Gegen Altersarmut

Merkel will Pläne zur Zuschussrente ändern

Bundeskanzlerin Merkel will bei den Plänen ihrer Arbeitsministerin gegen Altersarmut nachbessern. Offen ist, was vom Konzept der Zuschussrente übrigbleibt. Fest steht: Merkel lehnt die steuerfinanzierte Grundrente ab.
6 Kommentare
Die Zuschussrente soll Mini-Renten auf bis zu 850 € aufstocken. Quelle: dpa

Die Zuschussrente soll Mini-Renten auf bis zu 850 € aufstocken.

(Foto: dpa)

BerlinBundeskanzlerin Angela Merkel hat Änderungen am Konzept der Zuschussrente ihrer Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) angekündigt. „Ich glaube, dass die Zuschussrente, wie Ursula von der Leyen sie vorgeschlagen hat, sicherlich Modifikationen bekommen wird“, sagte die CDU-Chefin am Montag in Berlin. Details nannte sie nicht. Die SPD sieht die Zuschussrente bereits „beerdigt“.

In den kommenden Wochen wird die Koalition nach Merkels Worten eine Antwort auf die Frage geben, wie gegen die drohende Zunahme von Altersarmut vorgegangen werden soll, ohne das Gerechtigkeitsempfinden der Menschen zu stören. Von der Leyen erwartet bis Ende Oktober eine „Richtungsentscheidung“ von Union und FDP.

Die Kanzlerin wandte sich gegen eine steuerfinanzierte Grundrente. „Wir haben die Grundsicherung. Auf der bauen wir auf“, sagte sie. Der SPD-Vorstand plädiert für eine steuerfinanzierte „Solidarrente“ von 850 Euro für Geringverdiener. Für die Zuschussrente, die kleine Renten auf bis zu 850 Euro aufstocken soll, setzt von der Leyen auf einen Finanzierungsmix aus Steuer- und Beitragsgeldern. Dies stößt in Union und FDP auf heftige Gegenwehr.

Merkel blieb bei ihrer distanzierenden Beurteilung des Von-der-Leyen-Modells: „Die Ministerin hat ein richtiges, wichtiges Thema auf die Tagesordnung gesetzt - das wird uns bei der politischen Lösung wirklich voranbringen.“

Für SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles steht seit diesem Montag fest, dass Merkel die Zuschussrente offiziell beerdigt habe. „Wir wissen jetzt: Das ist vom Tisch.“ Nahles forderte die Vorlage eines alternativen Konzepts.

In der vergangenen Woche hatte die Kanzlerin baldige, mit dem Koalitionspartner FDP abgestimmte Vorschläge gegen Altersarmut angekündigt. Dies sollte auch Spekulationen zerstreuen, die Union plane im Rentenstreit bereits ohne die FDP und bereite über eine Annäherung an die SPD einer großen Koalition den Weg.

  • dpa
Startseite

Mehr zu: Gegen Altersarmut - Merkel will Zuschussrenten-Pläne ändern

6 Kommentare zu "Gegen Altersarmut: Merkel will Zuschussrenten-Pläne ändern"

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • @ hermann.12,
    haben Sie das Schrumpfen von Einkünfte im gewerblichen Sektor der letzten ca. dreißig Jahre noch nicht bemerkt?
    Insbesondere "Kleinverdiener" sind die Betroffenen.
    Gewerblich Beschäftigte leisten ~19,5% Beiträge für eine Rente in Höhe ~50% nach ihren Lebenseinkünfte.
    Beamte leisten keine ~19,5% Beiträge und erhalten eine Pension in Höhe ~70% nach Einkünften der letzten Einkunftsjahre.
    Ein Schelm wer das Ergebnis als parasitäres, aber gesetzlich legales Versorgungsverhalten beurteilt?

  • "Der SPD-Vorstand plädiert für eine steuerfinanzierte „Solidarrente“ von 850 Euro für Geringverdiener. Für die Zuschussrente, die kleine Renten auf bis zu 850 Euro aufstocken soll, setzt von der Leyen auf einen Finanzierungsmix aus Steuer- und Beitragsgeldern."

    Die Indexierung nicht vergessen, sonst wird mangels Lobby schnell die Anpassung vergessen. Am besten sollten die Anpassungen mit den Diäten und Pensionen für die Politiker verbunden sein. Dabei sollte kein Politiker mehr als das 10fache der Mindestrente erhalten und der monatliche Zuwachs auf Politikerseite darf die Hälfte der Mindestrente nicht übersteigen.

    Das ist ein pragmatischer Ansatz und erscheint mir sozial ausgewogen.

  • @MaWo
    Ganz Ihrer Meinung.
    Da ein Kampf gegen Windmühlen unsinnig scheint ist die Auswanderung die einzige Möglichkeit seinen Kopf aus der staatlichen Schlinge zu ziehen. Bevor das Genick bricht.

  • Da dürften sie sich gewaltig irren, da schon heute die Beamtenpensioen im Gleichschritt schrumpfen, sei es durch Erhöhung der Berufsjahre, um überhaupt die volle Pension zu bekommen, sei es durch Streichung von anrechenbaren Jahren und Inflationssicher sind höchstens die Pensionen der politischen Kaste.
    Und weil die Staatsschulden weg müssen, wird das nicht das Ende der Kürzungen sein.
    Letztlich ist Merkel nicht für das Desaster verantwortlich, das kann ziemlich treffend der SPD zuschreiben, die erst Mitte der 70zigger noch in Regierungsverantwortung nichts vom demographischen Problem wissen wollte, unter Lafontaien jede Reformpolitik diesbezüglich blockierte und unter Schröder das Problem durch aufblähung der Geldmenge zu beseitigen gedachte.
    Merkel kann nur aus dem Scherbenhaufen eines 40 Jahre verschlafenen Problems das Beste machen. Mehr geht ohnehin nicht mehr.

    H.

  • @ MackieMesser,
    die Vorteilsnahme und Begünstigung im Amt ist gewollt und bleibt gewollt:
    * Diäten unterlagen der Besteuerung und zügig wurden
    die Diäten nahezu verdoppelt.
    * Frau Däubler-Gmelin konnte Beamten mit 1.200 DM/Monat
    keinen Sozialanteil zumuten. Arbeitnehmer, auch
    unterhalb dieses Summe, wurden und werden über 40%
    Sozialabgaben vom Bruttobetrag zugemutet.
    * Einkunftsbeziehern über der Beitrahgsbemessungsgrenze
    und Selbständigen grundsätzlich billigt der
    Gesetzgeber die Befähigung zur eigenverantwortlichen
    Alterssicherung zu.
    Eine eigenverantwortliche Befähigung zu der kein
    Beamter und kein Politiker fähig ist?!
    * Wer in der vierten Volksschulklasse behauptet, dass
    ein Kapital in Höhe Null den höchsten Zinsertrag
    abwirft, der ist unbestritten ein gescheiterter
    Fünftklässler.
    Für gescheiterte Fünftklässer ist das berufliche
    Entgelt zu hoch. Mit Hochschulaschluss und oft einem
    akademischem Grad ist kaum Dummheit, aber eben der
    Straftatbestand der Begünstigung und Vorteilsnahme im
    Amt das Merkzeichen von Beamten und Politikern.
    Leider ohne Folgen da mit der Macht das Unrecht
    gesetzlich zu legalisieren das Beugen von Recht, in
    diesem unserem Lande, Normalität ist.
    * Die Sozialkassen sind längst zu Zahlern einer zweiten
    Steuerleistung degeneriert, die halt ausschließlich
    von Pflichtversicherten geleistet werden.
    In der Realität wurde und wird diese Politik der Volksausplünderung und Volksverelendung von jeder parteipolitischen Farbkonstellation in Regierungsämtern umgesetzt - sich selber und ihre Begünstigten natürlich ausgenommen.

  • Nonsense. Die derzeitige Notenbankpolitik auch und gerade unter der Aegide von Frau Merkel wird jedwede Aufbesserung der Renten inflationsbereinigt zur Makulatur machen. Rentner mit EURO Renten sind zu bedauern. Allerdings glücklich wird sein, wer Beamter a. D. u. Pension erhält da diese automatisch an die Bezüge der aktiven Beamten gekoppelt sind.

    Ja - der Staat sorgt für die Seinen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%