Gauland bei Anne Will „Ich wusste nicht, dass Boateng dunkelhäutig ist“

Der Politiker Alexander Gauland fühlt sich „reingelegt“: Bei Anne Will relativierte der AfD-Vize sein umstrittenes Boateng-Zitat. Und er enthüllte, von wem er Nachhilfe im Fußball erhält. Fazit: Alles wenig erhellend.
Update: 06.06.2016 - 08:46 Uhr
Erneut sorgt der AfD-Vize mit provokanten Aussagen für Wirbel. Quelle: Reuters
Alexander Gauland

Erneut sorgt der AfD-Vize mit provokanten Aussagen für Wirbel.

(Foto: Reuters)

BerlinOb in der Bier-Werbung, in der Tagesschau  oder auf der Kinderschokolode: Die deutsche Nationalmannschaft ist wenige Tage vor dem Beginn der Fußball-Europameisterschaft in Frankreich allgegenwärtig. Da scheint es wenig verwunderlich, dass die Aufstellung der DFB-Elf auch einen nennenswerten Teil der Sendezeit von Anne Will in Anspruch nahm. Allerdings ließ Will ihre Gäste am Sonntagabend nicht über Viererketten und falsche Neuner diskutieren.

Bei ihrer Sendung mit dem Titel „Guter Nachbar, schlechter Nachbar – wie rassistisch ist Deutschland?“ kamen vielmehr die kulturellen Wurzeln von Jogis Jungs zur Sprache. Der Titel der Sendung spielte auf eine umstrittene Aussage von Alexander Gauland an: Der AfD-Vize wurde in der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" (FAS) mit den Worten zitiert: „Die Leute finden ihn als Fußballspieler gut. Aber sie wollen einen Boateng nicht als Nachbarn haben.“ Seither streiten sich Gauland und die FAS, ob in dem Satz eine Beleidigung des Nationalspielers steckt.

Hetze gegen Flüchtlinge und den Islam
Diffamierende Aussagen über Boateng
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AfD-Vize Alexander Gauland hat mit einer Äußerung über Fußball-Nationalspieler Jérôme Boateng für Empörung gesorgt. Die „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“ („FAS“) hatte Gauland mit folgenden Worten über Boateng zitiert: „Die Leute finden ihn als Fußballspieler gut. Aber sie wollen einen Boateng nicht als Nachbarn haben.“ Damit spielte er auf Boatengs Hautfarbe an: Der gebürtige Berliner hat eine deutsche Mutter und einen ghanaischen Vater. Politiker aller anderen Parteien und Fußballfunktionäre empörten sich über Gauland.

Später ruderte Gauland zurück
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Der weit rechts stehende AfD-Vize bestritt nach dem Proteststurm am Sonntag, sich über Boateng (Foto) als Person geäußert zu haben. „Ich habe nie, wie die „FAS“ insinuiert, Herrn Boateng beleidigt. Ich kenne ihn nicht und käme daher auch nicht auf die Idee, ihn als Persönlichkeit abzuwerten.“ Die Zeitung bekräftigte aber ihre Darstellung. In der ARD räumte Gauland am Abend ein, Boatengs Name könne gefallen sein, möglicherweise seitens der Journalisten - „denn ich kenne mich im Fußball gar nicht aus“. Er habe deutlich machen wollen, „dass es viele Menschen gibt, die halt Fremde in ihrer Nachbarschaft nicht für ideal halten“.

Abfällige Worte über Asylbewerberheime
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Gauland (auf dem Foto mit AfD-Chefin Petry) hat schon früher mit scharfen Aussagen – vor allem zu Flüchtlingen – provoziert. Vor einem Jahr sagte er dem Handelsblatt: „Wir sind eine Partei der kleinen Leute. Damit meine ich auch Leute, die eben kein Asylbewerberheim neben sich haben wollen. Die damit verbundenen Ängste und Sorgen sollten wir ernst nehmen und aufgreifen, dann werden wir auch gewählt.“

Gauland verglich die Flüchtlingswelle mit einem Wasserrohrbruch
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„Wir müssen die Grenzen dicht machen und dann die grausamen Bilder aushalten“, sagte Gauland Ende Februar dem „Zeit-Magazin“. Man könne sich nicht von Kinderaugen erpressen lassen. Gauland fügte hinzu: „Man kann sich nicht einfach überrollen lassen. Einen Wasserrohrbruch dichten Sie auch ab.“ Das Foto zeigt syrische Kinder in einem Flüchtlingslager in der Türkei.

AfD-Chefin Petry sprach sich sogar für Gewalt gegen Flüchtlinge aus
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Noch drastischere Worte kamen von Frauke Petry: In einem Interview forderte sie im Januar, zu verhindern, dass weiter so viele unregistrierte Flüchtlinge über Österreich einreisen könnten. Die Polizei müsse dafür „notfalls auch von der Schusswaffe Gebrauch machen“, sagte Petry. „Kein Polizist will auf einen Flüchtling schießen. Ich will das auch nicht. Aber zur Ultima Ratio gehört der Einsatz von Waffengewalt.“

Beatrix von Storch legte nach
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Die AfD-Europaabgeordnete Beatrix von Storch allerdings legte mit einem Eintrag auf Facebook nach: Sie befürwortete Petrys Schusswaffengebrauch – auch gegen Frauen und Kinder. Die „Kinder“ nahm sie später zurück.

Attacken auch gegen den Islam
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Von Storch war es auch, die zusammen mit Gauland im April die Islam-Debatte auslöste. Sie nannte den Islam „an sich eine politische Ideologie, die mit dem Grundgesetz nicht vereinbar ist“ und sprach sich für ein Verbot von Minaretten und Muezzins in Deutschland aus. Gauland bezeichnete den Islam als „Fremdkörper“ in Deutschland. Parteichefin Petry stellte sich hinter die Aussagen und kritisierte später auch das Kopftuch muslimischer Frauen. In das Grundsatzprogramm der Partei wurde im April der Satz geschrieben: „Der Islam gehört nicht zu Deutschland.“ Ein Treffen mit dem Zentralrat der Muslime brach die AfD im Mai ab. Das Foto zeigt eine Moschee in Duisburg.

Der Streit wurde bei Anne will nahtlos fortgesetzt, denn sowohl Gauland, als auch der am Interview beteiligte FAS-Redakteur Eckart Lohse waren unter den Gästen. Für Zuschauer außerhalb der Medienwelt bot der Streit um Hintergrundgespräche und abgestimmte Zitate allerdings wenig Erhellendes.

Gauland wiederholte seinen Vorwurf, der Name Boateng sei ihm in den Mund gelegt worden: „Herr Lohse, sie haben mich reingelegt“, schimpfte der AfD-Mann. Immerhin enthüllte Gauland, von wem er innerparteilich Nachhilfe in Sachen Nationalmannschaft erhält: „Ich wusste nicht, dass Boateng dunkelhäutig ist.“ Das habe er erst von Beatrix von Storch erfahren, der stellvertretenden Bundesvorsitzenden der AfD.

Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) warf der AfD vor, mit Provokationen wie dem Boateng-Zitat oder dem Schießbefehl gegen Flüchtlinge immer wieder Grenzen zu übertreten – nur um kurze Zeit später wieder alles zu relativieren. Das sei eine durchschaubare Masche. Dass sich Maas jedoch gezwungen sah, gebetsmühlenartig sein Verständnis für die Ängste der Menschen zu betonen, durfte Gauland durchaus als Punktgewinn für seine Partei verbuchen.

„Ich will nichts mehr zur Nationalmannschaft sagen“
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