Gedenken an Helmut Kohl: Unionsfraktionsspitze stützt Pläne für Europa-Trauerakt

Gedenken an Helmut Kohl
Unionsfraktionsspitze stützt Pläne für Europa-Trauerakt

Helmut Kohl hat sich nach Angaben von Vertrauten einen Trauerakt auf europäischer Ebene gewünscht. Ein Termin ist noch nicht offiziell bekannt. Unionsfraktion und Bundestag nehmen diese Woche Abschied.
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BerlinDie Spitze der Unionsfraktion im Bundestag hat sich hinter die Pläne für einen europäischen Trauerakt für Altkanzler Helmut Kohl gestellt. Angesichts Kohls intensiven Einsatzes für Europa sei es verständlich, dass es eine europäische Würdigung gebe, sagte der Parlamentarische Geschäftsführer der Unionsfraktion, Michael Grosse-Brömer (CDU), am Dienstag in Berlin.

Zunächst war noch offen, wann der Trauerakt am Sitz des Europaparlaments in Straßburg stattfinden wird. Im Gespräch war ein Termin Anfang Juli, nach dpa-Informationen voraussichtlich am 1. Juli. Der langjährige Kanzler und CDU-Vorsitzende war am Freitag nach langer Krankheit im Alter von 87 Jahren gestorben. Einen eigenen deutschen Staatsakt wird es entgegen der üblichen Praxis nicht geben.

CSU-Landesgruppenchefin Gerda Hasselfeldt sagte, vor dem Hintergrund der aktuell turbulenten Zeit für Europa mit dem Brexit-Entscheid der Briten und rechtspopulistischen Tendenzen in manchen Staaten „tut es ganz gut, mal ein bisschen innezuhalten und auch dieses Vermächtnisses von Helmut Kohl bewusst zu sein“. Sie selbst ziehe daraus „die Verpflichtung, an diesem Vermächtnis weiter zu arbeiten“.

Die CDU/CSU-Abgeordneten wollten in ihrer Fraktionssitzung am Dienstagnachmittag des Altkanzlers gedenken. An der Sitzung sollten auch Weggefährten Kohls teilnehmen, die sich zu einem Treffen ehemaliger Abgeordneter aller Fraktionen in Berlin aufhielten.

Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) werde sich auch angesichts der Tatsache, dass es wohl keinen eigenen deutschen Staatsakt für Kohl geben werde, am Donnerstag zu Beginn der Plenarsitzung über den Ex-Kanzler äußern, sagte Grosse-Brömer. Über Kohl sagte er: „Für meine Generation war er politischer Kompass für unsere Orientierung für Europa, auch für die deutsche Einheit.“ Hasselfeldt würdigte den Altkanzler als „einen großen Staatsmann und einen der größten Europäer unserer Zeit“.

Nach einem Bericht der „Bild“-Zeitung hatte sich am Montag eine vierköpfige Delegation aus Mitarbeitern des Bundespräsidialamtes und des Bundesinnenministeriums zu Gesprächen über die Trauermodalitäten im Wohnhaus Kohls in Ludwigshafen aufgehalten. Die Zeitung zitiert einen Vertrauen des Altkanzlers mit den Worten, es sei dessen Wunsch gewesen, „als deutscher Europäer und europäischer Deutscher seinen letzten Weg“ zu machen. Er habe einen versöhnlichen und friedlichen Abschied gewollt.

Für seine Entscheidung gegen einen deutschen Staatsakt habe aber auch eine Rolle gespielt, wie die rot-grüne Nachfolge-Regierung unter SPD-Kanzler Gerhard Schröder mit ihm umgegangen sei, zitiert die Zeitung den Vertrauten. Hintergrund sei die Affäre um vermeintlich gelöschte Akten des Bundeskanzleramts, bekannt geworden unter dem Stichwort „Bundeslöschtage“. Dabei ging es um den Vorwurf der 1998 neugewählten rot-grünen Regierung, kurz vor der Amtsübergabe seien Unterlagen im Kanzleramt unrechtmäßig gelöscht worden. Unter Schröder war damals der heutige Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (SPD) Kanzleramtschef.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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