Gefallener CSU-Star

30 Prozent glauben an Guttenberg-Partei

Karl-Theodor zu Guttenberg steht vor einem zweiten politischen Frühling - zumindest, wenn es nach Umfragen geht. Unions-Kollegen glauben jedoch nicht an einen CSU-Phönix. Zu Guttenberg solle lieber klug werden.
15 Kommentare
Karl-Theodor zu Guttenberg inszeniert seinen politischen Neubeginn. Quelle: dpa

Karl-Theodor zu Guttenberg inszeniert seinen politischen Neubeginn.

(Foto: dpa)

Berlin/Halle/Baden-BadenDer ehemalige Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) ist nach Ansicht vieler Bürger für die Neugründung einer konservativen Partei am besten geeignet. 30 Prozent trauen ihm einen solchen Schritt zu, wie eine am Samstag veröffentlichte Umfrage von TNS Emnid im Auftrag von „Focus“ ergab.

Deutlich hinter dem über eine Plagiatsaffäre gestürzten CSU-Politiker liegt mit 20 Prozent der ehemalige CDU-Politiker Friedrich Merz, den seit seinem Rückzug aus der Politik immer wieder Gerüchte um eine Parteigründung begleiten. Ex-BDI-Chef Hans-Olaf Henkel, der selbst entsprechende Spekulationen genährt hatte, halten dagegen nur acht Prozent der Befragten für geeignet, den CSU-Rebell Peter Gauweiler sechs Prozent. Befragt wurden 1.000 repräsentativ ausgewählte Bundesbürger.

Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) hat gelassen auf das Wiederauftauchen seines Amtsvorgängers zu Guttenberg reagiert. „Wir sollten Karl-Theodor zu Guttenberg und seine momentanen Aktivitäten nicht so wichtig nehmen“, sagte der CDU-Politiker der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ und fügte hinzu: „Das gilt für alle: für ihn selbst, für die Politiker, aber auch für die Medien. Damit wäre allen am meisten gedient, auch ihm.“

Guttenberg schreibt in einem kürzlich erschienenen, mehr als 200 Seiten starken Interview-Buch, de Maizière habe 95 Prozent von seinen, Guttenbergs, Reformplänen für die Bundeswehr übernommen. Darauf angesprochen sagte der Verteidigungsminister: „Ich habe die Antwort auf die Frage, was ich an Reformplänen vorgefunden habe, schon zu Beginn meiner Amtszeit verweigert. Dabei bleibt es.“

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) hat dem ehemaligen Verteidigungsminister zu seinem 40. Geburtstag am 5. Dezember Klugheit gewünscht. „Er wird 40. Ich wünsche ihm alles Gute. Wenn er Schwabe wäre, dann würde er jetzt klug“, sagte er der in Halle erscheinenden „Mitteldeutschen Zeitung“ (Online-Ausgabe). Die Zeit ab dem 40. Geburtstag gilt als „Schwabenalter“, da der Schwabe angeblich erst mit 40 Jahren vernünftig wird. Schäuble spielte mit seiner Äußerung auf Guttenbergs jüngste Interviewäußerungen in dem Buch „Vorerst gescheitert“ an.

In den Bestsellerlisten liegt zu Guttenbergs neues Buch „Vorerst gescheitert“ entgegen dem Titel weit vorn. Der Gesprächsband rangiert diese Woche nahezu gleichauf mit der autorisierten Biografie von Apple-Gründer Steve Jobs an der Spitze der Sachbuchverkäufe, wie aus der am Freitag veröffentlichten Marktstatistik von Media Control hervorgeht. Jobs' Lebensgeschichte ist demnach seit rund einem Monat das meist verkaufte Sachbuch in Deutschland. Berücksichtigt wurden die Verkaufszahlen von etwa 3.500 Buchhändlern.

Nach Angaben des Herder-Verlags wurden inzwischen 80.000 Exemplare des Buchs, indem Guttenberg mit „Zeit“-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo debattiert, an die Händler ausgeliefert. Weitere 35.000 Ausgaben würden derzeit nachgedruckt, sagte ein Sprecher.

  • dapd
  • dpa
Startseite

Mehr zu: Gefallener CSU-Star - Mehrheit traut Guttenberg Parteigründung zu

15 Kommentare zu "Gefallener CSU-Star: Mehrheit traut Guttenberg Parteigründung zu"

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • @Friedlinde

    "braucht aber eine Hand an seiner Seite, die genügend Einfluss auf ihn hat und sein persönliches Chaos ordnen kann."

    Vielen Dank für Ihr hier offen vorgetragene Bewerbung aber, auch wenn Ihnen das nun das Herz brechen sollte: er ist schon verheiratet - Worauf Sie - wenn ich einen zweiten Gedanken verschwende - ja vielleicht mit "persönliches Chaos" anzuspielen beliebten.

    Ich hab' mich früher immer gefragt, warum die Mädels bei Beatles Konzerten in Ohnmacht fielen. Hat zwar jetzt gute 40 Jahre gedauert, aber ich habe gerade angefangen, zu ahnen, warum das so war.

    Danke für's Vortanzen, die nächste Bitte ...

  • Wer kennt die Freie Union, die 2009 durch Gabriele Pauli gegründet wurde?
    http://de.wikipedia.org/wiki/Gabriele_Pauli#Freie_Union
    Gabriele Pauli war für einige Monaten als CSU-Dissidentin in den Medien, und dann hatte sie sich übernommen.
    So wie KTG aktuell nach allen Seiten austeilt, erweist er sich als nicht teamfähig.
    KTG wird es ähnlich ergehen wie Gabriele Pauli, weil er zu sehr um sich selbst kreist.

  • Hier wird doch nur versucht, mit allen den Medien zur Verfügung stehenden Mitteln, einen Lügenbaron wieder Hoffähig zu machen. Das misslingt und ist auch gut so, denn wo kommen wir denn hin, wenn wir jeden der sich betrügerisch oder sonst wie kriminell verhält und dabei ein öffentliches Amt bekleidet hatte, nun wieder freudestrahlend aufnimmt, nur weil es sonst niemanden gibt den man als Politiker sehen möchte.
    Würden wir andererseits denn auch einen Pädophilen wieder als Erzieher in einem Kindergarten einstellen wollen, weil er so ein nettes Lächeln hat? Da wäre aber ein Aufstand, und selbst jetzt werden viele mäkeln weil es kein Vergleich wäre oder selbiger hinkt. Doch halt, es geht um den Grundzug Kriminalität, wobei es völlig egal ist ob jemand betrügt, stiehlt oder missbraucht oder verletzt, sogar tötet. Es bleibt ungeachtet der Tat eine Straftat.
    Und gerade jemand wie ein Politiker der in der Öffentlichkeit steht, gelten solche Regeln ganz besonders und im Falle wie hier, auch deutlich hart.

    Ein Wunder ist jedoch, das nicht gleich Thilo Sarrazin mit ins Spiel gebracht wurde, oder ist der nun außen vor, obgleich doch auch bei ihm so viele Befragte für Ihn gejubelt haben?!

  • Wir brauchen keine Selbstarsteller und charismaischen Politiker, die von allen Politikern meistens den größten Unfug verzapfen, sondern aufgeklärte und selbstbewuste Bürger, die ihre Angelegenheiten in die eigene Hand nehmen, so wie unsere südlichen Nachbarn, die Schweizer. Gibt und gab es einen charismatischen Schweizer Politiker in Vergangenheit und Gegenwart? Nein, diese leute sind geradezu verpönt. Freie Menschen in einem freien Land regeln ihre Dinge und ihre Politik selber.
    Hoffen wir, dass die Piraten neue Ideen und einen neuen selbstbestimmten Politikstil entwickeln , weitab von irgendeinem Hinterherrennen hinter einem sogenannten und selbsternannten Charismatiker.

  • Eine neue werteorientierte Partei könnte das Potenzial der Nichtwähler aktivieren. Wenn Guttenberg eines der markanten Gesichter seiner solchen Partei werden würde, könnte ich dies nur begrüßen.
    Allein die Reaktion unserer Einheitsparteienvertreter und der mittlerweile gleichgeschalteten Presse zeigen, welche Ängste der Auftritt eines charismatischer Politikers auslöst.
    Wovor haben unsere Blockflöten denn solche Angst? Vielleicht gibt es zu der alternativlosen Politik doch noch bessere Wege?

  • Zu Guttenbergs größte Schwäche ist zugleich seine größte Stärke, zumindest beim Durchschnittsbürger, und das ist seine Ungeduld, verbunden mit seinem Drang zum Überflieger, eben kein langweiliger korrupter Politiker.

    Ja, wir brauchen eine neue konservative Partei, die seriös die zu stellenden Aufgaben angeht, und zu Guttenberg hat sicher viele brilliante Einfälle, gesunden Menschenverstand und Entscheidungswillen, braucht aber eine Hand an seiner Seite, die genügend Einfluss auf ihn hat und sein persönliches Chaos ordnen kann.

  • Guttenberg ist Franke, nicht Schwabe. Um klug zu werden braucht Guttenberg 10-15 Jahre länger als der gemeine Schwabe. Bis dahin sollte er als Privatmann Lebenserfahrung sammeln, z.B. als erfogreicher Geschäftsmann oder als ...Schauspieler.

  • Jemand der seine Glaubwürdigkeit so verspielt hat, gehört genau in die Ecke. (Pissecke)
    Dieses Buch hat er wie seine Dissertation nicht selbst verfasst. Es ist wahrscheinlich so dass er aber es hoffentlich selbst gelesen weil man ihn jetzt von der Systempresse überall in talkshows einladen wird.
    Der Typ hat sogar die Einleitung seiner Dissertation aus der FAZ ein zu ein kopiert ohne Referenz.
    Es ist der reinste Beweis wie die Meinung der öffentlichkeit in Deutschland zentral gesteuert wird, in dem die Presse von links bis rechts Guttenberg mit mehreren Artikeln in die Szene setzen. Da er so hoch gehandelt wird, muss dem Möchtegern Intellektuellen in der USA seine neue Mission aufgetragen worden sein...

  • gutti gibt der schwarmdummheit ein gesicht und dafür müsssen wir ihm dankbar sein.

    nicht vergessen sollten alle die ihn in grund und boden verdammen,daß der menschanfänger schröder und seine
    drecksbande viel größeren schaden angerichtet haben.

    gutti schadet hauptsächlich sich selbst und dem verlogenen akademischen betrieb,der sich nicht entblödet eliten und exzellenzen zuzuschreiben.

    schröder vernichtet dauerhaft existenzen und sein schatten steinbrück,vom stamme nimm,hilft immer noch dabei.

  • wie alle Politiker braucht er den Kick der Selbstinszenierung.

    Würde er eine neue Doktorarbeit schreiben über Ursache, Hintermänner und Ausmaß der Finanzkrise mit nachhaltigem, vernünftigem Lösungsweg für Deutschland und wirtschaftlich-ökonomisch wie juristisch fundierten Umsetzungsschritten - ja damit könnte er jetzt noch punkten.

Alle Kommentare lesen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%