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Geburtenrate: Deutschland schrumpft – Ökonomen schlagen Alarm

exklusiv Spätestens seit den provozierenden Thesen von Thilo Sarrazin ist auch die bedrohliche demografische Entwicklung wieder als Thema auf der Tagesordnung. Denn der Aufschwung in Deutschland hat einen entscheidenden Schönheitsfehler. Und der liegt in der Geburtenrate begründet. Die ist hierzulande so niedrig, dass Wirtschaft und Wachstum bedroht sind.

Berufstätige Mutter: Umdenken in der Familienpolitik gefordert Quelle: dpa
Berufstätige Mutter: Umdenken in der Familienpolitik gefordert Quelle: dpa

DÜSSELDORF. Der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Klaus Zimmermann, hat die Bundesregierung angesichts einer dauerhaft niedrigen Geburtenrate in Deutschland zu einem Umdenken in der Familienpolitik aufgefordert. „Eine arbeitsmarktorientierte Familienpolitik, etwa durch die Förderung von Betriebskindergärten, durch die Entwicklung der frühkindlichen Betreuungssysteme, aber auch durch die sichere Bereitstellung ausreichender Kindergartenplätze sowie durch eine Ganztagsbetreuung in den Schulen könnte Wirkung zeigen“, sagte Zimmermann Handelsblatt Online.

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Zur Gegenfinanzierung schlägt Zimmermann die Abschaffung des Ehegattensplittings vor. „Mit den dann entstehenden mehr als 30 Milliarden Euro zusätzlichen Steuereinnahmen würde man diese familienfördernden Maßnahmen nicht nur finanzieren können, sie würden auch über die gestiegene Frauenerwerbstätigkeit wachstumsfördernd sein und durch Verlagerung von Haushalts- in Marktproduktion die Binnennachfrage stärken.“

Nach Zimmermanns Einschätzung ist es höchste Zeit zu handeln. Denn während die Frauenerwerbstätigkeit in Deutschland weiter auf Expansionskurs liege, und Frauen auch relativ zu den Männern glänzend durch die Krise gekommen seien, bleibe es beim "Geburtenstreik", konstatierte der Ökonom. Auch 2009 hätten deutsche Frauen die niedrigste Nettoreproduktionsrate von allen 27 Mitgliedsstaaten der Europäischen Union, so Zimmermann. dabei seien hohe Geburtenraten und eine volle Integration von Frauen in den Arbeitsmarkt kein naturgesetzlicher Widerspruch. "Andere Gesellschaften wie zu Beispiel die in Schweden, denen die Organisation der Vereinbarkeit von Beruf und Familie besser gelingt, können auch erhebliche höhere Geburtenraten vorweisen", so Zimmermann.

Der DIW-Chef hält ein Gegensteuern der Politik auch deshalb für geboten, da Deutschland inzwischen auch ein Auswanderungsland sei. Und das werde langfristig weh tun: „Eine unausgewogene Altersstruktur und eine deutliche Bevölkerungsschrumpfung wird den Fachkräftemangel verstärken“, warnte der Ökonom. „Dabei wird es immer schwieriger werden, die sozialen Sicherungssysteme ausreichend zu finanzieren.“ Hinzu kämen regionale Entwicklungsschwierigkeiten, „wenn sich ganze Landstriche entvölkern“. Das koste Wachstum und Wohlstand.

Ähnlich äußerte sich die Familienökonomin des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln, Susanne Seyda. „Eine Gesellschaft, in der die Summe der individuellen Entscheidungen zu einem Rückgang der Geburten führt, muss sich darauf einstellen, dass sich das aus Jahrzehnten des Bevölkerungswachstums bekannte Gesellschafts- und Wirtschaftssystem immens verändern wird“, sagte Seyda Handelsblatt Online. Gegenmaßnahmen müssten aus ihrer Sicht im Bildungsbereich ansetzen. „Bildung ist eine der wichtigsten Stellschrauben, um Deutschland demografiefest zu machen: Wenn wir weniger Köpfe haben, so muss mehr in die Köpfe hinein.“ Bildung müsse bei den Jüngsten beginnen und lebenslang fortgesetzt werden. Zentral sei, die Chancen für benachteiligte Kinder zu verbessern, um keine Talente zu verschwenden. „Hier ist der Ausbau der frühkindlichen Bildung und Betreuung ein wesentlicher Schritt.“ Ein Ausbau der Kitas ermuntere zudem kinderlose Frauen zur Familiengründung und verhindere, dass sie deswegen weniger arbeiten können.

Dass Deutschland europäisches Schlusslicht bei den Geburtenraten ist, hält auch IW-Ökonomin Seyda für problematisch. "Der Rückgang der Bevölkerung führt zu einem Rückgang der Zahl der Arbeitskräfte. Wenn weniger Menschen arbeiten, so werden weniger Güter und Dienstleistungen erstellt. Mit anderen Worten: Das Wirtschaftswachstum wird geringer und schränkt den finanziellen Spielraum in allen Politikbereichen ein", erläuterte sie. Hinzu komme, dass durch die Alterung der Bevölkerung einer geringeren Zahl an Erwerbstätigen eine größere Zahl an Rentnern gegenüber stehe. "Die benötigten Produkte und Dienstleistungen werden also von weniger Menschen erwirtschaftet; die zukünftigen Erwerbstätigen müssen also deutlich produktiver sein", so Seyda.

Die Bedeutung der Bildung wird daher aus Seydas Sicht weiter steigen, und der bereits heute spürbare Fachkräftemangel werde sich verstärken. "Zudem entstehen Verteilungskonflikte, wenn die Erwerbstätigen mehr leisten müssen, aber am Erfolg nur in geringerem Maße beteiligt sind, da sie die steigende Anzahl Rentner mitversorgen müssen", warnte die Ökonomin. Um diese Konflikte zu vermeiden, seien daher "dringend" langfristig verlässliche Regeln gefragt, wie das Sozialversicherungssystem ausgestaltet sein solle. "Willkürliche Änderungen in der Gesetzlichen Rentenversicherung, wie die zu Recht von Wirtschaftsminister Rainer Brüderle kritisierte Rentengarantie, müssen unterbleiben", betonte Seyda.

Die Ökonomin riet vor dem Hintergrund der demografischen Herausforderungen der Politik zudem, jungen Paaren und Familien mehr Infrastruktur anzubieten, um sie bei der Kindererziehung zu unterstützen. "Die derzeitige staatliche Familienpolitik fördert bereits das Alleinverdienermodell über Steuervergünstigungen und die kostenlose Mitversicherung in der Gesetzlichen Krankenversicherung", konstatierte sie. Zur Förderung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf sollte daher die Betreuungsinfrastruktur ausgebaut werden. "Ein Betreuungsgeld als Ausgleich für Alleinverdienerfamilien sollte hingegen nicht eingeführt werden", betonte Seyda. Denn: "Untersuchungen zeigen, dass dadurch die Erwerbstätigkeit vermindert und den Kindern mit dem höchsten Förderbedarf der Zugang zu frühkindlicher Bildung verwehrt wird."

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  • 09.09.2010, 13:57 UhrAnonymer Benutzer: W. Fischer

    Widerstand10, sie sprechen mir aus der Seele.Wurde alles von Langerhand sorgfältig vorbereitet.
    Danke

  • 09.09.2010, 13:56 UhrAnonymer Benutzer: norbert

    Widerstand 10
    Haben Sie schon mal überlegt, daß Sie der/die Leidtragende solcher Regeln sein könnten ? So rein theoretisch ... ?

  • 09.09.2010, 13:26 UhrAnonymer Benutzer: Widerstand10

    Wer heute Kinder plant, wird sich in 6 Jahren fragen,warum habe ich das diesen Kind angetan. Deutschland geht zugrunde in einem Völkergewirr und wird in 20 jahren Europa mit in den Abgrund reissen.

    Nur eine Revolution wo klargestellt wird wer das sagen hat und die Regeln aufstellt könnte noch helfen. Aber das passiert nicht und so ist die Hoffnung, dass Deutsche die auf der Welt verstreut sind lebende Erinnerungstücke an ein fleissiges Volk sind, deren Politiker aber alles taten um Arbeit und Leistung Made in Germany zu dem zu machen, was Engländer damals damit ausdrücken wollten.

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