Gefangenenaustausch
Hisbollah will mit Israel verhandeln

Die israelischen Angriffe auf den Libanon zeigen Wirkung: Die radikalislamische Hisbollah hat sich bereit erklärt, über einen Gefangenenaustausch zu verhandeln. Die Entführung zweier israelischer Soldaten hatte den Krieg ausgelöst, bei dem hunderte Menschen vor allem im Libanon umkamen. Deutschland ist als Vermittler für die Verhandlungen im Gespräch.

HB BEIRUT. Die Verhandlunsgbereitschaft erklärte der libanesische Parlamentspräsident Nabih Berri am Sonntag in Beirut. Die pro-iranische, schiitische Hisbollah sei dazu bereit, unter Einschaltung von Vermittlern über die Freilassung der beiden israelischen Soldaten, die sie vor zwölf Tagen in ihre Gewalt gebracht hatte, zu verhandeln, sagte Berri. Israel hält drei Libanesen und Hunderte Palästinenser gefangen.

Die beiden entführten israelischen Soldaten sind nach Darstellung des libanesischen Außenministers Fausi Salluch „bei guter Gesundheit und an einem sicheren Ort.“ Das erklärte der Politiker am Sonntag vor Journalisten. Er rief die Vereinten Nationen und freundlich gesonnene Drittländer dazu auf, sich für den Gefangenenaustausch einzusetzen. Aus westlichen diplomatischen Kreisen verlautete, dass sich Deutschland möglicherweise für eine Vermittlerrolle angeboten habe.

Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte vor Bekanntwerden des Hisbollah-Angebots jedoch bekräftigt, Deutschland werde im Nahost-Konflikt keine klassische Vermittlerrolle übernehmen. Ob diese Ablehnung auch auf explizite Verhandlungen für den Gefangenenaustausch zutrifft, ist nicht bekannt. Ziel bleibe es, so Merkel weiter, die Gewalt so schnell wie möglich zu beenden. Voraussetzung dafür sei die Freilassung der entführten israelischen Soldaten und dass die Hisbollah ihre Angriffe auf Israel einstelle. „Das heißt dann, dass Israel seine Angriffe auch einstellt.“

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier bemühte sich in Beratungen mit Kollegen in Ägypten und Israel um eine Entspannung der Lage. Israel ist nach Worten von Verteidigungsminister Amir Perez bereit, eine Friedenstruppe im Südlibanon zu akzeptieren. Perez sprach in Tel Aviv mit Steinmeier darüber und schlug vor, ein solcher Einsatz solle durch die Nato geleitet werden. Nach Angaben westlicher Diplomaten fordert Israel, dass die internationale Truppe ein klares Mandat haben und stark genug sein soll, die Hisbollah in ausreichendem Abstand zur israelischen Grenze zu halten. Außerdem müsse verhindert werden, dass die Hisbollah weitere Waffen erhalte. Die libanesische Armee solle zudem mit internationaler Hilfe beginnen, die von Iran und Syrien unterstützte Miliz zu entwaffnen. Steinmeier will am Sonntagabend in Ramallah den palästinensischen Präsidenten Mahmud Abbas treffen.

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