis 1990 war Kalich ein Berufsoffizier der Grenztruppen der DDR, wobei er 1986 „aufgrund politischer Probleme“ versetzt wurde.

Jörg Kublitzki

Seit Oktober 2010 ist Jörg Kublitzki Mitglied des Thüringer Landtags. Der Politiker der Linken-Partei hat nach dem Abitur ein Offiziersstudium an der Hochschule der Nationalen Volksarmee (NVA) absolviert und bis 1990 als Berufsoffizier gearbeitet. Die NVA war von 1956 bis 1990 die Armee der DDR. Sie war für die innere Machtabsicherung der SED verantwortlich war und unterlag deshalb erheblichem Einfluss der Partei.

Frank Kuschel

Von 1980 bis 1983 hat Frank Kuschel an der Offiziershochschule der Landstreitkräfte der Nationalen Volksarmee mit den Fachrichtungen Raketentruppen und Artillerie studiert. Abschließend war er zwei Jahre als NVA-Berufsoffizier in Mühlhausen tätig, wurde 1985 aber entlassen. Kuschel war inoffizieller Mitarbeiter der Staatssicherheit (Stasi). Dabei lieferte er unter dem Decknamen „Fritz Kaiser“ Informationen über Familien, die die DDR illegal verlassen wollten, an den Geheimdienst.

Im Gespräch mit Handelsblatt Online nennt Frank Kuschel seine Stasi-Vergangenheit einen „Fehler“, den er offen eingestanden habe. „Ich habe bei einem Sicherheitssystem mitgewirkt, das gegen die Prinzipen der DDR verstoßen hat.“ Das Einschränken von Individualrecht sei damals als Mittel zur Errichtung einer besseren Gesellschaft gewesen. „Ich sehe das äußert kritisch, kann die Geschichte aber nicht korrigieren.“

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Wieviel DDR steckt in den Thüringer Linken?

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Kuschel will im Landtag bleiben

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  • Ich möchte mal etwas klarstellen. Ich war nie, weder SED, SED-PDS, PDS, PDS-Linkspartei oder für DIE LINKE. tätig oder automatisch tätig. Ich bin zur politischen Wende bewusst Mitglied geblieben. Da ich politische Ideale und Überzeugungen hatte und habe, die ich nun in einer sich erneuernden Partei verwirklichen wollte und konnte. Dafür habe ich gekämpft und mich eingesetzt, in meiner Freizeit und meinem politischen Leben. Ich habe daher auch bewusst entschieden nicht mehr als Bürgermeister zu kandidieren und etwas neues zu wagen im Thüringer Landtag.

  • Die gesamte Debatte wird langsam aber sicher lächerlich:
    Ziehen sie von Alter der Parteimitglieder 25 Jahre und noch einmal 20 Jahre als "Jugendbonus" ab. Wer dann mehr als Null aufweist könnte von Ämtern entbunden werden. Alle unter 45jährigen waren als Jugendlich kaum Täter im im Regime.
    Die Parteien in den neuen Bundesländern haben ALLE Regimeverfechter aufgenommen. Hier verweise ich ganz simpel auf die sog. "Blockflöten" welche in dem jeweiligen westlichen Gegenstück aufgegangen sind.
    Wenn also ein ehrlich gemeinter Schnitt erfolgen soll, dann bitte auch hier ALLE über 45jähriger Bürger aus den neuen Bundesländern werden aller ihrer Ämter verlustig.
    Das wäre wirklich ehrlich - aber nicht umsetzbar, da sich dieser Schnitt auf die gesamte Bundesrepublik beziehen müsste (und nun sehen wir u.a. Bundespräsident und Bundeskanzlerin in neuem Licht).

  • Ganz einfach zu beantworten: Wer nicht mit der Gnade der späten Geburt gesegnet ist, war in der DDR in der SED. Das hatten wir übrigens schon mal, da war nahezu der gesamte Staatsapparat vorher in der NSDAP incl. Ministerpräsidenten, Richter, Wehrmachts(vzh. Bundeswehr)Generälen, Lehrern etc. Und natürlich die weisen Wirtschaftslenker nicht zu vergessen, denen wir die Sch... zu verdanken hatten. Nix neues unter der Sonne also. Wobei die Menschenverachtung zu NSDAP-Zeiten sicherlich unübertroffen war und selbst von den US-Öl-Oligarchen heute kaum zu toppen ist.

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