Geburt, Kindergeld und Elterngeld
Willkommen im Land der Bürokratie!

Ein Kind kommt zur Welt. Doch der deutsche Staat empfängt es mit überbordender Bürokratie. Anträge, Urkunde und Bescheide: Das Erlebnisprotokoll eines jungen Vaters.
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DüsseldorfMit der Geburt beginnt der Lauf des Lebens – und der Lauf durch die Amtsstuben. Frischgebackenen Eltern macht es der deutsche Staat heutzutage ziemlich leicht? Denkste!

Die Anmeldung des Neugeborenen, Anträge auf Mutterschaftsgeld, Kindergeld, Elternzeit und Elterngeld – was mir nach der Geburt unserer Tochter bevorstand, hatte ich im Vorhinein in Erfahrung gebracht. Nicht vorbereitet war ich auf die Bürokratie, die mich dabei erwartete. Ich traf auf desillusionierte Beamte und einen rückständigen Amtsapparat, der seine Arbeitsabläufe in den vergangenen Jahrzehnten offenbar kein bisschen verändert hat. Auch wenn es zu guter Letzt doch irgendwie gut ging: das war alles äußerst aufwendig.

Verwaltungsakt 1: im Krankenhaus

Nach der Geburt melde ich dem Krankenhaus, dass unsere Tochter geboren wurde – und vor allem, dass wir die Eltern sind. Vom Kreißsaal sind diese Infos noch nicht an die Anmeldung gelangt. Immerhin geht es sonst unkompliziert, die gute Frau will aber nicht unsere Personalausweise sehen, sondern die Hochzeitsurkunde. Diese kopiert, den Namen der Tochter notiert und ab geht der Datensatz zum Standesamt. Elektronisch, nicht postalisch – darüber bin ich schon überrascht. Und das erst recht nach den folgenden Bürokratie-Erlebnissen.

Verwaltungsakt 2: im Standesamt

Am „Folgetag“ liegt die Geburtsmeldung im Standesamt meiner Stadt vor – die IT-Schnittstellen arbeiten offenbar langsam. Was der Beamtin jedoch fehlt, sind unsere Geburtsurkunden. Damit habe ich nicht gerechnet, schließlich habe ich doch unsere Hochzeitsurkunde mitgebracht. Und diese hatten wir schließlich nur bekommen, weil wir bei der Anmeldung der Hochzeit beglaubigte Geburtsurkunden der Standesämter unserer Geburtsstädte vorgelegt hatten. Das Standesamt misstraut also seinen eigenen Mitarbeitern beziehungsweise wird vom Gesetzgeber dazu gezwungen.

Alles Zetern hilft nichts: Eltern anrufen, Familienbücher abholen. Ein zweiter Gang zum Standesamt muss her – diesmal mit Erfolg. Nun ja, mit einem Anfangserfolg, denn obwohl ich diesmal die Geburtsurkunden vorlege, kann ich die Geburtsurkunde unserer Tochter noch nicht mit nach Hause nehmen. „Ich rufe Sie dann im Laufe der nächste Woche an“, sagt die Beamtin. Es ist Donnerstag, fünf Tage nach der Geburt. „Wahrscheinlich muss der Amtsleiter persönlich unterschreiben“, denke ich mir nicht ohne Frust. Am Montag ist es dann soweit: der Anruf. Am Dienstag erhalte ich schließlich vier Urkunden, eine darf ich behalten (Kosten: 10 Euro), drei „zweckgebundene“ muss ich verteilen. Zeit für den nächsten Verwaltungsakt.

Kommentare zu " Geburt, Kindergeld und Elterngeld: Willkommen im Land der Bürokratie!"

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  • Steckt hinter der ganzen Bürokratie – so, wie sie jetzt ist und wie ich sie als Angestellte im ÖD tagtäglich erlebe – eigentlich irgendein „tieferer Sinn“, den der gemeine Bürger aufgrund seiner vermeintlich beschränkten Intelligenz bloß nicht zu erkennen imstande ist, oder ist sie nicht doch in erster Linie dem Bedürfnis der „Obrigkeit“ geschuldet, „ihren“ Untertanen klar zu machen, wo ihr Platz ist (und wer das Sagen hat)??!

    Rein prophylaktisch, für den Fall, dass mal einer aus dem Fußvolk auf die Idee kommen sollte, allzu laut darüber nachzudenken, ob der weitaus größte Teil davon wirklich sein muss (statt sich pflichtschuldig aufs Meckern zu beschränken), und ob es nicht auch anders und vor allem wesentlich effizienter (= besser) ginge – und das für jedermann und in jeder Hinsicht! - wenn „man“ (jaja, wer??) einfach mal versuchen würde, die lieben Bürger zum Mitdenken zu animieren??!

    Wir haben wahrhaftig Wichtigeres zu tun als unsere Zeit mit solchen kontraproduktiven, weil die Wirtschaft abwürgenden „Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen“ totzuschlagen!!!

  • Wie heißt es doch so schön?
    "Von der Wiege bis zur Bahre, Formulare-Formulare"

  • Kleiner Trost für Herrn Döring: Wehen tun mehr weh :-)

    Im Übrigen werden die Zuständigkeiten für das Elterngeld wohl wirklich unterschiedlich gehandhabt. Bei mir war nichts "städtisch", sondern eine Stelle der Landesbehörde. Während meine Schwangerschaft hatte ich doch etwas Zeit, mich über diese Formalitäten vorab zu informieren. Infos gibt es auchh online haufenweise, war also nach der Geburt nichts mehr Überraschendes dabei.

    Natürlich könnte man der Elterngeldstelle einfachhaltshalber sein Einverständnis übermitteln, zwecks Einkommen auf die Daten bei der Finanzbehörde zurückzugreifen. Will ich das? Nö!

    Am besten wir geben unsere Daten nur noch online an, damit die dann vernetzten Behörden wie sie es brauchen oder einfach so, diese nutzen und damit was anstellen können. Fehler und Missbrauch inklusive.

    Herr Döring, herzlichen Glückwunsch - jedenfalls zur Geburt Ihrer Tochter!

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