GDL gegen die Bahn
Lokführer-Streik ausgeweitet – wird bald Benzin knapp?

Seit dem Morgen bestreiken die Lokführer der GDL auch den Personenverkehr. „Ausgedünnt, aber weitgehend stabil“ rollten die Züge, teilt die Bahn mit. Doch am Wochenende könnte der Streik größere Auswirkungen haben.
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BerlinDer längste Lokführerstreik in der Geschichte der Deutschen Bahn ist seit Donnerstagmorgen in vollem Gang. Nach dem Güterverkehr bleiben seit 2.00 Uhr auch im Fern- und Regionalverkehr und zum Teil bei der S-Bahn die Züge stehen. Die Bahn sprach am Morgen von massiven Beeinträchtigungen im Personenverkehr. Mit Ersatzfahrplänen will das Unternehmen bis zum Streikende am Montagmorgen einen Teil der Züge verlässlich auf der Strecke halten. Sie warnte Reisende und Pendler aber vor Ausfällen und längeren Reisezeiten.

Auto- und Lkw-Fahrer müssen sich wegen der Ausfälle im Güterverkehr spätestens am Wochenende darauf einstellen, dass das Benzin an einigen Tankstellen knapp werden könnte - zumindest nach Einschätzung der Logistikbranche. Bei der Kraftstoffversorgung „wird es aus meiner Sicht auf jeden Fall Engpässe geben, zumal ja auch das Aufkommen im Individualverkehr erhöht sein wird“, sagte Gunnar Gburek vom Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik dem Sender MDR Info. Raffinerien hätten Probleme, die Tankstellen zu beliefern.

Gburek rechnet „spätestens Sonntag oder Montag“ mit Problemen. In einigen Wirtschaftsbranchen werde es „auf jeden Fall Produktionsausfälle“ geben.

Die Bahn setzt beim Streik auf Ersatzmaßnahmen: Der Betrieb laufe „ausgedünnt, aber weitgehend stabil“, teilte der Staatskonzern mit, der sich auf beamtete Lokführer stützt, die nicht streiken dürfen. Für Donnerstag und Freitag sind die Ersatzfahrpläne bereits öffentlich. Der Plan für Samstag soll am heutigen Donnerstag um 12.00 Uhr folgen, der für Sonntag am Freitagmittag.

Je nach Region trifft der Streik die Kunden im Regionalverkehr unterschiedlich stark. In West- und Norddeutschland fahre noch etwa jeder dritte Zug, in Süddeutschland sogar 40 Prozent, im Osten dagegen nur 15 bis 30 Prozent des üblichen Angebots. Dort ist die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) am besten organisiert.

Sie will mit dem Streik im Tarifkonflikt mit der Bahn den Druck erhöhen. Die GDL fordert für die Beschäftigten mehr Geld, eine kürzere Arbeitszeit und will neben den Lokführern auch das übrige Zugpersonal in Verhandlungen vertreten, für das bislang aber die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft verhandelt. Die Bahn will konkurrierende Tarifverträge für einzelne Berufsgruppen verhindern.

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Weselsky fühlt sich bedroht

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  • "Mehr Verkehr auf die Schiene" heißt es seit Jahren, die Politik handelt aber gegenteilig und fördert nur die Straße, einschließlich Fernbussen, die nicht einmal die lächerliche Lkw-Maut zahlen, während jeder Zug mindestens 4 €/km zahlen muss.
    Offensichtlich ist die Eisenbahn nicht so unwichtig, wie manche Leute meinen. Benzinknappheit ist eine sicher interessante Auswirkung. Mich wird sie nicht treffen, ich fahre weiter Bahn oder fahre nach Frankreich zum Tanken. Das soll heißen, auch die Nur-Autofahrer sollten aufhören, Sympathien für Weselsky zu hegen. Für mich als Fern-Pendler ist der Mann Feind Nr. 1, denn er gefährdet meinen Broterwerb. Das trifft alle, die zwingend mit der Bahn unterwegs sind und keine Alternative haben, eben Pendler, Schüler, Studenten, untere Einkommensschichten. Zahlt Weselsky vom Lohnausfall betroffenen Arbeitnehmern einen Ausgleich? Dazu sollte er gezwungen werden. Kann er verantworten, dass Studenten schlimmstenfalls 1-2 Semester verlieren, weil sie nicht zu verpflichtenden Lehrveranstaltungen kommen?
    Streiks in der öffentlichen Personenbeförderung sind die einzigen, die das Einkommen anderer Arbeitnehmer direkt gefährden - deshalb müssen sie verboten werden. Die Koalitionsfreiheit müsste dazu nicht beschnitten werden.
    Für den Bahn-Güterverkehr braucht man noch eine andere Begründung - und wenn es Störung der öffentlichen Ordnung ist, die durch Versorgungsengpässe hervorgerufen wird.
    Weselsky fühlt sich bedroht? Wer der Öffentlichkeit den Krieg erklärt, braucht sich nicht zu wundern. Ich frage mich ohnehin, warum wir Bahnfahrer uns das alles bieten lassen.

  • Wer braucht schon als Privatperson die Bahn? Da gibt es viele Alternativen (Busse, Taxis, Auto, Fahrgemeinschaften, Flugzeug, Mietwagen, etc.).
    Anders sieht es beim Güterverkehr aus. Dieser ist wichtig für die Infrastruktur.
    Hier muss der Güterverkehr zuverlässig funktionieren.

    Die GDL verhält sich wie eine terroristische Vereinigung.
    Weselsky fühlt sich bedroht. Das ist wohl der Witz des Tages!

  • Es ist schon ärgerlich ( ;) ), dass es noch Gewerkschaften gibt, die sich energisch für die Rechte ihrer Mitglieder einsetzen.

    Wir haben uns anscheinend zu sehr an die weichgespülte Variante gewöhnt, wo man den Gewerkschaftsfunktionären nur mal kurz einen "Puff"-Besuch bezahlen muss und schon ist alles eitel Sonnenschein.

    Wir (der Staat) können selbst entscheiden, welche Berufsgruppen streiken dürfen und welche nicht. Wenn wir der Meinung sind, dass ein funktionierender Schienenverkehr essentiell wichtig für unser Land ist, dann müssen wir die Angestellten dort halt verbeamten.

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